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26Oct/120

Nur ein Simpson-Paradoxon?

Neulich landete eine Pressemitteilung des Immobilienportals loftville auf meinem Schreibtisch. Die begann so: "Eine hamburgweite Umzugswelle - Das könnte das Ergebnis der Auswertung des Bevölkerungsstands 2011 durch die Wohnungsbörse loftville auf Grundlage der Daten der Statistik Nord sein.".

Warum? Weil das auf exklusive Immobilienvermittlung spezialisierte Unternehmen bei einer Auswertung regionaler Statistikdaten herausgefunden hat, dass Hamburg in punkte Geschlechteranteil Nord-Süd-geteilt ist. Im Norden ist in fast allen Stadtteilen Frauenüberschuss, im Süden Männerüberschuss.

Männer- beziehungsweise Frauenüberschuss in Hamburg. Quelle:loftville.com

Der Unterschied ist teilweise durchaus beachtlich. Obwohl insgesamt in Hamburg (wie in fast allen Städten) mehr Frauen als Männer leben (2,2 Prozent mehr), wohnen in St. Georg und Hammerbrock mehr als 25 Prozent mehr Männer.

Eine Umzugswelle dürfte es aber trotzdem nicht geben. Denn zu einem großen Teil dürfte der Frauenüberschuss in vielen nördlichen Stadtteilen einen klaren Grund haben: das Alter. Je höher der Altersdurchschnitt in einem Viertel, desto höher der Frauenanteil. Es wäre durchaus denkbar, dass ein einer Stadt in allen Stadtteilen in den einzelnen Altersgruppen das Frauen-Männer-Verhältnis gleich ist, aber trotzdem insgesamt deutliche Unterschiede in der Geschlechterverteilung bestehen, weil es unterschiedliche viele alte Menschen gibt (siehe Beispiel). Das sogenannte Simpson-Paradoxon.

In Stadtteil A gibt es in allen Altersgruppen einen niedrigeren oder gleich hohen Frauenanteil wie in Stadtteil A, aber trotzdem insgesamt einen höheren Frauenanteil. Ursache ist die unterschiedliche Altersstruktur. In Hamburg erklärt das Simpson-Paradoxon einen Teil, aber nicht den gesamten Unterschied der Frauenquote.

In Hamburg muss es aber noch mehr Gründe geben. Denn die Altersstruktur erklärt nicht den deutlichen Männerüberschuss. Der Überschuss in St. Georg dürfte nicht zuletzt mit dem Schmuddel-Charakter zu tun haben. Auch dort werden wohl wenige Frauen freiwillig hinziehen, trotz Männerüberschuss.

Im Bereich Harburg wird der Unterschied eher mit der Technischen Universität zu tun haben. Höchstens hierhin würde sich ein Umzug für Frauen lohne, wenngleich auch Harburg nicht zu den exklusivsten Stadtteilen zählt. Junge Frauen auf Männersuche sollten dann lieber gleich nach Aachen ziehen. Dort gibt es nämlich die meisten jungen Männer je gleichaltriger Frau. Der Grund: die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH).

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16Oct/120

Senioren in Suhl

Das Statistische Bundesamt plant eine große Veranstaltung zum demographischen Wandel. Der ist aber in einigen Regionen bereits da. Dort leben bereits jetzt vor allem Ältere.

Seit 1989 ist Suhl in Thüringen deutlich geschrumpft - und gealtert. Aber die Mode ist besser geworden. Foto: Felix O.

Wie erwartet liegen die Kreise mit einer besonders hohen Zahl Älterer vor allem in Ostdeutschland. Dort, wo die jungen Menschen wegen schlechter Jobperspektiven wegziehen. In insgesamt einem Landkreis und vier kreisfreien Städten sind mittlerweile mehr als ein Drittel der Bevölkerung über 60. Ganz vorne liegen die Städte Dessau-Roßlau mit 34,9 und Suhl mit 33,8 Prozent. Einzige westdeutsche Stadt ist - wen wundert's - Baden-Baden mit 33,4 Prozent über 60-Jährigen.

Warum ausgerechnet so viele Städte im vergleichsweise prosperierenden Süden in der Statistik auftauchen, bleibt offen. Womöglich gibt es einen einfachen Grund: vor allem in Thüringen gibt es viele sehr kleine kreisfreie Städte, die sind anfälliger für extreme Ausschläge als große Gebiete, in denen ein starker Rückgang in einer Region durch einen Zuwachs in einer anderen zumindest gebremst wird.

Die drei Kreise mit dem höchsten und mit dem niedrigsten Anteil unter 10-Jähriger an der Gesamtbevölkerung. Quelle: Statistisches Bundesamt

In drei der fünf Regionen sowie in Gera gibt es mittlerweile sogar mehr über 75-Jährige als Kinder und Jugendliche, nämlich in Suhl, Dessau-Roßlau und dem Landkreis Altenburger Land. Baden-Baden hat zwar mit 13,1 Prozent den höchsten Anteil an über 75-Jährigen im Land, weil es aber dort auch noch ein paar unter 18-Jährige gibt, liegt das Verhältnis "nur" bei 93:100. Deutschlandweit liegt es sogar erst bei 57:100.

Der Normalfall ist dagegen mittlerweile, dass mehr Menschen unter 18 als über 60 sind. Ganze zwei Landkreise gibt es, für die das noch nicht zutrifft, nämlich die bereits aus dem Beitrag über hohe Kinderzahlen bekannten Landkreise Cloppenburg und Vechta im Oldenburger Münsterland. Dort übersteigt die Zahl der unter 18-Jährigen die der über 60-Jährigen sogar um zehn beziehungsweise neun Prozent.

Wer also etwas über den demographischen Wandel erfahren will, sollte in den Osten fahren. Zumal die Gegend um Suhl auch landschaftlich recht reizvoll ist.

8Aug/121

Wo die Zukunft wohnt

Wo sehen die Immobilieninvestoren Deutschlands Zukunft? Darf man einer Analyse des Empirica Instituts glauben, dann in München, Hamburg und Frankfurt. Die Forscher haben Daten aus allen kreisfreien Städten ausgewertet, von den Millionenstädten Berlin, Hamburg und München bis zur pfälzischen Mittelstadt Zweibrücken mit rund 34.000 Einwohnern.

Na klar, werden jetzt einige rufen, das weiß ja jeder, dass das Deutschlands teuerste Städte sind. 4.351 Euro pro Quadratmeter kostet eine Etagenwohnung mit Baujahr ab 2000, höherwertige Ausstattung und 60 bis 80 Quadratmeter Größe in München durchschnittlich, in Eisenach sind es nur 1.116. Ein bayerischer Beamter, der von der Landeshauptstadt ins oberfränkische Hof versetzt wird, muss mit 1.473 Euro nur noch einen Bruchteil zahlen.

Die Erwartung der Investoren zeigt sich aber nicht allein im Preis. Der ist nämlich vor allem ein Blick in Gegenwart und Vergangenheit. Wo viele Menschen hin wollen, steigen die Preise. Wenn Investoren aber bereit sind, eine geringe Mietrendite in Kauf zunehmen heißt das, dass sie offenbar Preissteigerungen oder zumindest eine auch in Zukunft niedrige Leerstandsrate erwarten.

Dauer der Jahre, bis die Mieteinnahmen dem Kaufpreis entsprechen. Quelle: Empirica Institut

In München müsste man 27 Jahre und vier Monate, bis die Mieteinnahmen den Kaufpreis ausgleichen, in Pirmasens dagegen nur 18 Jahre und sechs Monate. Nicht berücksichtig sind dabei Mietsteigerungen, Zinsen für Immobiliendarlehen und entgangene Zinsen für investiertes Eigenkapital sowie Kosten für Steuern und Reperaturen. Das ist für unsere Zwecke aber auch zweitrangig.

Uns interessiert, dass neben München, Frankfurt und Hamburg man auch in Rosenheim und Offenbach relativ viel für eine Wohnung zahlen muss. Offenbar sehen Investoren hier gute Chancen für die Zukunft.

Nun ist unsere Betrachtung sehr vereinfacht. Beispielsweise sind wir einfach davon ausgegangen, dass jede Wohung auch vermietet wird. Das ist aber nicht der Fall. Eigentlich müsste man auch die Leerstandsrate mit berücksichtigen. Außerdem sind Investoren nicht so rational, wie oft gedacht. Mancher Hamburger Anleger mag einfach deshalb in Hamburg eine Wohnung kaufen, weil er sich besser fühlt eine Immobilie in der Nähe statt weit weg zu besitzen. Und wenn es in Hamburg, Frankfurt und München viele Wohlhabende gibt, treibt auch das die Preise. Ganz abgesehen davon, dass viele Käufer Wohnungen zur Eigennutzung kaufen.

Uninteressant ist unsere Betrachtung trotzdem nicht. Trotz aller Einwände würden Investoren in Rosenheim und Offenbach - sowie daneben in Mannheim und Aachen - nicht ein Vielfaches der Miete zahlen, wenn sie den Städten keine Zukunft gäben. Und außerdem zeigt die Berechnung, dass der oft zu lesende Tipp Immobilien in Wachstumsregionen zu kaufen ins Leere geht. Denn ein Teil des Wachstums ist längst eingepreist.