Statistiker-Blog

Auflagen von Zeitungen weiter rückläufig

Angeblich gibt es eine Medienkrise. Ich merke davon nichts. Neben meiner Tätigkeit als Statistik-Dozent verdiene ich Geld ja vor allem mit Beiträgen für Vergleichsportale, überwiegend aus dem Bereich Wirtschaft. Und meine Auftragsbücher sind gut gefüllt, aktuell schreibe ich beispielsweise eine Serie zum Thema Robo Advisors. Doch bei den großen Zeitungen scheint die Situation tatsächlich nicht sehr rosig zu sein. Das kann man nicht nur an den ständigen Klagen der Journalisten ablesen, sondern auch an harten Zahlen, genauer gesagt der Auflagenstatistik.

Die Entwicklung bei den Tageszeitungen

Nach den Daten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) haben praktisch alle Printmedien massiv an Auflage verloren, allen voran die Tageszeitungen. Seit 1991 ging deren Auflage nach Daten von Walter Schütz um rund 44,0 Prozent zurück, nämlich von 27,3 auf 25,3 Millionen.

Zeitungsauflagen

Auflagenentwicklung der Tageszeitungen in Deutschland. Bis 2003 liegen die Daten nur für jedes zweite Jahr vor. Quelle: Walter Schütz, Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger.

Aus Sicht der Zeitungen ist dabei nicht nur bedenklich, dass die Auflage so stark gefallen ist, sondern dass sie es seit 1993 immer schneller tut. Von 1991 bis 1993 ging die Auflage schon einmal deutlich um 7,0 Prozent zurück. Möglicherweise wegen vieler Abokündigungen im Osten, wo es nun auch Privatfernsehen gab und gleichzeitig viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Dann passierte ab 1993 acht Jahre lang vergleichsweise wenig, von 1993 bis 2001 betrug der Auflagenverlust  nur 6,7 Prozent, das entspricht einem Rückgang von 0,86 Prozent pro Jahr.

Dann aber ging es erst richtig bergab. In den nächsten vier Jahren lag der Rückgang bei 8,4 Prozent, deutlich mehr als in den acht Jahren zuvor. Seit 2011 braucht die Auflage nur noch zwei Jahre, um mehr als 8,0 Prozent zu fallen. Alleine von 2012 bis 2013 ging die Auflage um 7,1 Prozent zurück, also (relativ betrachtet) mehr als in den acht Jahren von 1993 bis 2001.

Schönstes Lehrerinnen-Klo

Vielleicht sind Leser von Lokalzeitungen sogar besser über die Welt informiert als die von politischen Magazinen. Die Nachricht, dass Eltern „ihrer“ Lehrerin die baufällige Toilette sanierten kam über die Lokalpresse nicht hinaus. In den Spiegel wäre das Klo sicher nur gekommen, wenn unzufriedene Eltern dort einen Sprengsatz deponiert hätten. So entsteht ein schiefes Bild von der Welt. Foto: Ausgabe einer Lokalzeitung im Main-Kinzig-Kreis, vermutlich Gelnhäuser Neueste Nachrichten oder das mittlerweile eingestellte Gelnhäuser Tagblatt

Die Entwicklung wird auch durch die Daten der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, kurz ivw, bestätigt. Sie sammelt die Zahlen für Werbekunden, die ihre Planung ja auch die Reichweite aufbauen. Deshalb unterscheidet der Verein Verbreitung und Verkauf. Denn gerade Magazine verschenken einen Teil ihrer Auflage. Dann liegt eine eigentlich kostenpflichtige Elternzeitschrift beispielsweise zum Probelesen kostenlos beim Kinderarzt aus. Solche Exemplare werden natürlich weniger gelesen. Auch zwischen Abos und Einzelverkauf wird unterschieden.

Allerdings haben die Daten den Nachteil, dass nicht alle Zeitungen und Zeitschriften erfasst werden, sondern nur jene, deren Verlage die ivw damit beauftragen. Kündigt ein Verlag, um Geld zu sparen, die Zusammenarbeit, wird die Zeitschrift nicht mehr erfasst und die Gesamtauflage sinkt entsprechend.

ePaper Auflage

Auch Zeitschriftenabrufe in Lese-Flatrates wie readly zählen seit 2017 zur Auflage. Genauer zur sonstigen ePaper Auflage.

Auch Regeländerungen können für Ausschläge sorgen, beispielsweise werden seit 2017 auch Abrufe von Zeitschriften in Flaterates wie readly (eine Art Spotify für Zeitschriften) zur Auflage gezählt, genauer gesagt zur sonstigen ePaper-Auflage.

Insgesamt sind die Daten der ivw aber sicher mit die besten, die man zur Zeitungs- und Zeitschriftenauflage bekommen kann. Und sie zeigen ebenfalls einen deutlichen Rückgang. Das Problem, so ein ranghoher Zeitungsmitarbeiter, sind dabei gar nicht Kündigungen von Kunden. Vielmehr bleiben die alten Leser der Zeitung treu – sie sterben aber irgendwann und neue Abonnenten kommen nicht nach.

Entwicklung des Verkaufs an Tageszeitungen insgesamt sowie der einzelnen Teilbereiche. Quelle: ivw

Beim genauen Hinsehen zeigt sich, dass die Zahl der Abos auch deutlich weniger sinkt als die der Einzelverkäufe. Mehr noch als die Tageszeitungen sind also die Kioske in der Krise. Tatsächlich sieht man viele Zeitschriftenhändler schließen, oft findet man dann Ateliers mit Namen wie „Kunst und Feng Shui“ darin.

Seit 2010 hat sich der Einzelverkauf praktisch halbiert, er sank von 6,7 auf 3,5 Millionen Exemplare. Alleine vom 2. Quartal 2016 zum 2. Quartal 2017 sank er um 7,3 Prozent. Allerdings fiel der absolute Rückgang bei den Abos sowohl gegenüber 2010 als auch 2016 praktisch ähnlich hoch aus. Gegenüber 2010 gingen 3,1 Millionen Abos und 3,2 Millionen Einzelverkäufe verloren. Denn weil es mehr Abos gibt, fällt der Rückgang hier stärker absolut ins Gewicht, ein Basiseffekt.

Das gilt noch mehr für die Bordexemplare, die vor allem in Flugzeugen verteilt werden. Das Minus von 12,1 Prozent zum Vorjahr entspricht nur 48.000 Exemplaren.

Rettung durch E-Paper?

Immerhin steigen die E-Paper-Verkäufe rasant an. Daten liegen hier erst seit 2012 vor. Seitdem hat sich die Zahl der Abos um 1.057,8 Prozent gesteigert, die Zahl der Verkäufe insgesamt um 470,7 Prozent. Paid Content wie Welt Plus oder BILD Plus ist hier übrigens nicht enthalten. Es geht ausschließlich um digitale Ausgaben der Zeitung.

Der Zuwachs hört sich beeindruckend an, rettet aber die Tageszeitungen nicht. Denn leider gibt es auch hier einen Basiseffekt. Weil die meisten Menschen ihre Zeitung immer noch auf Papier lesen, bedeuten die 4,3 Prozent Minus gegenüber dem 2. Quartal 2016 bei der gedruckten Auflage (Verkauf gesamt) fast 750.000 Zeitungen weniger. Das Plus von 22,5 Prozent bei den ePapern entspricht dagegen nur etwas mehr als 200.000 Exemplaren. Insgesamt  verkauften die Zeitungen im 2. Quartal rund 16,6 Millionen gedruckter Tageszeitungen pro Tag und 1,1 Millionen ePaper.

E-Paper Auflage

Die E-Paper Auflagen (orange) sind so niedrig, dass sie neben den Print-Verkäufen (blau) kam zu sehen sind. Ich hätte die Skala logarithmieren können, aber ich finde es durchaus sinnvoll zu zeigen, wie gering der Anteil der elektronischen Zeitungen noch ist. Bei den E-Papern gibt es keinen Unterschied zwischen Verbreitung und Verkauf, daher fehlt hier eine Zahl.

Man könnte die Entwicklung mit einer gewissen Schadenfreude beobachten. Schließlich sehen Journalisten gerne auf Blogger und auch auf die Arbeit von Vergleichsportalen herab und bestätigen sich gerne selbst, wie wichtig sie sind. Aber leider sind Blogs und Soziale Medien bisher tatsächlich kein Ersatz für guten Journalismus. Man kann an Journalisten viel kritisieren, beispielsweise die Konzentration auf Negativnachrichten oder die geringe Vielfalt im Hinblick auf das Herkunftsmilieu und die politische Ausrichtung. Doch es bleibt die Tatsache, dass viele auch gute Arbeit leisten und die nicht so einfach von Freizeitjournalisten übernommen werden kann. Noch weniger wünschenswert ist die oft geforderte staatliche Finanzierung. Das bedeutet entweder politischen Einfluss auf die Medien oder aber eine durch niemanden kontrollierte Medien-Aristokratie.

Streaming Zuwachs

Die Musikindustrie kann weltweit wieder Wachstum vermelden. Die Umsätze steigen zwar langsam und liegen noch weit unter dem bisherigen Höchststand im Jahr 1999, aber selbst davon können die Zeitungen nur träumen.

In der nächsten Woche werde ich deshalb zunächst mal einen Blick auf die Entwicklung der anderen Medien sowie anschließend auf das Thema Wochenzeitungen und Zeitschriften werfen. Außerdem werde ich etwas tun, was ich so noch nicht gemacht habe, nämlich als Teil der Medienförderung ein paar E-Paper-Angebote vorstellen. Um die Frage vorweg zu beantworten, nein, es wird sich nicht um einen gesponserten Beitrag handeln und ich bekomme auch keine Vermittlungsprovisionen. Aber ich halte die Frage, wie man politische Medien auch weiterhin finanzieren kann, bei aller Kritik im Einzelfall an schlechter journalistischer Arbeit für wichtig und werfe daher einen subjektiven Blick auf Angebote wie iKiosk, Readly oder Steady.

Posted in Statistik aktuell

Keine Normalverteilung: Bootstrapping als Alternative

Eigentlich geht es im Statistiker-Blog um aktuelle Statistiken. Immer mal wieder gab es aber auch Themen zu statistischen Themen, beispielsweise zur Wahrscheinlichkeitsrechnung oder Excel. Zu meinem großen Erstaunen habe ich festgestellt, dass gerade die Beiträge mit Nutzerwert sehr gerne gelesen werden. Deshalb kommt heute wieder ein eher anwendungsorientiert Beitrag.

Statistiken auswerten: Voraussetzungen prüfen!

Einer der Hauptgründe aus dem Studenten und junge Forscher in der Statistik Hilfe benötigen, ist die Verletzung der grundlegenden Annahmen von parametrischen Verfahren. Wie kann ich meine postulierten Kausalzusammenhänge überprüfen und Statistiken auswerten, wenn die Beschaffenheit der Daten keine parametrischen Verfahren erlaubt? Statistik-Anfänger suchen in solchen Fällen oft professionelle Statistik Hilfe für Studenten, jedoch machen Verfahren wie Bootstrapping Statistik um einiges flexibler.

Zur Analyse von metrischen Variablen eignet sich das klassische lineare Modell. Wichtige Spezialfälle hiervon sind die linearen Regression und die Varianzanalyse. Voraussetzung dafür ist, dass die Residuen normalverteilt sind. Wenn diese Annahme erfüllt ist, folgen auch die Y-Werte einer Normalverteilung und man kann einen so genannten parametrischen Test, also einen Test, der auf einer Verteilungsannahme basiert, verwenden. In realen Projekten ist die Normalverteilung jedoch leider selten.

In diesen Fällen kann man versuchen die Daten durch eine Transformation an die Normalverteilung anzunähern. Eine häufige Methode ist hier das Logarithmieren. Falls dies jedoch nicht funktioniert, muss man sich bei einfachen Modelle mit nur einer erklärenden Variablen auf nichtparametrische Test-Alternativen beschränken, da von diesen keine Verteilungsannahme mehr getroffen wird (für den parametrischen t-Test ist das z.B. der Mann-Whitney-U Test). Nachteil dieser verteilungsfreien Tests ist meist die geringere Genauigkeit durch das Fehlen von Informationen. Weiterhin fehlt es für komplexere Modelle vollkommen an solchen nicht-parametrischen Alternativen. Abhilfe kann hier das Bootstrapping schaffen, dass die Anwendung von parametrischen Verfahren durch das künstliche Erzeugen einer Normalverteilung erlaubt.

Warum ist die Normalverteilung Voraussetzung?

Will man das Modell nur zur Erstellung einer Prognose verwenden, ist diese Annahme gar nicht erforderlich. Egal wie die Residuen verteilt sind, die Koeffizienten-Schätzer sind nicht verzerrt. Erst wenn es um die Interpretation von Konfidenzintervallen und Hypothesentests geht, wird die Normalverteilung zur Pflicht.
Die Grundlage hierfür wird im Folgenden anhand einer multiplen linearen Regression erklärt.

Unser Modell sieht folgendermaßen aus:

Die Schätzfunktionen  folgen in diesem Fall, wenn also die Residuen normalverteilt sind, ebenfalls einer Normalverteilung. Mit dieser Information können wir das Konfidenzintervall von ßi konstruieren. Auch die Verteilung der Wald-Test-Statistik unter der Null-Hypothese ist uns dann bekannt. Dadurch können wir Hypothesen-Tests durchführen indem wir den Wert der Test-Statistik mit den Quantilen einer t-Verteilung vergleichen.

Falls die Residuen aber nicht normalverteilt sind, dann wissen wir auch nichts über die Verteilung der Schätzfunktionen und der Wald-Test-Statistik. Das bedeutet, dass das betrachtete Konfidenzintervall verzerrt ist und es keinen Sinn macht den Wert der Test-Statistik mit den Quantilen der t-Verteilung zu vergleichen. Wenn man diese Problematik ignoriert, dann kann es zu schwerwiegenden Verletzungen des Konfidenzniveaus kommen. Das Konfidenzniveau wird nämlich nur dann eingehalten, wenn die Stichprobe wirklich aus einer Normalverteilung stammt.

Diese Gefahr droht jedes Mal, wenn wir Konfidenzintervalle konstruieren oder Hypothesen testen wollen. Wenn die Residuen nicht normalverteilt sind, dann stimmt auch die für die Test-Statistik angenommene Verteilung nicht und deswegen ist der Test wertlos. Die Lösung für dieses Problem ist, anstatt eine bestimmte Verteilung zu unterstellen, die Stichprobe selbst als Verteilungsmodell zu nehmen. Genau das ist der Ansatz den Bootstrapping verwendet.

Bootstrapping Statistik: Was ist das?

Um Ihnen bei dem Umgang mit der Statistik Hilfe zu bieten, wollten wir erstmal auf die Grundlagen des Bootstrapping eingehen. „Sich an den eigenen Stiefelriemen aus dem Sumpf ziehen“- das schaffte der Held der amerikanischen Variante der Münchhausen-Geschichte. Und genau das ist auch das Prinzip des statistischen Verfahrens das daher seinen Namen hat: Bootstrapping.

Die Idee ist einfach. Anstatt anzunehmen, dass die interessierende Prüfgröße einer bestimmten Verteilung folgt, unterstellen wir jetzt, dass dessen Verteilungsfunktion gleich ihrer empirischen Verteilungsfunktion ist.

Diese empirische Verteilungsfunktion der Test-Statistik erhalten wir, indem wir sie wiederholt berechnen. Dazu generieren wir uns aus dem Originalsample viele weitere, so genannte, Bootstrap-Stichproben der gleichen Größe. Das geschieht indem man Werte aus der originalen Stichprobe zieht, notiert und dann wieder zurücklegt. Dadurch können die Bootstrap-Stichproben Werte der originalen Stichprobe auch mehrfach enthalten. Aus jeder der so neu generierten Bootstrap-Stichprobe wird nun mit den üblichen Methoden der Wert der Test-Statistik bestimmt. So erhält man dann dessen empirische Verteilung, woraus sich dann Konfidenzintervalle und Hypothesen-Tests konstruieren lassen, die auch bei einer Verletzung der Normalität der Residuen gültig sind. Bootstrapping ermöglicht also vorher nicht anwendbare Methoden die es uns erlauben, dass wir unsere Statistiken auswerten.

Und nun ein Bootstrapping Beispiel

Das Bootstrapping schauen wir uns nun am Beispiel der multiplen linearen Regression an. Dieses Mal nehmen wir aber an, dass die Residuen keiner Normalverteilung folgen. Unser Ziel ist die empirische Verteilung der Koeffizienten-Schätzer zu bestimmen.

Bootstrapping

Bootstrapping Auswahl und Einstellungen (SPSS)

  1. Zuerst schätzen wir die Koeffizienten auf Basis der originalen Stichprobe
  2. Dann berechnen wir für jede Beobachtung den angepassten Wert und das Residuum
  3. Diese Stichprobe der Residuen wollen wir nun durch Bootrapping replizieren. Also ziehe wir mit Zurücklegen, um viele weitere Sekundärstichproben der Residuen der gleichen Größe zu erhalten
  4. Jede dieser Sekundärstichprobe modifizieren wir nun so, dass wir der Reihe nach die angepassten Werte addieren. Damit machen wir also aus den Bootstrap-Stichproben der Residuen, solche der Y-Werte
  5. Mit diesen Sekundärstichproben der Y Werten und den fixen X werten berechne wir nun wiederholt die interessierende Prüfgröße – den Koeffizienten Schätzer.

Aus der resultierenden Stichprobe der Test-Statistiken lässt sich dessen empirische Verteilung bestimmen.

Zwar wird bei diesem Verfahren keine Annahme über die Verteilung der Residuen getroffen, es wird aber, durch das eben beschriebene Verfahren implizit angenommen, dass diese identisch verteilt sind.

Hat man nun die Stichprobe der wiederholten Test-Statistik vorliegen, kann man dessen Mittelwert und die Standardabweichung schätzen. Dafür sind 100-200 Bootstrap-Stichproben ausreichend. Für die Konstruktion von Konfidenzintervallen und Hypothesentests sollten jedoch mindestens 1000-2000 replizierte Stichproben verwendet werden. Die Bestimmung der statistischen Signifikanz findet beim Bootstrapping über die Konfidenzintervalle statt. Hierbei unterscheidet man zwischen dem Perzentil Konfidenzintervall, dem Bias-Corrected Konfidenzintervall und dem Bias-Corrected adjusted Konfidenzintervall. Liegt die Null nicht in dem jeweiligen Konfidenzintervall, so kann von einem signifikanten Konfidenzen ausgegangen werden.

PROCESS Macro von Andrew Hayes (SPSS)

Das Bootstrapping ist somit eine hervorragende Lösung, wenn die Annahme der Normalverteilung nicht eingehalten wird, man sich aber nicht auf nicht-parametrische Verfahren beschränken möchte. Dieses Verfahren ist natürlich auch in den gängigen Statistik-Software-Programmen enthalten und wird für einige Verfahren explizit empfohlen, wie zum Beispiel für die Mediationsanalyse mit dem PROCESS Macro für SPSS und SAS.

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Mozilla Firefox verliert Marktanteile

Nach so vielen ernsten Themen wie Demokratie, Terror sowie Krieg und Frieden soll es heute wieder mal um ein Thema aus der Rubrik „Unnützes Wissen“ gehen, nämlich den Marktanteil verschiedener Browser. Nun, ganz unnütz ist auch dieses Wissen natürlich nicht. Schließlich sind Browser die Tore zum Internet. Außerdem zeigt die Statistik die Macht des Google-Konzerns (beziehungsweise der Alphabet Inc.) im Internet.

Die Daten stammen alle von StatCounter. Das Unternehmen spricht zwar von weltweiten Daten, der Fokus liegt aber klar auf den USA und Westeuropa. Das zeigt der geringe Anteil der Browser Baidu (China) und Yandex (Russland). Alle Browser basieren jeweils auf einer nicht zufälligen Auswahl von Seiten, nämlich jenen die einen solchen Zähler installiert haben. Insgesamt hat StatCounter aber eine so große Menge an Daten gewonnen, dass die Marktanteile eine gute Referenzgröße ist. Vielleicht mag der wahre Marktanteil von Chrome nicht bei 54,3 Prozent sondern nur bei 49,8 oder sogar 60,1 Prozent liegen. Das Problem zeigt sich schon darin, dass ich die von Statista.de angegebenen 59,3 Prozent in den Daten von StatCounter nicht reproduzieren konnte, dort werden für den Juli 2017 „nur“ 54,3 Prozent Marktanteil für Chrome angegeben. Die Datenbasis ist aber so breit, dass wir den Gesamttrend als aussagekräftig bezeichnen dürfen.

Broswer

Entwicklung der Marktanteile von Browsern. Rot: Google Chrome; Blau: MS Internet Explorer und MS Edge; Orange: Mozilla Firefox; Grün: Apple Safari. Leider decken sich die Daten aber nicht ganz mit denen, die ich direkt von StatCounter entnommen habe. Quelle: StatCounter nach Statista.de

Der Suchmaschinengigant hat seinen Browser vor allem über die eigene Suchmaschine, seine Dienste wie Google Analytics und vor allem das von ihm wesentlich mitentwickelte Betriebssystem Android in den Markt gedrückt. Und zu guter Letzt hilft auch noch der Trend zu mobilen Betriebssystemen Firmen wie Google und Apple, die stark im Geschäft mit mobilen Geräten sind. Dagegen scheint Windows Phone einigermaßen tot zu sein – wenngleich ich persönlich das Kachel-Konzept des mobilen Windows für deutlich benutzerfreundlicher halte als den klassischen Android-Desktop. Bleibt abzuwarten ob die Convertibels, also Mischungen aus Tablet PC und Netbook, Windows Zugang zu mobilen Geräten bringen.

Als Folge dieser Entwicklungen ist der Marktanteil von Googles Chrome auf über 50 Prozent gestiegen. Damit gehört das Internet endgültig den Kaliforniern. Man kann es aber auch positiv sehen, denn die Dominanz Googles ist weitaus geringer als es die des Internet Explorer am Ende des vergangenen Jahrzehnts war. Selbst Statista.de, wo man den Chrome-Marktanteil um rund fünf Prozentpunkte höher ausweist als bei StatCounter, kommt auf einen Marktanteil unter dem des IE-Explorers vor etwa zehn Jahren.

Marktanteil Browser

Marktanteil weltweit im Juli 2017.

Microsoft ist der große Verlierer. Selbst wenn man den neuen Browser Edge und den Internet Explorer zusammen zählt kommt man im Juli 2017 nur auf einen Marktanteil von 5,8 Prozent (Daten von StatCounter). Das liegt nicht alleine am Siegeszug der mobilen Geräte, auch bei Desktop-Rechnern kommt Microsoft mit seinen beiden Browsern nur noch auf einen Marktanteil von rund 13 Prozent, das ist weniger als Mozillas Firefox.

Dabei hat auch die Stiftung deutlich Marktanteile verloren. Am Desktop sank der Marktanteil innerhalb eines Jahres von 15,4 auf 13,8 Prozent. Auf den Mobilgeräten ist Mozilla aber deutlich schwächer, hier landet das Betriebssystem unter „Sonstige“. Insgesamt sank deshalb der Marktanteil von 7,8 auf 5,7 Prozent – und damit sogar etwas stärker als der der beiden Microsoft Browser.

Chrome ist als einziger Browser der sowohl auf Desktop PCs als auch auf Tablet PCs und Smrartphone erfolgreich ist. Edge und Internet Explorer sowie Firefox sind, wie gesehen, vor allem auf Desktop PCs installiert, UC Browser, Android (Standard) Browser und Samsung Internet dagegen gibt es ausschließlich auf mobilen Geräten. Der Android Browser gehört weitgehend auch zum Google-Reich, streng genommen wird er aber, wie Android als Ganzes, von der Open Handset Alliance herausgegeben. Samsung Internet wiederum ist eng mit Crome verwandt, der Südkoreanische Browser basiert nämlich auf Chromium. Das ist, vereinfacht gesagt, jener Teil von Chrome, der Open Source Lizenzen unterliegt. Samsung Internet gehört neben dem UC Browser zu den Gewinnern der jüngsten Entwicklung.

Apples Safari wiederum ist zwar auch auf Desktop PCs vertreten, kommt dort aber nur auf einen Marktanteil von rund fünf Prozent. Bei Tablet PCs weißt StatCounter dagegen sogar einen Marktanteil von über 50 Prozent aus. Hier aber sind die Daten teilweise fragwürdig. Samsung Internet taucht in der Statistik gar nicht auf, obwohl Tablet PCs der Südkoreaner einen hohen Marktanteil haben. Entweder werden sie wegen ihrer Verwandtschaft mit Chrome fälschlicherweise diesem Browser zugeschlagen oder die Tablet PCs werden nicht als solche erkannt, sondern mit den Smartphones unter „Mobile“ gezählt. Überhaupt ist es schade, dass StatCounter keine Daten für Smartphones und Tablet PCs gemeinsam ausweist.

In Deutschland sieht es teilweise ein bisschen anders aus. Insgesamt sind die Daten hier nicht so zuverlässig wie für die USA, weil es weniger Messungen gibt. Allerdings deckt sich ein Ergebnis mit dem aus anderen Browser-Statistiken: Chrome hat zwar mittlerweile auch hierzulande Firefox überholt, mit 38,3 Prozent Marktanteil ist es aber schwächer als in Nordamerika mit 47,7 Prozent oder gar Südamerika mit über 77 Prozent Marktanteil. Dagegen ist hierzulande Firefox mit 20,6 Prozent.

Was lernen wir daraus? Nun, zunächst sind die Daten natürlich mit Vorsicht zu genießen, zumal sich die Frage stellt ob die globalen Werte aus den einzelnen nationalen Daten wirklich richtig zusammengesetzt wurden. In Afrika war nach den Daten von StatCounter bis Dezember 2016 Opera der wichtigste Browser. Aber mit welchem Anteil geht Afrika in die Gesamtzahl ein?

Allerdings gibt es, wie schon am Anfang erwähnt, ein paar sehr eindeutige Entwicklungen. Das ist vor allem der Siegeszug von Chrome. Über die Mobilgeräte kommen aber auch neue Spieler wie Samsung Internet und UC Browser. Chrome mag echte Stärken haben, es zeigt sich aber auch hier, dass große IT-Konzerne ihre Produkte deutlich leichter platzieren können. Ältere Leser mögen sich noch daran erinnern, wie Microsoft einst Netscape verdrängte. Die Regulierung der Internetkonzerne ist ein wichtiges Thema, das bisher noch zu wenige Beachtung findet. Die politische Linke spricht gerne vom Monopolkapitalismus, hat dieses Feld aber bisher weitgehend verschlafen. Lieber führt man dort weiter die Debatten der 1970er Jahre.

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