statistiker-blog.de Nicht nur für Statistiker

22Mar/150

Sofi in Bildern

Dass die Sonnenfinsternis (Sofi) den Stromnetzen Probleme gemacht hat, ist aus Funk und Fernsehen ausreichend bekannt. Es wäre also eigentlich keinen Beitrag im Statistiker-Blog wert, wenn ich nicht auf der Seite der Main-Donau-Netzgesellschaft eine schöne grafische Darstellung des Stromverbrauchs am Freitag gefunden hätte.

Die Main-Donau-Netzgesellschaft betreibt das Stromnetz in großen Teilen Nordbayerns, vor allem in den Regierungsbezirken Mittelfranken und Oberpfalz und ist eine Tochter der N-Ergie, die ihrerseits aus den Nürnberger Stadtwerken (EWAG) und dem Fränkischen Überlandwerk hervorgegangen ist. Sie entstand in Folge der von den Regulierungsbehörden vorgeschriebenen Trennung von Netz und Vertrieb.

Das bedeutet, die Daten enthalten den Stromverbrauch aller Kunden im Netzgebiet, egal ob es sich um Kunden der N-Ergie oder anderer Energieversorger handelt.

Stromproduktion Solar Sonnenfinsternis

Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen ins Netz der Main-Donau Netzgesellschaft am 21. März 2015. Gut zu erkennen ist der Rückgang während der Sonnenfinsternis. Gemessen wird hier die Einspeisung in Prozent der theoretisch möglichen maximalen Einspeisung (installierte Leistung) Quelle: Main-Donau Netzgesellschaft

Hier ist recht gut zu erkennen, wie die Stromproduktion während der Sonnenfinsternis geradezu eingebrochen ist. Ich habe mir auch sagen lassen, dass dieser schlagartige Abfall und Wiederanstieg das große Problem war, denn Wolken gibt es ja auch oft, aber das wirkt sich nicht auf einen Schlag überall im Land gleichzeitig aus.

Sehen kann man den rückläufigen Stromverbrauch auch auf der anderen Seite, beim Bezug aus dem Höchstspannungsnetz. Das ist der Strom, der zusätzlich bezogen werden muss. Leider macht die Quelle keine Angaben dazu, was dort mitzählt. Strom aus Sonne nicht, vermutlich auch der aus Wind nicht. Aber was ist mit dem aus dem Heizkraftwerk der N-Ergie (Fernwärme mit Kraft-Wärme-Kopplung)?

Strom aus dem Höchstspannungsnetz

Von der Main-Donau Netzgesellschaft aus dem Höchstspannungsnetz bezogener Strom in Megawatt. Quelle: Main-Donau Netzgesellschaft

Die erhöhte Nachfrage aufgrund der Sonnenfinsternis kann man aber in jedem Fall gut sehen. Interessant ist dabei auch, dass teilweise kaum noch Strom aus dem Höchstspannungsnetz bezogen wurde. Am folgenden Sonntag (22. März) ging der Strombezug aus dem Höchstspannungsnetz sogar auf null. Egal ob das Fernwärmekraftwerk hier mitgerechnet wird oder nicht, aufgrund von dessen insgesamt eher geringer Leistung heißt das, dass der Strom in dieser Zeit ganz oder zumindest ganz überwiegend aus regenerativen Quellen kam. Allerdings ist der Stromverbrauch am Sonntagnachmittag auch ausgesprochen niedrig.

Strombezug aus dem Höchstspannungsnetz am 22. März. Quelle: Main-Donau Netzgesellschaft

Strombezug aus dem Höchstspannungsnetz am 22. März. Quelle: Main-Donau Netzgesellschaft

20Mar/150

Der DAX und die Statistik

Börse und Statistik, das ist eigentlich ein naheliegendes Thema. Denn Börsianer arbeiten mit Statistiken und produzieren Statistiken. Ich habe mich diesem Thema trotzdem kaum gewidmet, weil das bereits genug andere Seiten tun. Für meine Seite Sparbuch-Test.de habe ich jetzt aber einen Beitrag geschrieben, bei dem es auch um Statistik geht. Genauer gesagt um die Frage, warum der Deutsche Aktienindex (DAX) zwar so hoch steht wie noch nie, die Bundesbank aber einen DAX ausweist, der noch ein paar Punkte von seinem Höchststand entfernt ist.

DAX-Entwicklung

Entwicklung des DAX-Kursindex, nicht zu verwechseln mit dem "regulären" DAX, der ein Performance-Index ist. Quelle: Sparbuch-Test.de, Veröffentlichung bei Nennung der Quelle frei

Aus Mangel an Zeit verweise ich heute einfach nur auf diesen Beitrag und gelobe demnächst wieder etwas zu veröffentlichen.

2Mar/152

Der Paritätische Wohlfahrsverband und die Renten

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat eine viel zitierte Erhebung über den Anstieg der Armut vorgelegt und gleich erste Vorschläge gemacht. Die FAZ zitiert den Verband mit der Forderung, schnell eine Steuererhöhung einzuleiten um damit die Renten erhöhen zu können.

Nun kann man daran einiges kritisieren. Beispielsweise, dass der "Pari" von Armut spricht, aber Daten zur Armutsgefährdung verwendet. Der Unterschied dürfte aber nur Statistikern geläufig sein, arm ist jemand nämlich erst, wenn er weniger als 50 Prozent des medianen Nettoäquivalenzeinkommens hat, armutsgefährdet ist man bereits mit unter 60 Prozent.

Kritisiert wurde häufig auch, dass die Armutserhebung nicht den steigenden Wohlstand berücksichtigt. So ging sie in einigen Krisenländern zurück, weil das Medianeinkommen (also das Einkommen des Menschen, zu dem es genauso viele ärmere wie reichere Mitmenschen gibt) gefallen ist. Allerdings hat die Methode, das Durchschnittseinkommen heranzuziehen, durchaus Berechtigung, denn Menschen sind nun mal soziale Wesen und orientieren sich an ihrer Umwelt. Wenngleich sich Menschen natürlich auch am gestrigen Einkommen orientieren. Diskutieren könnte man deshalb, ob man Armut auch am gleitenden Durchschnitt des Medianeinkommens der vergangenen zehn Jahre messen sollte. Grundsätzlich aber hat die relative Armutsmessung ihre Berechtigung. Hier kann man dem "Pari" höchsten vorwerfen, dass er das Thema Wohlstandszuwachs nicht ausreichend gewürdigt hat.

Nein, bemerkenswert ist das Ergebnis vor allem deshalb, weil die Armut der Älteren zwar überdurchschnittlich angestiegen ist, aber immer noch unter dem Durchschnitt liegt. Und dass obwohl die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband verwendeten Daten die jüngsten Rentengeschenke wie die Mütterrente noch nicht berücksichtigen. Hier kann man tatsächlich unterstellen, dass hier mit Statistik gelogen werden soll.

Armut nach Alter

Anteil der Armutsgefährdeten an der jeweiligen Altersgruppe. Quelle: Destatis. Verwendung mit Nennung des Statistiker-Blogs frei.

Mit 16,0 Prozent liegt die Armutsgefährdung nicht nur niedriger als im Durchschnitt, sondern auch als in beiden anderen Gruppen, den Kindern und Jugendlichen und den unter 65-Jährigen ab 18. Genauere Daten bietet die jüngste Statistik des Bundesamtes leider nicht.

Erstaunen dürfte viele, dass die Kinder ebenfalls unterdurchschnittlich armutsgefährdet sind. Das hat vermutlich seinen Ursprung vor allem in der hohen Armutsgefährdung der jungen Erwachsenen, wie ältere Daten vermuten lassen. Außerdem leben besonders viele Kinder immer noch in Familien mit zwei Elternteilen. Alleinstehende sind aber deutlich häufiger arm als Menschen in Paarbeziehungen, weil bei letzteren ein niedriges Einkommen oft ausgeglichen wird. Wobei die Statistik zeigt, dass Eltern mit einem Kind mit 11,1 Prozent sogar seltener armutsgefährdet sind als unter 65-Jährige Paare ohne Kinder (12,4). Nur über 65-Jährige Paare sind mit 10,4 noch seltener armutsgefährdet.

Mit zwei Kindern sinkt die Armutsgefährdung sogar weiter (8,5 Prozent). Womöglich wirken Kinder motivierend, das Einkommen zu steigen. Außerdem dürfte auch hier gelten, dass Paare mit zwei Kindern im Schnitt älter sind als solche mit einem oder keinem Kind.

Außerdem wird durch die neue OECD-Skala, wie bericht, die Kinderarmut in meinen Augen zu niedrig angesetzt. Denn der Bedarf eines Kinder wird nur mit 30 Prozent dessen eines alleinstenden Erwachsenen gemessen. Das liegt zum Teil auch daran, dass ein alleinerziehender Vater mit Kind keine zwei Kühlschränke braucht. Im Vergleich zu jedem weiteren Erwachsenen (wenn der Vater statt eines Kindes eine Frau hätte) unterstellen die Statistiker aber immer noch, dass Kinder 40 Prozent weniger kostet. Die Sozialverwaltung geht hier von anderen Annahmen aus. Das führt im Extremfall dazu, dass eine große Familie mit Hartz IV-Bezug nicht mehr arm ist.

Trotzdem bleibt festzustellen, dass Politik und Verbände statt über Kinder- und Seniorenarmut mehr über 18 bis unter 65-Jährigen Armut sprechen müssten. Das aber lässt sich kaum verkaufen. Die Aussagen des Pari zur Seniorenarmut dürften ausschließlich politischem Kalkül folgen. Mit der Realität haben sie nichts zu tun. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass die bei der Kinderarmut angeführten Vergünstigungen oft auch für Senioren gelten.