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24Jul/150

Ein paar Gedanken zum Konservativen Wertewandel

Konservative Werte sind wieder gefragt. Die Schlagzeilen der Zeitungen lauten "Fleiß statt Lebensfreude", "Zukunftsforscher sieht Wertwandel" und "Disziplin und Fleiß sind wieder gefragt". Der Sender n-tv wird sogar fast satirisch und schreibt: "Fleiß und Disziplin statt Toleranz: Die Deutschen werden immer 'deutscher'".

Nicht alle Journalisten blicken durch

Den Vogel schießt aber Martin Korte ab. Er schreibt unter dem Titel "Fleißige Egoisten": "Opaschowski sagt, moderne Werte wie Toleranz, Teamfähigkeit und Fairness seien bei den Jüngeren nicht mehr mehrheitsfähig." Dabei schreibt der zitierte Hamburger Professor: "Die 55plus-Generation legt traditionell auf Konventionen großen Wert. Sie favorisiert Anpassungs-, Pflicht- und Akzeptanzwerte mehr als individuelle Lebensziele von Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung. Weil die Jungen mittlerweile zur Minderheit geworden sind, sind moderne Werte wie Toleranz (48%), Teamfähigkeit (47%) und Fairness (43%) nicht mehr mehrheitsfähig“.

Befragt wurden nämlich keineswegs junge Menschen, sondern 1.000 Deutsche ab 14 Jahren, also nicht einmal besonders viel. Was leider in fast keinem Beitrag zitiert wird, ist die eigentliche Fragestellung. Sie lautet nämlich „Stellen Sie sich einmal vor: Sie müssten jetzt ein Kind erziehen. Welche der folgenden Erziehungsziele halten Sie dann für besonders wichtig?“

Opaschowski Werte Tabelle

Frage: „Stellen Sie sich einmal vor: Sie müssten jetzt ein Kind erziehen.
Welche der folgenden Erziehungsziele halten Sie dann für besonders wichtig?“ Die 15 wichtigsten Antworten sowie ausgewählte Werte. 1.000 befragte Personen ab 14 Jahren. Quelle: Ipsos Observer/Prof. Opaschowski 2015

Die Fragestellung ist auch nicht ganz unsinnig gewählt, denn tatsächlich spiegelt sich in Erziehungszielen wider, welche Werte einer Gesellschaft wichtig sind. Allerdings dürfte in der Fragestellung mit ein Grund für die beobachtete Veränderung der Antworten liegen, vor allem weil in immer mehr Haushalten keine Kinder mehr leben. Denn wer eigene Kinder hat, hat bei der Antwort eher auch das Wohl der Kinder im Blick, vermutlich dürfte auch deshalb der Wert "Lebensfreude" mit 89 Prozent ganz vorne gestanden haben. Heute taucht er noch nicht einmal in der Liste auf. Auch Selbstvertrauen sank von 91 Prozent auf 63 Prozent, Selbstständigkeit sogar von 89 auf 59 Prozent. Wer dagegen keine kleinen Kinder (mehr) hat, der beantwortet die Frage zumindest tendenziell eher unter dem Blickwinkel "Wie wünsche ich mir, dass Kinder sich mir gegenüber verhalten". Auch wenn andere Untersuchungen nahelagen, dass auch Eltern wieder mehr zu klassischen Wert neigen, wie hier im Blog vor Jahren schon beschrieben.

Leider keine Analyse nach Altersgruppen

Spannend wäre deshalb eine Analyse nach Altersgruppen. Auch der Zukunftsforscher Horst Opaschowski sieht die Bedeutung des Wandels in der Altersstruktur. Auch wenn man die Frage anders formuliert hätte wäre das Ergebnis wohl, dass älteren Menschen, wie von Opaschowski im oben zitierten Satz beschrieben, Anpassungs-, Pflicht- und Akzeptanzwerte wichtiger sind. Spannend wäre deshalb eine Untersuchung nach Altersgruppen. Leider gibt es die nicht und dafür wären auch mehr Befragte nötig. Dann aber könnte man mehr Erkenntnisse darüber gewinnen, ob 20-Jährige heute traditionellere Werte bevorzugen als 1981 oder aber ob die damals 20-Jährigen heute als 54-Jährige schlicht konservativer denken als damals.

Vermutlich dürfte beides der Fall sein. Zumal rechte Parteien wieder mehr Zulauf haben und mit dem Islamismus eine rechtsextreme Ideologie aktuell die Welt beschäftigt. Allerdings ist es der neo-konservative Wertewandel aber auch nur die halbe Wahrheit. So ist Ehrlichkeit heute zwar der am häufigsten genannte Wert, während er 1981 noch auf Platz drei stand, allerdings wird er mit 73 Prozent seltener genannt als damals mit 89 Prozent. Offenbar gehen die Meinungen über Werte heute weiter auseinander als damals. Leider muss ich mich bei den Vergleichswerten auf einen dpa-Artikel stützen, in der Original-Tabelle, die mir dankenswerterweise von Professor Opaschowski zugesandt wurde, stehen die Daten nicht.

Ein Einwand, der aber nur ein halber ist

Ohnehin ist die Interpretation stark von persönlichen Vorstellungen geprägt, weshalb ich diesen Beitrag auch mit in die Rubrik "Kommentar" einsortiert habe. Auch hier ist Martin Korte von der Westfalenposte wieder ein Extrembeispiel. Er schreibt an einer Stelle von den jungen "fleißigen Egoisten" und ignoriert dabei nicht nur, dass nicht junge Menschen, sondern alle Altersgruppen ab 14 befragt wurden, sondern auch, dass hoch bewertete Normen wie "Freundlichkeit" (64 Prozent) und "Respekt" (63 Prozent) nicht gerade im klassischen Sinne in die Kategorie Egoismus fallen. Er kommt an anderer Stelle auch zu dem Urteil, dass das mit dem Fleiß gar nicht wahr sein könne, wenn man sich die "Jugend von heute" ansehen und beendet den Absatz ernsthaft mit "Früher war halt alles besser".

Mit dieser Meinung steht er sicher nicht alleine. Ein Einwand der Früher-war-alles-besser-Fraktion dürfte deshalb sein, dass Werte wie "Selbstbewusstsein" nicht mehr genannt würden, weil es dafür heute ohnehin zu viel gäbe. Vielleicht nennen so wenige "Toleranz" als Erziehungsziel, weil Deutschland toleranter geworden ist? Aber ob Deutschland heute toleranter ist als 1981 und die Menschen selbstbewusster, lässt sich nur schwer messen.

Nun könnte man zunächst fragen: "Wie verbreitet ist dieser Wert in unserer Gesellschaft ihrer Meinung nach". Wird er selten genannt, könnte das nicht überprüfbar machen welcher Wert nur deshalb nicht genannt wird, weil er ausreichend vertreten ist? Leider nicht, denn hier beißt sich die Katze statistisch in den Schwanz, misst man dann doch ebenfalls zum großen Teil die persönlichen Wertepräferenzen. Wer Fleiß wichtig findet, der wird meistens auch angeben, dass die Deutschen aktuelle nicht sehr fleißig wären. Wirklich entwirren lässt sich also nicht, welche Werte genannt werden weil sie aktuell wichtig sind und welche, weil sie lange Zeit vernachlässigt wurden. Es spricht aber vieles dafür, dass der Zusammenhang eher in die Richtig geht, dass präferierte Werte angeblich aktuell zu kurz kommen als umgekehrt. So gesehen überzeugt der Einwand also nur teilweise.

Fazit: Wir bleiben Steinzeitmenschen

Und was ich persönlich davon halte? Tatsächlich scheint aktuell eine große Sehnsucht nach konservativen Werten da zu sein. Opaschowski zitiert den Sieg der National-Konservativen unter Andrzej Duda in Polen und den Erfolg von UKIP in Großbritannien. Das dürfte mit der Alterung der Gesellschaft zu tun haben, aber auch eine Gegenbewegung zu den vielen Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte sein. Denn mit dem Islamismus macht heute, anders als 1981, keine links-, sondern eine rechtsextreme Ideologie der Welt zu schaffen, doch die speist sich nicht in erster Linie aus alten Männern und ist in sehr jungen Gesellschaften stark.

Trotzdem möchte ich diese drei Thesen aufstellen:

  1. Der beobachtete Trend zu konservativen Werten ist weniger einer Folge geänderter Werte innerhalb der Altersgruppen als vielmehr eine Folge der Alterung und der im Vergleich zu 1982 höheren Zahl von Haushalten ohne (kleine) Kinder.
  2. Der Trend wird überzeichnet, weil bei Befragungen sozial gewünschte Antworten gegeben werden. Das führte 1981 dazu, dass auch erzkonservative Menschen "Selbstbewusstsein" als Wert nannten und heute diese Antwort nicht gegeben wird, weil sie sozial nicht erwünsch ist. Überzeichnet heißt aber nicht, dass der Trend nicht existiert, sondern nur dass er stärker abgebildet wird als er ist.
  3. Konservative Werte werden aber auch von jüngeren Menschen heute positiver bewertet, allein schon deshalb, weil der Wunsch soziale Normen zu erfüllen nicht nur die Antworten in Befragungen prägt, sondern mitunter sogar das Verhalten selbst.
  4. In die Zukunft kann man diesen Trend aber trotz der Alterung nicht automatisch verlängern.
  5. Im Grund ändern sich die Menschen über die Jahrzehnte viel weniger, als sie es zugeben wollen. "Eine Aussage des Zukunftsforschers aus dem Jahr 1982 (die nicht im Zusammenhang mit der zitierten Untersuchung aus dem Jahr 1981 steht), könnte auch heute ein Stück weit passen: "Ein Wandel von der sozial-konformen zur individuell-autonomen Leistungsorientierung ist feststellbar. Das Bedürfnis, selbst etwas Produktives zu schaffen und etwas zu leisten, was Spaß macht und Sinn hat, ist unverändert groß.“

Insgesamt würde man sich wünschen, dass die Untersuchung noch einmal mit etwas mehr Befragten und einer Unterscheidung nach Altersgruppen wiederholt würde.

22Jul/150

Daniel Stelter verrechnet sich: Kein negatives Vermögen in Deutschland

Außer der Bundesregierung dürfte es wohl kaum jemanden überrascht haben, dass die Deutsche Rentenversicherung (DRV) trotz der aktuell wirtschaftlich guten Lage in Deutschland schon in vier Jahren eine "kritische Situation" heranziehen sieht. Für die DRV waren die vergangenen Jahre nämlich ungewöhnlich kostengünstig, weil die Sterbezahlen relativ hoch lagen. Jetzt aber kommen die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter und die Rentengeschenke der Großen Koalition müssen auch noch finanziert werden.

Daniel Stelter: Deutsche haben mehr Schulden als Vermögen

Die Schulden im 21. Jahrhundert

Daniel Stelters Buch: Eine Analyse des Buchs "Das Kapital im 21. Jahrhundert" von Thomas Piketty

In diesem Zusammenhang zitiert der Makroökonom Daniel Stelter in seinem Buch "Die Schulden im 21. Jahrhundert" eine eindrucksvolle Zahl: Auf 413 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht sich die deutsche Staatsverschuldung nach einer Untersuchung von Jagadeesh Gokhale, wenn die versteckten Lasten für die künftige Renten- und Gesundheitsvorsorge mitberechnet werden. Denn wer jahrelang in die Rentenkasse eingezahlt hat, der hat damit einen Anspruch erworben. Ähnliches gilt für die Kranken und erst Recht die Pflegeversicherung, wo ältere Menschen kaum noch Beiträge zahlen (außer sie sind privat versichert), dafür aber besonders oft Leistungen in Anspruch nehmen. Anders als in der öffentlichen Diskussion teilweise dargestellt lässt sich die Rentenzahlung auch nicht beliebig weit kürzen.

Daniel Stelter

Wird er uns retten? 413 Prozent betragen die Staatsschulden, wenn man Versprechen für Renten und Gesundheit mitberechnet. Wachstum könnte diese Belastungen reduzieren, aber trotz Industrie 4.0 und Robotertechnik ist das Wachstum aktuell international eher mau. Foto: Traveller_40 bei Flickr

Denn jede Generation hat einen Anspruch darauf, im Durchschnitt mindestens die eingezahlten Beiträge zu erhalten. Bei den heutigen Rentnergenerationen ist das kein Problem, sie erwirtschaften nach Berechnungen der DRV Bund teilweise eine Rendite von fast acht Prozent im Jahr (mehr dazu demnächst). Aber auch die heute jungen Arbeitnehmer haben einen Anspruch gegen die Rentenkasse erworben, der sogar noch steigt, wenn die Rentenbeiträge weiter erhöht werden. Die oft gehörte Sorge junger Menschen "Wir kriegen sowieso nichts mehr raus" ist also nur zum Teil berechtigt. Zumindest müsste die Regierung sehr kreativ sein, um das wirklich umzusetzen, ganz abgesehen von der politischen Schwierigkeit, denn wenn die heute 20-Jährigen 60 sind, stellen die über 60-Jährigen vermutlich die Mehrheit der Wähler (heute sind es schon die über 50-Jährigen).

Insofern hat Daniel Stelter also Recht, wenn er den Blick auf das Thema versteckte Staatsschulden richtet. Allerdings verrechnet er sich an anderer Stelle etwas. Basierend auf den Daten des französischen Ökonomen Thomas Piketty zu privaten und öffentlichen Schulden sowie Vermögen und ergänzt um die Daten von Jagadeesh Gokhale kommt er zu dem Schluss, dass das Verhältnis von Schulden zu Vermögen statt bei 412 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wie bei Piketty in Wahrheit bei -1 Prozent liegt. Die Schulden übersteigen also das Vermögen (Seite 107).

Analyse vernachlässigt Bürger

Für den Staat ist das ohne Frage zutreffen, doch die von Daniel Stelter und Thomas Piketty zitierte Vermögens-/Einkommensquote berücksichtig auch private Vermögen. Ein Rentenversprechen ist aber nicht nur eine versteckte Schuld auf Seiten des Staates, sondern auch ein statistisch ebenfalls nur unzureichend erfasstes Guthaben auf Seiten der Bürger. Wer jetzt sagt, die Regierung werde dieses Guthaben ohnehin nie auszahlen, der darf auch die Verpflichtungen nicht mitrechnen. Zumal ich das, wie oben begründet, auch nicht glaube. Zwar sehe auch ich ein Missverhältnis zwischen den Generationen zuungunsten der jüngeren Menschen, dass sie gar keine Renten erhalten werden glaube ich aber, wie erwähnt nicht. Nur mit Renditen von um die acht Prozent pro Jahr dürfen sie wohl nicht mehr rechnen.

Schulden-/Einkommensquote

Verhältnis der Summe von Schulden und Vermögen (Nettovermögen) zum Bruttoinlandsprodukt (Vermögens-/Einkommensquote) für verschiedene Länder bei Thomas Piketty (rot) und bei Daniel Stelter (grau). Stelter berücksichtigt in seiner Analyse auch die versteckte Staatsverschuldung durch Verpflichtungen der Sozialkassen, übersieht allerdings, dass dieser Schuld des Staates ein Guthaben der Bürger gegenüber steht. Besonders hoch sind dei verdecken Verpflichtung überraschenderweise ausgerechnet in den USA. Quelle: Eigene Grafik nach Daten von Daniel Stelter, "Die Schulden im 21. Jahrhundert".

Natürlich liegt ein Teil der Ansprüche im Ausland, etwa bei Rentnern die im Ausland leben oder aber auch bei jungen Menschen, die in Deutschland einen Anspruch erworben haben, aber aktuell in einem anderen Land wohnen. Thomas Pikettys Schulden-/Einkommensquote von 412 Prozent dürfte für Deutschland also etwas niedriger liegen, wenn Verbindlichkeiten des Sozialstaates mitberechnet werden, vielleicht bei 410 Prozent, vielleicht auch darunter. Negativ wie bei Daniel Stelter wird sie aber nicht.

10Jul/150

Alarm! Skandal! Untergang!

Wie würden Sie die unten stehende Grafik über die Entwicklung des Anteils kariesfreier Kinder beschreiben? Vielleicht "Erfreulicher Rückgang der Karieszahlen", eventuell noch ergänzt um die Anmerkung "Stagnation seit 2005". Denn seitdem ist der schon spätestens seit den 1970er Jahren andauernde Trend offenbar gestoppt, die Zahl der kariesfreien Kinder stieg sogar um einen Prozentpunkt.

Zahngesundheit Statistik

Anteil der Kinder mit kariesfreiem Gebiss in den Jahren 1997, 2005 und 2015 nach Daten des Instituts der Deutschen Zahnärze und der Landesarbeitsgemeinschaft Zahngesundheit.

Und das haben die Nürnberger Nachrichten aus diesen Daten gemacht:

Können Bayerns Kinder künftig noch kräftig zubeißen?

Darin bezieht man sich auf den leichten Anstieg der Kinder mit mindestens einem kaputten Zahn bundesweit und auf die etwas höheren Karieszahlen in Bayern, wo man eigentlich wegen des Wohlstandes niedrigere Werte erwarten sollte. Denn anders als früher ist Karies heute kein Problem der Ober- und Mittelschicht, sondern vor allem der ärmeren Kinder. Darf man den Daten der Nürnberger Nachrichten an dieser Stelle trauen, waren bei Mittelschülern (so heißt die Hauptschule in Bayern neuerdings) durchschnitt 2,97 Zähne von Karies befallen, bei Realschülern nur 1,36 und bei Gymnasiasten 1,27. Und weil die Schulform tatsächlich sehr hoch mit dem Einkommen der Eltern korreliert, kann man daraus tatsächlich zumindest grobe Schlüsse auf die Unterschiede zwischen den Einkommensschichten ziehen. Wobei besser sicher eine Analyse nach Milieus wäre, ganz abgesehen davon, dass es sich natürlich nur um Durchschnittswerte handelt.

Aber haben nicht wenigstens die betroffenen dafür immer mehr Karies? Tatsächlich gibt es ja Hinweise darauf, dass Deutschland nicht nur vom Einkommen ungleicher wird (wobei auch dieser Trend seit rund zehn Jahren an Schwung verloren hat), sondern sich auch die Lebensstile weiter auseinanderentwickeln. Aber nein, auch die Zahl der Zähne, die bei 12-Jährigen durchschnittlich befallen sind, ist langfristig zurückgegangen. Leider habe ich nur Daten bis 2000 gefunden, die Nürnberger Nachrichten erwähnen an dieser Stelle nur die oben zitierten Daten nach Schulform und auch das für 15-Jährige und nur für Bayern. Wenn aber 15-Jährige Mittelschüler in der Karieshochburg Bayern durchschnittlich nur 2,97 befallene Zähne haben, dürfte der Durchschnitt für 12-Jährige in Deutschland garantiert unter dem Wert von 1989 von 4,1 Zähnen bleiben, vermutlich sogar unter dem von 2,2 im Jahr 1994. Denn natürlich werden nicht nur die Zähne gezählt, in denen der Karies aktuell wütet, sondern auch die bereits behandelten Zähne, weshalb der Wert über das Alter stetig zunimmt. Wer, wie ich, die 30 schon lange überschritten hat, wird sich eventuell sogar daran erinnern, dass es in den guten alten 1980er in vielen Familien statt Mineralwasser "weiße Limo" zu trinken gab.

Kranke Zähne bei Jugendlichen

Zahl der kariösen (decayed), fehlenden (missing) und gefüllten (filled) Zähne bei 12-Jährigen, der sogenannte DMF-T Wert. Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Fast wundert man sich ein bisschen, dass der verantwortliche Journalist Martin Müller nicht noch eine Hochrechnung angestellt hat, nach dem Motto: "Erschreckende Hochrechnung: Wenn die Zahl der Kinder mit Karies alle zehn Jahre weiter um einen Prozentpunkt zulegt, haben in rund 700 Jahren alle Kinder Karies!"