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24Sep/141

Enttäuschende Reallohnentwicklung

Positive Nachrichten hatten die Statistiker des Statistischen Bundesamtes vermeldet. Um 1,2 Prozent lagen die Reallöhne im zweiten Quartal 2014 über den Werten des Vorjahresquartals. Auch nach Berücksichtigung der Inflation haben Arbeitnehmer also 1,2 Prozent mehr Geld. Und tatsächlich war diesmal nicht nur eine Ausweitung der Arbeitszeit oder Sonderzahlungen verantwortlich, sondern auch eine Erhöhung der Stundenlöhne der wichtigste Auslöser. Allerdings lohn sich ein Blick zurück. Denn bei aller Freude über den Anstieg haben sich die Arbeitseinkommen seit 2007 sehr negativ entwickelt.

Grafik Reallohnentwicklung

Entwicklung der Reallöhne. Zunahme zum Vorjahresquartal (blau) und Gesamtentwicklung seit 2007 (rote Linie, 2007=100). Quelle: Statistisches Bundesamt

Im Jahr 2013 lagen die Reallöhne gerade mal 3,4 Prozent höher als 2007. das hört sich nach viel an, bedeutet aber ein Lohnplus von 0,48 Prozent pro Jahr, trotz ständigen technischen Fortschritts. Hinzu kommt, dass insgesamt vor allem die oberen Gehaltsgruppen profitiert haben. Mit Ausnahme der ungelernten Arbeiter gilt: Je höher die Qualifikation, desto höher auch das Gehaltsplus. Weil höher qualifizierte Mitarbeiter bereits in der Vergangenheit mehr verdient haben kann man auch sagen: Je höher das Einkommen, desto größer der Zuwachs.

Einzige Ausnahme von dieser Regel sind die ungelernten Arbeiter, ihr Gehalt legte seit 2007 um 12,9 Prozent zu und damit stärker als die Einkommen von angelernten Arbeitern und Facharbeitern. Das kann daran liegen, dass viele ungelernte Arbeiter in der Industrie arbeiten, in der es bei Tariferhöhungen oft einen pauschalen Zuschlag gibt. Untere Einkommensgruppen profitieren davon besonders. Bei den Facharbeitern und angelernten Arbeitern wird dieser Effekt aber davon überlagert, dass in anderen Branchen vor allem die höheren Einkommensgruppen profitierten. Im 2. Quartal 2013 gibt es diesen Effekt übrigens nicht, je höher die Qualifikation, desto höher das Einkommen.

Dabei ist die Inflation aber noch nicht berücksichtigt, die Preise stiegen im gleichen Zeitraum um 10,0 Prozent. Ein echtes Realeinkommen für diese Gruppe gibt es leider nicht. Dazu müsste man eine eigene Inflationsrate für ungelernte Arbeiter erheben, denn die Teuerung trifft nicht alle Einkommensgruppen gleich stark, weil die Preissteigerung von Produkt zu Produkt unterschiedlich ist und verschiedene Gruppen unterschiedlich konsumieren. Preisanstiege bei Mieten und Energie treffen beispielsweise untere Einkommensgruppen stärker, solche bei Reisen, Yachten oder Champagner dagegen die oberen.

Nominallöhne

Entwicklung der Nominallöhne (also ohne Berücksichtigung der Inflation) seit 2007 für verschiedene Qualifikationsgruppen. Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Entwicklung der Arbeitseinkommen zu messen ist ohnehin schwierig, weil regelmäßig neue Arbeitnehmer den Markt betreten und alte ausscheiden. In der Vergangenheit lag die Entwicklung der Einkommen teilweise auch deshalb niedrig, weil ehemalige Arbeitslose eine (schlechte bezahlte) Stelle fanden. Damit sank das Durchschnittseinkommen und mitunter auch das Einkommen von Arbeitslosen, obwohl das Gesamteinkommen stieg ("Will-Rogers-Phänomen").

Wie die Gehaltsentwicklung ohne diesen Einfluss wäre, lässt sich kaum berechnen. Sicher sagen kann man aber: Auch nicht besonders gut. Auch Steuereffekte, beispielsweise die Kalte Progression, sind dabei nicht berücksichtigt. Gut möglich, dass am Ende beim Nettolohn sogar ein Minus steht.

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17Sep/140

Ist das Auto out?

Zugegeben, die These das Auto seit out habe ich vor allem wegen des Wortspiels gewählt. Wer den Hype um das Kfz beobachtet, kann nicht ernsthaft der Meinung sein, dass Automobil sei nicht mehr gefragt. Allerdings deuten einige Daten darauf hin, dass für die jüngeren Generationen die Bedeutung sowohl als Statussymbol als auch als Fortbewegungsmittel abgenommen hat.

Da ist zunächst die gefühlte Evidenz, dass es mittlerweile eine Reihe von jungen Paaren und sogar Familien gibt, die "nur" noch ein Auto besitzen und nicht mehr zwei, wie es noch vor nicht allzu langer Zeit Standard war. Aber gefühlte Statistik ist eben keine richtige Statistik, deshalb lohnt sich ein Blick in die Daten.

Weniger Pkw-Verkehr in den USA

Aus Amerika gibt es eine Untersuchung der Federal Highway Administration, nach der die durchschnittliche Zahl der gefahrenen Meilen von 2001 bis 2009 von fast 14.000 auf rund 13.000 zurückgegangen ist. Doch damit nicht genug, das könnte schließlich auch ein statistischer Effekt sein. Schließlich gibt es immer mehr alte Menschen und die fahren weniger Auto, weil sie nicht mehr täglich zur Arbeit pendeln müssen. Am meisten nutzten das Auto 2001 wie auch 2009 die Altersgruppen zwischen 30 und 55, die oft beruflich viel unterwegs sind.

Doch daran scheint es nicht zu liegen, die Zahl der zurückgelegten Meilen sank nämlich in fast allen Altersgruppen - außer den über 65-Jährigen, die legten weitaus mehr Meilen zurück als acht Jahre vorher. Viel weniger reisten dagegen die Altersgruppen von 21 bis 35 mit dem PKW.

Eine andere Quelle nennt für 20- bis unter 30-Jährige Amerikaner einen Rückgang der täglich gefahrenen Kilometer (die andere Grafik war in Meilen) pro Person von 70 auf unter 60 im gleichen Zeitraum. In Deutschland sinkt die Zahl der Autokilometer pro Person in dieser Altersgruppe schon seit Mitte der 1990er Jahre, von damals rund 45 auf 2007 rund 38 Kilometer.

Niederlande: Junge fahren weniger Auto

Für die Niederlande kommt die OECD zu dem Ergebnis, dass die 20- bis 29-Jährigen von 1995 bis 2011 26,5 Prozent weniger Kilometer mit dem Auto zurück legten, während ihre Zahl nur um 12,1 Prozent sank. Anders als in den USA stieg aber die Verkehrsleistung im Nachbarland stärker als die Bevölkerung, weil nur noch die 30- bis 39-Jährigen das Auto weniger nutzten, die übrigen Altersgruppen dagegen häufiger. Die über 60-Jährigen legten sogar insgesamt 84,6 Prozent mehr Kilometer im Auto zurück, obwohl diese Altersgruppe "nur" um 36,4Prozent wuchs.

Vernunft oder Uni?

Virtuelles Auto

Reicht es nicht, ein virtuelles Auto zu besitzen? Bild: Marc Blieux (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

Nun gibt es natürlich verschiedene denkbare Gründe, warum vor allem die unter 30-Jährigen weniger Auto fahren. Im Internet ist auf einschlägigen Seiten von den "walking poor" die Rede, die jungen Menschen hätten schlicht kein Geld mehr für ein Auto. Diese These überzeugt allerdings nicht unbedingt, schon lange sind Autos kein Privileg der Reichen mehr.

Schon eher könnten längere Ausbildungszeiten eine Rolle spielen. Studenten können oft leichter auf das Auto verzichten als Arbeitnehmer. Auch die Urbanisierung könnte eine Rolle spielen, in Ballungsräumen ist der Pkw weniger wichtig als auf dem Land. Schließlich ist es aber auch denkbar, dass andere Statussymbole das Auto abgelöst haben, etwa ein teures Smartphone. Dann wäre der Rückgang bei den Autokilometern keine kurzzeitige Veränderung, die wieder verschwindet wenn die jungen Menschen die Uni verlassen oder aus der Stadt in den Vorort ziehen.

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9Sep/142

Ungleichheit in der Welt

Vor rund eineinhalb Monaten habe ich über eine Tabelle auf Wikipedia berichtet, die eine etwas veraltete Sicht auf das Thema Ungleichheit in der Welt bietet ("Wikipedia nicht ganz aktuell"). Japan erscheint dort besonders gleich, vor allem aber deshalb, weil die Daten für dieses Land noch aus den 1990er Jahren stammen. Nun wurde ich mehrfach gefragt, ob ich nicht eine aktuellere Liste beisteuern könnte. Das tue ich hiermit.

Ungleichheit laut CIA

Ungleichste Staaten, zusätzlich USA. Quelle: CIA World Fact Book

Ich habe dafür die Daten aus dem World Fact Book der CIA genommen. Auch dort gibt es natürlich Daten aus unterschiedlichen Jahren, sie sind aber relativ weit zusammen, so dass sie relativ gut vergleichbar sind.

Besonders hoch ist die Einkommens-Ungleichheit, gemessen mit dem Gini-Koeffizienten, demnach in afrikanischen Staaten. Darunter ist erstaunlicherweise auch das Musterland Botswana. Möglicherweise liegt das daran, dass erst ein bestimmtes Maß an Industrialisierung vorhanden sein muss, um Ungleichheit zu haben. Überwiegend kleinbäuerlich geprägte Länder sind zwar meist arm, aber nicht ungleich. Allerdings muss man dazu sagen, dass für einige Staaten wie Angola und Äquatorial-Guinea erst gar keine Daten vorliegen. Dort gibt es Öl, dessen Einnahmen aber überwiegend in der Hand sehr weniger Menschen landen, vermutlich dürfte hier die Ungleichheit ebenfalls hoch sein.

Neben afrikanischen Staaten finden sich auf der Liste die üblichen Verdächtigen aus Südamerika, Brasilien beispielsweise schaffte es zwar nicht unter die Top 10, landet aber auf Platz 16. Die USA sind mit einem Wert von 45,0 gegenüber den 51,9 in Brasilien und den 63,1 in Südafrika sogar besonders gleich. Zur Erinnerung: Eine völlig gleiche Gesellschaft hätte einen Wert von 0,0, ein Land, indem das gesamte Einkommen sich in der Hand einer Person befindet, hätte einen Wert von knapp unter 1,0 beziehungsweise von knapp unter 100,0, wenn die Werte wie hier in Prozent dargestellt werden.

Als noch ungleicher weißen einige Statistiken übrigens die Seychellen aus, die CIA führt aber für das Land keine Daten auf. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht, denn bei gerade mal 90.000 Einwohnern kann schon ein Millionär alles durcheinander bringen. Ich habe in meiner Grafik generell nur Staaten ab einer Millionen Einwohner aufgeführt.

Gleichste Staaten der Welt

Die zehn gleichsten Staaten der Welt sowie Deutschland und die Schweiz. Quelle: CIA World Fact Book

Unter den gleichsten Staaten der Welt finden sich dagegen ausschließlich solche aus Europa, vor allem aus Skandinavien und Osteuropa. In Staaten wie Tschechien oder Slowenien haben sich oft noch keine so großen Vermögen gebildet wie in Ländern, die schon länger marktwirtschaftlich sind, entsprechend gibt es auch wenig Menschen mit hohen Kapitaleinkünften. Dass aber eine sozialistische Vergangenheit keine Garantie für Gleichheit ist zeigt das Beispiel Russland, dass mit einem Gini-Koeffizienten von 42,0 Prozent ähnlich ungleich ist wie die seit Jahrhunderten kapitalistischen USA. Auch die Volksrepublik China ist laut CIA mit einem Wert von 47,3 Prozent deutlich ungleicher als die seit langem marktwirtschaftliche Republik China (Taiwan) mit 34,2 Prozent. Die Sonderwirtschaftszone Hong Kong gehört sogar zu den ungleichsten Ländern der Welt, während die Sonderwirtschaftszone Macao mit einem Wert von 35,0 Prozent vergleichsweise gleich ist.

Deutschland verpasst den Sprung unter die zehn gleichsten Länder und landet auf Rang elf unter allen von der CIA aufgeführten Ländern mit mehr als einer Million Einwohnern. Damit ist Deutschland zwar ungleicher als Österreich oder Slowenien, erstaunlicherweise aber gleicher als beispielsweise die Niederlande. Platz eins aber halten die Schweden.


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