Amazon immer mächtiger

Dass nur wenige große Unternehmen einen Großteil des Umsatzes im Internet auf sich vereinen ist bekannt. Allerdings scheint der Trend zu Großkonzernen auch immer weiter zu gehen.

Das zumindest legt eine von Statista veröffentliche Erhebung des Bundesverbands des Deutschen Buchhandels nahe. Demnach hat bei einem leicht wachsenden Markt Amazon als größter Akteur deutlich zuglegt, während die übrigen Online-Buchhändler sogar mehr als ein Drittel ihres Umsatzes eingebüßt haben.

Infografik: Amazon dominiert den Onlinebuchhandel | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Das Ergebnis ist nicht nur überraschend, weil dank Buchpreisbindung eigentlich wenig dafür spricht bei einem Mittelständler statt einem Großkonzern einzukaufen. Der Rückgang der Konkurrenten ist auch außergewöhnlich stark. Eine Rolle dürfte dabei die Weltbild-Insolvenz gespielt haben. Denn das Unternehmen hat nicht nur über Katalog, sondern auch Internet verkauft.

Leistungsbilanzüberschuss dank Euro?

Auf eine ziemlich interessante Grafik bin ich vor kurzem auf den Seiten der Deutschen Bundesbank gestoßen. Es geht dort um den Leistungsbilanzüberschuss, also den Betrag, den Deutschland mehr einnimmt als ausgibt. Dieser Überschuss ist vor allem dem Exportüberschuss zu verdanken, bei der Dienstleistungsbilanz macht Deutschland dagegen eher Defizite, beispielsweise weil deutsche Touristen im Ausland mehr Geld ausgeben als Ausländer in Deutschland.

Der Überschuss ist das Thema zahlreicher Diskussionen. Wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Bundesrepublik Deutschland als staatliche Institution, sondern vom gesamten Land, also öffentlichen und privaten Akteuren gleichermaßen. Schließlich haben die öffentlichen Einrichtungen in den vergangenen Jahrzehnten fast durchgängig Defizite gemacht, doch die deutschen Unternehmer und Sparer haben weit mehr Geld zurückgelegt als sich geliehen.

Viele Deutsche sind stolz auf dieses Plus. Kritiker dagegen befürchten weltweite Ungleichgewichte, weil Deutschland mehr Geld einnimmt als es ausgibt. Dem widersprechen wiederum andere Kommentatoren, die Überschüsse in einem alternden Land fast für zwingend halten. Denn theoretisch sollte das Geld in Länder mit junger Bevölkerung fließen um dort neue Unternehmen aufzubauen und Arbeitsplätze für die steigende Zahl von Menschen zu schaffen. Deutschland stellt dieses Geld zur Verfügung und erhält dafür später Zinsen und Dividenden, aus denen die steigende Zahl alter Menschen dann finanziert werden kann.

Leisungsbilanz Zeitreihe Grafik
Leistungsbilanzüberschuss der Bundesrepublik Deutschland seit 1991. Wert in DM bis 2000 sind in Euro umgerechnet.

So weit die Theorie. Doch interessant ist ein Blick auf die Daten. Denn bis 2001 hat Deutschland fast durchgängig mehr Geld ausgegeben als eingenommen. 2001 halbiert sich das Defizit in den Statistiken der Bundesbank dann zunächst. Das hat einen einfachen Grund: Seitdem werden die Werte in Euro angegeben, vorher in DM. Durch den Wechselkurs von ungefähr 1:2 liegt das Defizit ab 2001 also niedriger. In der Grafik habe ich alle Daten in Euro umgerechnet, da gibt es diesen Einbruch daher nicht.

Das eigentlich interessante passiert aber im Anschluss, denn das Defizit verwandelt sich bis zum dritten Quartal in ein Plus. Nun gibt es verschiedene Gründe für diesen Wandel. Beispielsweise die hohen Lohnabschlüsse in den 1980er und 1990er Jahren und den folgenden Lohnverzicht, der die Industrie wettbewerbsfähiger gemacht hat. Oder der hohe Kapitalbedarf in den 1990ern in Folge der deutschen Einheit.

Da Euro-Einführung und die starke Zunahme des Leistungsbilanzüberschusses so dicht beieinander liegen drängt sich aber der Verdacht auf, dass beide stark miteinander zu tun haben. Denn zuvor hatte die Stärke der D-Mark die Währung belastet. Ein Exporteur, der Badewannen nach Frankreich verkaufte, musste die eingenommenen Franc in DM wechseln, weil das viele wollten stieg der DM-Kurs. Hinzu kamen Investoren, die ihr Geld in der stabilen Mark parken wollten. Deshalb stieg die DM und macht der Industrie das Leben schwer.

Seit Einführung des Euro sind diese Effekte weggefallen oder schwächer geworden. Vieles spricht dafür, dass der Leistungsbilanzüberschuss zum großen Teil dem Euro zu verdanken ist – im Guten wie im Schlechten.

Güterverkehr in den USA und Europa

Was ist der Unterschied zwischen einem Amerikaner und einem Joghurt? Der Joghurt hat Kultur. Zugegeben, das ist ein ziemlich alter Witz, aber er zeigt wie sich das Verhältnis von Deutschland zu den USA von blinder Bewunderung zu einer gewissen Verachtung gewandelt hat. In manchen Kreisen gehört es zum guten Ton die USA als “failed state” zu sehen, der trotzdem dauernd Weltmacht spielen will. Dabei funktioniert nichts, beim Ami. Gut, sie haben Google, Apple und Facebook, aber kein brauchbares Stromnetz, keinen Sozialstaat und keine vernünftige Eisenbahn.

Doch halt, letzteres mag zwar im Personenverkehr weitgehend gelten, wo in vielen Regionen ohne Auto nichts geht und es nur in ein paar relativ europäischen Regionen wie San Francisco, New York oder Chicago ein brauchbares ÖPNV-Netz gibt. Besonders traurige Berühmtheit erlangte Los Angeles, die Stadt die einst für ihre gute Luft, ihre Orangenhaine und ihr gut ausgebautes Straßenbahnnetz bekannt war, bis ein Konsortium unter Führung von General Motors die Straßenbahnen kauft und stilllegte. Nein, diese Geschichte ist keine Erfindung des Autors eines Roger Rabbit Films, vielmehr betraf dieser Große amerikanische Straßenbahnskandal auch andere Städte (nachzulesen zum Beispiel hier).

So weit so schlecht, aber im Güterverkehr ist “der Ami” uns weit voraus. Das zeigten Daten der Allianz pro Schiene. So lag 2007 der Marktanteil des schienengebundenen Güterverkehrs bei 42,4 Prozent in den USA, in Deutschland nur bei 17,1 Prozent.

Anteil der Schiene am gesamten Güterverkehrsaufkommen in Prozent. Quelle: Allianz pro Schiene
Anteil der Schiene am gesamten Güterverkehrsaufkommen in Prozent. Quelle: Allianz pro Schiene

Einige Kommentatoren gehen sogar so weit zu behaupten, die Europäer hatte statt auf den schnellen Personenverkehr mit ICE und TGV lieber in den Güterverkehr investieren sollen. Allerdings sind in den USA auch die Distanzen länger, wenn Waren aus China an der Westküste ankommen lohnt sich das Verladen auf den Güterzug und das erneute Umladen auf LKW an der Ostküste im Regelfall, ein Container von Hamburg nach Hannover wird dagegen eher direkt mit dem Laster gefahren. Das dürfte auch mit ein Grund sein, warum Australien einen ebenfalls hohen Anteil der Schiene hat, ebenso wie Rohstofftransporte.

In den USA ist der Anteil der Schiene zudem deutlich gestiegen, allerdings zeigt ein genauer Blick, das der Zuwachs ausschließlich zulasten von Pipeline und Binnenschiff geht, der Marktanteil der Lastwagen ist in der gleichen Zeit ebenfalls gestiegen. Allerdings ist der Zuwachs der Schiene höher, außerdem deutet der Verlust von Marktanteilen von Binnenschiff und Pipeline darauf hin, dass die (relative) Bedeutung von Massengütern wie Kohle und Öl abgenommen hat, die ebenfalls häufig mit der Bahn transportiert werden. Das heißt nicht zwingend, dass weniger Öl transportiert wurde, aber wenn die Pipelines genauso viel Öl pumpen wie vor 20 Jahren, der Verkehr mit Containern und anderen Waren aber zunimmt, dann sinkt automatisch der Marktanteil der Pipelines.

Entwicklung des Marktanteils der Schiene (dunkelblau), Straße (schwarz), Pipeline (hellblau) und des Binnenschiffs (grau). Quelle: Allianz pro Schiene
Entwicklung des Marktanteils der Schiene (dunkelblau), Straße (schwarz), Pipeline (hellblau) und des Binnenschiffs (grau). Quelle: Allianz pro Schiene

Im direkten Vergleich zwischen Deutschland und den USA wird der Unterschied besonders deutlich. Während die Schiene “beim Ami” den größten Marktanteil hat, dominiert hierzulande der LKW mit über 70 Prozent Marktanteil. Das mag an den langen Wegen in den USA und auch an der Art der transportierten Güter liegen. Der deutliche Unterschied zwischen Rohrleitungen hier und dort macht deutlich, dass Öl- und Gastransporte dort einen deutlich größeren Anteil haben, was natürlich auch der Schiene zugutekommt.

Marktanteil in Deutschland (2013) und den USA (2005). Quelle: Allianz pro Schiene
Marktanteil in Deutschland (2013) und den USA (2005). Quelle.: Allianz pro Schiene

Trotzdem sollte es den einen oder anderen Verkehrspolitiker zum Nachdenken bringen, wenn selbst das Entwicklungsland USA Deutschland beim Anteil der Schiene im Güterverkehr locker abhängt.