Macht Geld unglücklich?

Das Geld allein nicht glücklich macht ist eine Binsenweisheit. Aber macht es vielleicht sogar unglücklich? Das legt jedenfalls ein Blick auf den Glücksatlas der Deutschen Post nahe. Allerdings nur auf den ersten Blick.

Vielleicht solle man genauer sagen: auf den zweiten Blick. Auf den ersten passt nämlich alles. Von den 19 Regionen, die die Glücksforscher untersucht haben und die sich weitgehend an den Grenzen der Bundesländer orientieren, sind die Menschen in den neuen Bundesländern mit ihrem Einkommen am unzufriedensten. Betrachtet man aber die Zufriedenheit nach Ost und West getrennt, ist man verwundert. Niemand ist mit dem Haushaltseinkommen unzufriedener als die Thüringer. Die zufriedensten Ostdeutschen sind abgesehen von den Berlinern die Mecklenburger und Vorpommern, obwohl das Haushaltseinkommen dort deutlich niedriger liegt als in Thüringen.

Rang der Regionen in der Zufriedenheitsrangliste. Sortiert nach Zufriedenheit mit dem Haushaltsnettoeinkommen (hellgrau). Dunkelgrau: Gesamtzufriedenheit. Quelle. Glücksatlas der Deutschen Post AG

Ähnlich in Westdeutschland. Besonders unzufrieden sind ausgerechnet die reichen Hamburger und die (Süd-)Bayern. Sie stehen auf den letzten Plätzen der Westdeutschen. Ganz oben sind dagegen die Rheinländer aus dem Raum Köln. Das könnte man noch mit der rheinischen Frohnatur erklären, doch auf Platz zwei folgt ausgerechnet die Region Bremen, zu der hier auch das westliche Niedersachsen gehört und auf Platz drei die Bewohner Schleswig-Holsteins.

Und nicht nur das, auf Platz vier folgen die Franken, zu denen die Forscher auch die altbairischen Oberpfälzer zählen. Nun gibt es in Bayern ein Wohlstandsgefälle wie in keinem anderen Bundesland. Warum sind nun die (für bayerische Verhältnisse) armen Franken und Oberpfälzer so viel zufriedener mit ihrem Einkommen als bayerische Schwaben, Ober- und Niederbayern, obwohl vor allem Oberbayern zu den reichsten Regionen Deutschlands gehört?

Die Forscher geben selbst eine Erklärung. Wichtiger als die tatsächliche Höhe ist die relative Wahrnehmung. Bin ich heute reicher als gestern? Und bin ich reicher als mein Nachbar? Den Ostdeutschen ist das Einkommensgefälle gegenüber dem Westen durchaus bewusst, was sie unzufrieden macht. Innerhalb des Ostens und des Westens vergleicht man sich aber eher mit dem Nachbarn. Die Einkommensungleichheit liegt aber in (Süd-)Bayern vergleichsweise hoch. Warum aber die Hessen trotzdem zufriedener sind, obwohl das Land noch ungleicher ist, muss offen bleiben. Die starken Schwankungen zwischen den Zeiträumen (der erste Zeitraum war 1992-1994) legen ohnehin nahe, dass der Zufall eine große Rolle spielt und man Zufriedenheit einfach sehr schwer messen kann. Und in der Gesamtschau passt es auch wieder, da liegen (Süd-)Bayern und Hamburg ganz vorne.

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  1. […] Nicht zuletzt aus Solidarität. Früher waren diese Daten so erwartet worden wie heute die zum BIP, zur Arbeitslosigkeit oder Armut, aber […]

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