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24Jul/141

Wikipedia nicht ganz aktuell

Für meine Beiträge zum Thema Armut habe ich mir auch internationale Daten angesehen. Wie ungleich ist Deutschland im internationalen Vergleich. Dabei bin ich auf Wikipedia auf eine Liste der Länder nach Einkommensverteilung gestoßen.

Etwas erstaunt hat mich, dass dort Japan nach Schweden den niedrigsten Wert im Gini-Index hat, also besonders gleich ist. Betrachtet man das Verhältnis der reichsten zu den ärmsten zehn oder 20 Prozent, liegt Japan sogar beide Male vorne. Aber ist das Land nicht für seinen gespaltenen Arbeitsmarkt bekannt, mit älteren Mitarbeitern mit noch immer relativ sicheren Jobs und hohen Gehältern und jungen Arbeitnehmern in schlecht bezahlten, oft befristeten Arbeitsverhältnissen?

Das Erhebungsjahr macht den Unterschied

Einen Hinweis wie dieser scheinbare Widerspruch zu lösen ist gibt schon das Erhebungsjahr. Die Daten stammen nämlich aus dem Jahr 1993. Damals war die Ungleichheit international noch deutlich geringer als heute, vor allem aber stand Japan noch am Anfang seiner Stagnation.

Zwischen den Daten auf Wikipedia und im CIA World Factbook gibt es teilweise große Unterschiede. Das liegt vor allem am Erhebungszeitrum, Wikipedia verwendet für Japan Werte von 1993, die CIA von 2008. Für Norwegen verwendet Wikipedia Daten von 2000, die CIA ebenfalls von 2008. Allerdings gibt es auch für die USA einen kleinen Unterschied, obwohl beide Daten aus dem Jahr 2007 stammen. Quellen: Wikipedia, CIA

Zwischen den Daten auf Wikipedia und im CIA World Factbook gibt es teilweise große Unterschiede. Das liegt vor allem am Erhebungszeitrum, Wikipedia verwendet für Japan Werte von 1993, die CIA von 2008. Für Norwegen verwendet Wikipedia Daten von 2000, die CIA ebenfalls von 2008. Allerdings gibt es auch für die USA einen kleinen Unterschied, obwohl beide Daten aus dem Jahr 2007 stammen. Quellen: Wikipedia, CIA

Etwas neuere Daten hat die CIA, genauer gesagt das World Factbook. Gibt Wikipedia einen Wert einen Gini-Wert von 24,9 Prozent für Japan an (ein Wert von Null steht für völlige Gleichheit, je näher der Wert eins beziehungsweise 100 Prozent kommt, desto größer ist die Ungleichheit), sind es im World Factbook 37,6 Prozent.

Damit liegt Japan nur noch immer mittleren Bereich der Staaten. Neben den immer möglichen Unterschieden bei zwei Messungen dürfte das vor allem daran liegen, dass die CIA-Daten von 2008 sind, also 15 Jahre jünger.

Deutschland in Wikipedia aktueller

An anderer Stelle sind die Daten von Wikipedia aktueller als die im World Factbook. Deutschland hat beispielsweise einen 27,0 aus dem Jahr 2006, in Wikipedia sind es 28,3 Prozent für das Jahr 2012. Für das Jahr 2006 kommt die von Wikipedia zitierte Statistikbehörde Eurostat übrigens auf 26,8 Prozent, also einen noch etwas niedrigeren Wert.

Auch für Deutschland unterscheiden sich die Daten von CIA und Wikipedia. Hier ist Wikipedia aktueller. Bei gleichem Erhebungsjahr ist der Unterschied minimal.

Auch für Deutschland unterscheiden sich die Daten von CIA und Wikipedia. Hier ist Wikipedia aktueller. Bei gleichem Erhebungsjahr ist der Unterschied minimal.

Spannend ist in diesem Zusammenhang die Frage, welche Daten Wikipedia für eine verbesserte Liste verwenden sollte. Jeweils die aktuellsten, könnte man meinen. Das aber erschwert den Vergleich zwischen den Ländern. Weil die Ungleichheit lange gestiegen ist, ehe der Gini-Koeffizient seit 2007 zumindest in Deutschland wieder kleiner wurde, lassen sich Daten von 2012 des einen schlecht mit Daten für 1990 eines anderen Lands vergleichen.

Es kommt also darauf an. Soll die Liste vor allem Vergleiche ermöglichen, wären Daten aus möglichst dem gleichen Jahr interessant. Lieber den Wert für 2010 aufnehmen, auch wenn es Daten bereits für 2012 gibt. Wer dagegen für ein bestimmtes Land einen Wert sucht, dem ist natürlich mit dem aktuellsten Wert mehr geholfen. Wobei der Gini-Koeffizient meist erst im Vergleich wirklich Sinn bekommt. Unter einem Wert von 25,7 Prozent kann man sich zunächst ja wenig vorstellen.

Natürlich ist es wenig sinnvoll, Daten von 1950 zu verwenden, weil für das Jahr Werte für alle Länder vorliegen. Zumindest Japan sollten die Wikipedianer aber mal aktualiseren. Das Land steht längst nicht mehr so gut da wie in dem Online-Lexikon.

Reiseversicherung

21Jul/140

Schienennetz

Deutschland investiert zu wenig Geld in die Schiene. Dass die Allianz pro Schiene so denkt, ist nicht besonders überraschend. Allerdings hat der Verein seine Argumentation mit Zahlen hinterlegt.

Investitionen in Schienenverkehr Statistik

Investitionen in die Schieneninfrastruktur in Euro je Einwohner. Grafik: Allianz pro Schiene

Demnach gibt die Schweiz pro Kopf 366 Euro für die Schieneninfrastruktur aus, Deutschland gerade 54. Nun ist die Schweiz deutlich reicher, doch nicht in dem Maße, das diesen Unterschied erklären könnte. Ein bisschen muss man die Differenz aber doch relativieren, denn nicht alle Ausgaben dürften ganz freiwillig sein. In einem relativ bergigen Land wie der Schweiz ist das Verlegen von Schienen tendenziell teurer als in der norddeutschen Tiefebene oder im fast ebenso flachen Alpenvorland. Wenig überraschend steht Österreich bei den Ausgaben auf Platz zwei, es folgt Schweden und damit ein Land, das relativ dünn besiedelt ist, was das Verlegen von Schienen ebenfalls teurer macht.

Als Erklärung für den Unterschied reicht das aber nicht aus und wer in der Schweiz schon mal mit der Bahn gereist ist weiß, dass man dort tatsächlich mehr für die Schiene tut. Auch wenn ich die Schweiz gerne für ihre Politik gegenüber Steuerflüchtlingen kritisiere, im Punkt Eisenbahn können viele andere Länder von den Eidgenossen lernen. Zudem folgt mit den Niederlanden ein Staat, der weder besonders bergig noch besonders dünn besiedelt ist. Selbst Großbritannien, dessen Eisenbahnsystem spätestens seit Margret Thatchers Spar- und Privatisierungspolitik einen chronisch schlechten Ruf hat, gibt deutlich mehr für die Schiene aus. Denkbar aber, dass es hier ein Nachholeffekt gibt.

Unabhängig von der eingeschränkten Vergleichbarkeit steht Deutschland nicht besonders gut dar. Noch weniger geben immerhin die Franzosen aus, die mit dem TGV den schnellsten Zug der Welt betreiben.

Die Allianz pro Schiene hat auch die deutschen Bundesländer verglichen. Ganz vorne steht mit Nordrhein-Westfalen ein besonders dicht besiedeltes Land. Dieser Umstand dürfte auch Berlin geholfen habe, das trotz S-Bahn-Chaos auf Platz zwei steht. Tatsächlich ist das Bahnnetz dort relativ dicht. Auf Platz drei folgt Baden-Württemberg.

Schlusslichter sind Bayern und die neuen Bundesländer mit Ausnahme von Thüringen. Während sich Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt auf knappe Kassen berufen können, vermutet die Allianz pro Schiene beim vorletzten Bayern vor allem fehlenden politischen Willen.



Fahrradversicherung

9Jul/140

Jogi Löw muss weg – Seiten schwächeln

Eigentlich hatte ich eine kleine Statistik über "Jogi Löw muss weg" - Seiten auf Facebook angelegt, um nach einem Ausscheiden untersuchen zu können, ob die Zahl der Mitglieder deutlich angestiegen ist. Nachdem Deutschland nun aber im Finale steht, muss ich die Statistik jetzt so veröffentlichen.

Die ganze Masse der Anti-Löw-Seiten zu untersuche, wäre sehr aufwendig geworden. Ich beschränke mich deshalb auf Seiten mit dem Titel Jogi Löw muss weg oder Jogi Löw muss abgelöst werden. Gefunden habe ich unter diesem Schlagwort drei "Gemeinschaften" und drei sogenannte "Offene Gruppen". Der Unterschied ist, dass man letzteren beitreten kann, Gemeinschaften dagegen nicht. Allerdings kann man sie mit "Gefällt mir" markieren. Deshalb habe ich für die Gruppen die Zahl der Mitglieder ausgewertet, für Gemeinschaften die "Gefällt mir"-Angaben.

Löw muss weg Statistik

"Gefällt mir"-Angaben von Anti-Löw Gemeinschaften auf Facebook. Rot die vermutlich aufgelöste Gemeinschaft "Löw muss weg das Original". Kaum zu erkennen "Löw muss weg" mit drei Mitgliedern

Leider ist etwas passiert, was Statistiker gar nicht mögen. Eine relativ große Gemeinschaft, nämlich "Jogi Löw muss weg - Das Original seit 2012" mit immerhin über 200 Anhängern ist verschwunden. So etwas macht natürlich die Bildung einer Gesamtzahl fast unmöglich. "Jogi Löw muss weg" gibt es gleich zweimal, einmal allerdings nur mit drei Mitgliedern. Die zweite Gemeinschaft dieses Namens hat sich dagegen gut entwickelt. Am 30. Juni, direkt vor dem Algerienspiel, hatte sie noch 963 Mitglieder. direkt vor dem Brasilien-Spiel waren es schon 1.158. Nach Ende des Spieles ist allerdings etwas eher ungewöhnliches passiert, die Gemeinschaft hat sogar zwei "Gefällt mir" verloren und liegt bei nur noch 963.

Bei den Gruppen hat sich etwas weniger getan. "Jogi Löw muss weg" bleibt bei 10 Mitgliedern. "Jog Löw muss weg wegen Popel essen und wiederholt falscher Aufstellung" hat nach dem Algerienspiel ein Mitglied gewonnen, "Jogi Löw muss als Bundestrainer abgelöst werden" 57.

Löw muss weg Facebook Statistik

Offene Gruppen zum Thema "Löw muss weg". Größte Gruppe ist "Jogi Löw muss als Bundestrainerg abgelöst werden" vor "Löw muss weg wegen Popelessen..." und "Löw muss weg"

Diese Aufstellung vernachlässig natürlich die Bewegung innerhalb der Gruppe. Auch bei gleichbleibender Zahl von Mitgliedern können einzelne ein- und andere ausgetreten werden, allerdings dürfte vor allem bei den "Gefällt mir" Angaben die Fluktuation eher gering sein. Man klickt etwas an und weiß es einen Monat später schon nicht mehr.

Spannend bleibt auch, wie sich die Zahlen entwickeln, falls Deutschland das Finale verlieren sollte. Mehr zum Thema Fußball gibt es übrigens im Archiv, beispielsweise zum WM-Erfolg Deutschlands, zum Verhältnis zum potentiellen Endspielgegner Argentinien, zu den Rekorden und zur Frage, wie oft eine Mannschaft der BRD schon im Finale stand.