Ganz schön eng hier

Im vergangenen Beitrag ging es um den Wald, genauer gesagt den Waldanteil. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich festgestellt, dass der Waldanteil im dicht besiedelten Japan genauso hoch ist wie in Schweden. Das hat mich gleich zum nächsten Beitrag geführt – heute soll es nämlich um die Besiedlungsdichte gehen. Ich entschuldige mich schon mal dafür, hier ein Abfallprodukt aus einem anderen Thema aufzuwärmen, aber wie erwähnt beschäftigt mich meine Arbeit für Mentorium aktuell ziemlich. Dann habe ich auch noch andere Kunden und außerdem zwei Veranstaltungen an der Hochschule, die ich halten muss. Aber ich will darüber nicht klagen, für einen Selbständigen sind viele Aufträge ja immer etwas Gutes.

In der nächsten Woche möchte ich auch noch mal auf den Streit zwischen Fuest und Fratzscher zur sozialen Ungleichheit in Deutschland kommen. Zumindest das ifo-Institut hat mittlerweile geantwortet, das DIW lässt noch auf sich warten. Und weil überall von Big Data die Rede ist, will ich mich einem ähnlichen Thema widmen, nämlich Pig Data.

Aber heute erst mal Besiedlungsdichte. Noch mehr als beim Thema Wald gilt hier natürlich, dass es hier nur um Durchschnittswerte geht. Selbst in Deutschland gibt es deutliche Unterschiede. Rund 36 Menschen leben durchschnittlich auf einem Quadratkilometer im Landkreis Prignitz in Brandenburg, 4.600 sind es in München. Lässt man die kreisfreien Städte außen vor, dann ist der Landkreis Mettmann mit 1.173 Einwohnern pro Quadratkilometern besonders dicht besiedelt.

Brandenburg
Besonders viel Platz gibt es dort, wo Brandenburg an Mecklenburg stößt. Foto: Andreas Issleib – Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 2.0

Auch hier muss man wieder einschränken, dass es wieder Sonderfälle gibt. Die Stadt Hamburg beispielsweise, die mit 2.334 Einwohnern nur rund halb so dicht besiedelt ist wie München. Gibt es hier niedrigere Häuser oder mehr Platz? Wer mit der S-Bahn nach Bergedorf fährt, der fährt tatsächlich noch an Wiesen und Feldern vorbei, obwohl Bergedorf noch zur Stadt Hamburg gehört. Doch der Hauptgrund für die im Vergleich zu München viel geringere Besiedlungsdichte ist der Hafen. Der nimmt viel Platz weg, auch wenn da niemand wohnt.

Trotzdem ist die Besiedlungsdichte kein schlechter Indikator, wenn man für seinen Urlaub ein Fleckchen mit viel Platz sucht. München, Berlin und Herne sollte man dann meiden, der Uckermark-Landkreis, Ostprignitz-Ruppin, der Altmarkkreis und Prignitz sind dagegen gute Adressen.

Berliner U-Bahn
Auch recht dicht besiedelt: Berlin. Foto: Matthew Nöacl

Dabei ist Deutschland insgesamt vergleichsweise gleichmäßig besiedelt. Man denke an Großbritannien oder Frankreich, wo sich ein London oder Paris ein großer Teil der Bevölkerung tummelt. Stark ist das Phänomen auch in den USA ausgeprägt, wo es mit Los Angeles und New York riesige Ballungsräume gibt, während in anderen Teilen des Landes niemand wohnt. Das hat auch mit der Tradition als Einwanderungsland zu tun, Migranten zieht es damals wie heute vor allem in die Städte, das Bild vom deutschen Auswanderer, der in Nordamerika eine Farm gründet beschreibt die Lage im 19. Jahrhundert vermutlich schlechter als das von dem, der sich in der Lower East Side in New York niederlässt.

Aber wie sieht es auf globaler Ebene aus? Welche Länder sind besonders dicht besiedelt? Im Durchschnitt versteht sich. Die Antwort fällt unterschiedlich aus, je nachdem ob man eine deutsche oder eine angelsächsische Quelle heranzieht. Nicht, weil die Daten unklar wären, sondern weil sowohl die CIA (Worldfactbook) als auch die Weltbank (World Bank Open Data) abhängige Gebiete wie Kolonien oder die chinesischen Sonderwirtschaftszonen aufführen, während sie in den Listen des Statistischen Bundesamtes oder des Fischer Weltalmanach nicht auftauchen.

Macau bei Nacht
Auch im dicht besiedelten Macau ist es nicht immer so eng wie hier auf dem Bild. Foto: Kevin Jaako Creative Commons Lizenz CC BY-NC 2.0

Ganz vorne steht bei der Weltbank, die übrigens ein sehr gutes und sehr schön aufbereitetes Datenangebot hat, die chinesische Sonderverwaltungszone Macau mit 19.393 Einwohnern je Quadratkilometern. Es folgt Monaco mit 18.866 Einwohnern, wobei offen bleibt, wie viele davon vor allem aus steuerlichen Gründen in Monaco gemeldet und einen großen Teil des Jahres unterwegs sind. Es folgen Singapur mit 7.829 und Hongkong mit 6.958 Einwohnern. In den deutschen Quellen seht natürlich Monaco ganz oben, denn Macau ist ja, ebenso wie Hongkong, eine chinesische Sonderverwaltungszone.

Siedlungsdichte Grafik
Am dichtest besiedelte Gebiete der Welt einschließlich abhängiger Gebiete (Kolonien, Sonderverwaltungszonen) und Stadt- bzw. Kleinststaaten. Quelle: Weltbank

Stadtstaaten also, das ist wenig überraschend. Auch Inselstaaten wie die Malediven, Bahrein und Malta liegen ganz vorne. Sie sind formell keine Stadtstaaten, aber von der Größe her alle kleiner als Hongkong (rund 1.100 Quadratkilometer) oder Singapur (rund 720 Quadratkilometer), ja auch als Berlin, dass mit rund 890 Quadratkilometern sogar größer ist als Singapur. Spannender ist die Frage, welche Länder die kein Stadtstaat sind oder von der Größe einem entsprechen am dichtesten besiedelt sind.

Besiedlungsdichte
Hongkong ist der größte Stadtstaat – wenn man ihn als eigenes Gebiet betrachtet, wie das die Weltbank und die CIA tun. Denn Hongkong ist ja eine Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China. Foto: Christian Junker – Creative Commons (CC BY-NC-DE 2.0)

Wobei es keine Rolle spielt, ob wir die Grenze bei 1.100 Quadratkilometern ziehen (der Größe Hongkongs), bei 5.000 Quadratkilometern oder 10.000 Quadratkilometern – ebenso wenig wie die, ob wir abhängige Gebiete wie Kolonien und Sonderverwaltungszonen einbeziehen (wie die Weltbank und die CIA) oder nicht. Das am dichtest besiedelte Flächenland ist immer Bangladesch mit einer beeindruckenden Einwohnerdichte von über 1.200 Menschen pro Quadratkilometer. Das entspricht etwa der Besiedlungsdichte der Stadt Bayreuth oder der Stadt Koblenz. Man kann also fast sagen, dass das Land eine riesige Stadt mit rund 155 Millionen Einwohnern ist. Was natürlich nicht ganz stimmt, aber als Bild um sich das Ausmaß vorzustellen nicht schlecht ist.

Die Daten habe ich übrigens von der Weltbank genommen, der Fischer Weltalmanach kommt nur auf 1.050. Das liegt nicht so sehr daran, dass die Daten drei Jahre älter sind. So schnell wächst die Bevölkerung selbst in Bangladesch nicht. Dass sie überhaupt noch relativ stark wächst liegt auch weniger an der hohen Kinderzahl aktuell, sie liegt mit 2,2 Kindern je Frau laut Weltbank unter der im benachbarten Indien (2,4) und auch unter der weltweiten (2,5), sondern vor allem an der hohe Zahl von jungen Frauen. 1980 hatte jede Frau dort im Durchschnitt 6,4 Kinder, die jetzt selbst Kinder haben.

Besiedlungsdichte weltweit Grafik
Am dichtest besiedelte unabhängige Staaten ohne Stadt- und Kleinststaaten. Quelle: Weltbank, für China, Republik (Taiwan) Fischer Weltalmanach. Datenstand 2015, für Taiwan 2012.

Allerdings ist die Datenlage nicht immer perfekt, wie auch die Frage nach Platz drei zeigt. Platz zwei geht unzweifelhaft an Taiwan, oder wie es offiziell heißt die Republik China. Dort wohnen im Schnitt rund 650 Menschen je Quadratkilometer. Das geht allerdings nur aus dem Fischer Weltalmanach hervor, die Weltbank dagegen führt zwar Hongkong auf, nicht aber Taiwan, das ja von der Volksrepublik China als abtrünnige Provinz betrachtet wird.

Doch Platz drei geht einmal an die Republik Korea (Südkorea) und einmal an den Libanon. Denn die Daten für letzteren schwanken zwischen beiden Quellen deutlich, weil keine Einigkeit darüber herrscht, wie viele Menschen denn nun in dem Land leben. So oder so sind beide Länder aber extrem dicht besiedelt. Als einziges europäischen nach lauter asiatischen Ländern kommen die Niederlande, dann mit Ruanda sogar ein afrikanisches Land. Unser südlicher Nachbarkontinent ist eigentlich recht dünn besiedelt, Ruanda ist aber eine der Ausnahmen. Das könnte sich aber bald ändern, denn Afrika ist der einzige Erdteil, wo die Geburtenrate in den meisten Ländern noch fast so hoch liegt wie 1980, ja selbst gegenüber 1960 kaum gefallen ist. Das trifft nur für wenige Länder zu, die mit Ausnahme von Schweden überwiegend in Afrika liegen.

Beeindruckender als die hohe Besiedlungsdichte der Niederlande oder von Ruanda ist aber die von Indien. Sie ist mit rund 380 Einwohnern deutlich höher als in Deutschland mit 230 Einwohnern pro Quadratkilometern und übertrifft sogar die von Japan (338 Einwohner pro Quadratkilometer). Das ist in etwa so, als ob in Deutschland rund 135 Millionen Menschen wohnen würden.

Bild Nagano
Selbst im dicht besiedelten Japan gibt es noch schöne Ecken. Denn alle Angaben für die jeweiligen Länder sind natürlich nur Durchschnitte. Tatsächlich gibt es in fast allen Ländern extrem dicht besiedelte Regionen und meist auch recht dünn besiedelte. Foto: Alexandre Gervais

Beeindruckend ist das vor allem, weil Indien so groß ist. Mit 3,3 Millionen Quadratkilometern ist es rund ein Viertel kleiner als die EU (4,4 Millionen Quadratkilometer), hat aber mehr als doppelt so viele Einwohner. Längst ist China nicht mehr das einzige Land mit mehr als einer Milliarde Einwohnern, schon 1998 hat auch Indien diese Grenze überschritten. Aktuell (2015 nach Weltbank) sind es dort 1,31 Milliarden. Es ist also ein sehr großes Gebiet, das hier so dicht besiedelt ist, auch wenn das natürlich wieder nur im Mittelwert gilt.

Wobei man sagen muss, dass es auch in der Volksrepublik China sehr große, sehr dicht besiedelte Gebiete gibt. Zwar ist das Land im Durchschnitt mit 140 Einwohnern je Quadratkilometer dünner besiedelt als Deutschland, das liegt aber vor allem an den westlichen Provinzen wie Tibet, wo nur zwei Einwohner je Quadratkilometer leben. 1,22 der 1,37 Millionen Menschen leben aber auf einem Gebiet, das geringfügig kleiner ist als Indien. Auch hier gibt es also Regionen, die über sehr weite Strecken sehr dicht besiedelt sind. Insgesamt ist China nur fast dreimal so groß wie Indien (von der Fläche), was den geringen Durchschnitt erklärt. Vereinfacht gesagt: 90 Prozent der Menschen leben auf rund 30 Prozent der Fläche und die übrigen 10 Prozent auf rund 70 Prozent. In einem Beitrag über Städte hatte ich einmal den Fall der Stadt Hulun Buir in der Inneren Mongolei, einer Provinz der Volksrepublik China. Diese „Stadt“ ist etwa so groß wie die alte Bundesrepublik, hat nur 2,7 Millionen Einwohner.

Hulun Buir im Winter
Die „Stadt“ Hulun Buir im Winter. Tatsächlich ist die bezirksfreie Stadt Hulun Buir eigentlich keine Stadt, sondern eine Region, in der auch eine Stadt liegt. Mehrere sogar, von denen einige allerdings wiederum selbständige Städte in der „Stadt“ sind  – und oft auch viele Kilometer von der Stadt entfernt liegen, zu der sie offiziell gehören. Man kann sich das so vorstellen, als würde man Berlin mit Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammenlegen und das dann „Stadt Berlin“ nennen.  Foto: Charlie Luan (cc)

Was lernen wir daraus? Zunächst einmal, dass alle Daten hier nur Durchschnitte sind und es in den meisten größeren Ländern sowohl Ballungsräume als auch dünner besiedelte Gegenden gibt. Allerdings schafft kein Landkreis in Deutschland es nur annähernd auf jene drei Einwohner, die in Australien oder Island durchschnittlich je Quadratkilometer leben, selbst der am dünnsten besiedelte Landkreis kommt auf mehr als das zehnfache. Insofern sind die Daten doch nicht so schlecht. Wer es gerne kuschelig mag, der sollte sich auf dem indischen Subkontinent umtun, wer lieber etwas mehr Einsamkeit hat dagegen die Mongolei, Namibia, Australien oder Suriname ansteuern. Oder aber einige auch sehr große und sehr dünn besiedelte Gegenden wie Tibet oder Sibirien, die hier nicht auftauchen, weil sie keine eigenständigen Staaten sind.

Nebenerwerbsbetriebe in der Landwirtschaft (1)

Es ist wieder mal Zeit für ein Thema aus der Landwirtschaftsstatistik. Genauer gesagt geht es Nebenerwerbslandwirte, die sogenannten Mondscheinbauern. Meine Ausgangsthese ist, dass man die vor allem in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland viele Nebenerwerbslandwirte finden müsste, in Schleswig-Holstein und Niedersachsen dagegen eher wenige. Der Grund: Im Süden und Westen herrschte durch den Einfluss der römischen Kultur die Realteilung vor, bei der der Hof unter allen Söhnen (und teilweise auch den Töchtern) aufgeteilt wurde, im germanisch geprägten Norden und Osten dagegen das Anerbrecht, wo meist der älteste Sohn den Hof alleine erbte.

Realteilung vor allem im Süden

In Nordrhein-Westfalen und Bayern gibt es beide Formen, wobei in NRW das Anerbrecht bei weitem überwiegt. Bayern ist ebenfalls ein Sonderfall, denn hier ist ausgerechnet im Süden das Anerbrecht verbreitet, im nördlichen Franken dagegen die Realteilung. Außerdem ist Bayern neben dem Saarland das einzige alte Bundesland, das heute ein Anerbrecht im Landesrecht mehr kennt, während es im traditionell real teilenden Baden-Württemberg sogar zwei Höfeordnungen mit Anerbrecht gibt (das Badisches Hofgütergesetz und das auslaufende Württembergisches Anerbengesetz). Die neuen Bundesländer sind ohnehin ein Sonderfall, traditionell gab es dort besonders große Höfe.

Hofgröße
Anteil der Höfe in den entsprechenden Größenklassen an allen Höfen im jeweiligen Bundesland. Rot: Baden-Württemberg; Grau: Niedersachsen. Quelle: Destatis

Die Frage nach dem Erbrecht ist nicht so belanglos, wie sie sich anhört. Vielmehr bestimmte sie die Siedlungsgeschichte. In den Gegenden mit Realteilung gibt es traditionell Bauerndörfer, in denen mit Anerbrecht dagegen oft große, alleine liegende Höfe (gut kann man das noch in Niederbayern sehen). Gegenden mit Realteilung wie Franken und Württemberg waren oft früh industrialisiert, weil viele Bauern sich Geld hinzuverdienen mussten. Die SPD hatte hier trotzdem nie eine Chance, denn weil viele Arbeiter noch ein kleines Stück Land besaßen hielten sie von Verstaatlichung nicht viel.

In früher real teilenden Gegenden Höfe noch immer kleiner

Tatsächlich sind die Höfe in Baden-Württemberg beispielsweise deutlich kleiner als in Niedersachsen. Im Südwesten bewirtschaften nur 20 Prozent der Betriebe 50 Hektar oder mehr und bewirtschaften 54 Prozent der Fläche, in Niedersachsen sind es 45 Prozent, die 82 Prozent der Fläche bewirtschaften. Betriebe mit mehr als 200 Hektar weißt die Statistik für Baden-Württemberg gar nicht aus, während in Niedersachsen 16 Betriebe sogar mehr als 1.000 Hektar haben.

Landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe
Anteil der Nebenerwerbsbetriebe an allen landwirtschaftlichen Einzelunternehmen

Bei den Nebenerwerbsbetrieben spiegelt sich das ebenfalls wieder, allerdings nicht ganz so deutlich. Deutschlandweit werden 50,4 Prozent der Einzelbetriebe im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Zahl wird allerdings dadurch etwas verzerrt, dass rund acht Prozent Kapitalgesellschaften oder Einzelunternehmen sind, für die keine Unterscheidung vorliegt, die aber überwiegend Haupterwerbsbetriebe sein dürften. Weil der Anteil in Ostdeutschland deutlich höher liegt, ist ein Vergleich zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern kaum möglich.

Viel Nebenerwerb in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es tatsächlich auch besonders viele Nebenerwerbsbetriebe (62,5 Prozent). In Hessen sind es sogar 68,3 Prozent. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind es dagegen mit 37,7 Prozent und 35,4 Prozent besonders wenig. Da in allen Ländern mehr als 90 Prozent der Betriebe Einzelunternehmen sind, lassen sich die Zahlen ganz gut vergleichen.

Bayern, Bremen und Nordrhein-Westfalen liegen ziemlich im Schnitt der westdeutschen Bundesländer. Bei Bayern ist das wenig erstaunlich, in dem Bundesland gibt es nämlich tradtionell beide Erbformen. Bremen ist aufgrund des Status als Stadtstaat ein Sonderfall, bei Nordrhein-Westfalen hätte ich einen niedrigeren Anteil von Nebenerwerbsbetrieben erwartet, immerhin gilt in den meisten Regionen traditionell das Anerbrecht. Aber das tradtionelle Erbrecht ist ohnehin nicht der einzige Einflussfaktor, auch wenn der Zusammenhang zwischen dem früher geltenden Erbrecht und dem Anteil der Nebenerwerbsbetriebe noch immer erstaunlich groß ist.

Nicht vergleichbar sind dagegen die Zahlen für die neuen Bundesländer. Dort liegt der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe sehr hoch, das liegt aber daran, dass viele Haupterwerbsbetriebe Kapitalgesellschaften oder juristische Personen sind.

Ob dem Nebenerwerbsbetrieb die Zukunft gehört oder ob er ausstirbt, steht im nächsten Beitrag.

Nur ein Simpson-Paradoxon?

Neulich landete eine Pressemitteilung des Immobilienportals loftville auf meinem Schreibtisch. Die begann so: „Eine hamburgweite Umzugswelle – Das könnte das Ergebnis der Auswertung des Bevölkerungsstands 2011 durch die Wohnungsbörse loftville auf Grundlage der Daten der Statistik Nord sein.“.

Warum? Weil das auf exklusive Immobilienvermittlung spezialisierte Unternehmen bei einer Auswertung regionaler Statistikdaten herausgefunden hat, dass Hamburg in punkte Geschlechteranteil Nord-Süd-geteilt ist. Im Norden ist in fast allen Stadtteilen Frauenüberschuss, im Süden Männerüberschuss.

Männer- beziehungsweise Frauenüberschuss in Hamburg. Quelle:loftville.com

Der Unterschied ist teilweise durchaus beachtlich. Obwohl insgesamt in Hamburg (wie in fast allen Städten) mehr Frauen als Männer leben (2,2 Prozent mehr), wohnen in St. Georg und Hammerbrock mehr als 25 Prozent mehr Männer.

Eine Umzugswelle dürfte es aber trotzdem nicht geben. Denn zu einem großen Teil dürfte der Frauenüberschuss in vielen nördlichen Stadtteilen einen klaren Grund haben: das Alter. Je höher der Altersdurchschnitt in einem Viertel, desto höher der Frauenanteil. Es wäre durchaus denkbar, dass ein einer Stadt in allen Stadtteilen in den einzelnen Altersgruppen das Frauen-Männer-Verhältnis gleich ist, aber trotzdem insgesamt deutliche Unterschiede in der Geschlechterverteilung bestehen, weil es unterschiedliche viele alte Menschen gibt (siehe Beispiel). Das sogenannte Simpson-Paradoxon.

In Stadtteil A gibt es in allen Altersgruppen einen niedrigeren oder gleich hohen Frauenanteil wie in Stadtteil A, aber trotzdem insgesamt einen höheren Frauenanteil. Ursache ist die unterschiedliche Altersstruktur. In Hamburg erklärt das Simpson-Paradoxon einen Teil, aber nicht den gesamten Unterschied der Frauenquote.

In Hamburg muss es aber noch mehr Gründe geben. Denn die Altersstruktur erklärt nicht den deutlichen Männerüberschuss. Der Überschuss in St. Georg dürfte nicht zuletzt mit dem Schmuddel-Charakter zu tun haben. Auch dort werden wohl wenige Frauen freiwillig hinziehen, trotz Männerüberschuss.

Im Bereich Harburg wird der Unterschied eher mit der Technischen Universität zu tun haben. Höchstens hierhin würde sich ein Umzug für Frauen lohne, wenngleich auch Harburg nicht zu den exklusivsten Stadtteilen zählt. Junge Frauen auf Männersuche sollten dann lieber gleich nach Aachen ziehen. Dort gibt es nämlich die meisten jungen Männer je gleichaltriger Frau. Der Grund: die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH).