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8May/130

Vater- und Muttertage

Morgen ist Vatertag, am Sonntag Muttertag. Deshalb ist es Zeit für ein paar Statistiken zum Vater- und Muttertag.

Saufende Männer in Iddenheim

Vatertag so... Foto: Josef Junk.

Das ist gar nicht so leicht, denn selbst das Statistikportal Statista findet zu dem Thema keine einzige Statistik. Immerhin gibt es auf eltern.de eine Umfrage. Demnach feiern rund 41 Prozent der Umfrageteilnehmer den Vatertag mit einem kleinen Geschenk für die Väter, bei fast 29 Prozent darf Papa feiern gehen und bei fast 31 Prozent wird der Vatertag gar nicht gefeiert.

Repräsentativ ist die Umfrage aber nicht, denn die Daten stammen aus einer Umfrage auf der eltern.de-Seite. Weder die Leserschaft noch der Anteil derer, die auf die Umfrage antworten, dürften repräsentativ für alle Familien sein.

Kuchen in Herzform

...oder so. Foto: Josef Türk

Zum Muttertag habe ich immerhin zwei "richtige" Umfragen gefunden. Laut Befragung für das Magazin Focus finden 68 Prozent den Muttertag noch zeitgemäß, 31 Prozent nicht.

Etwas detaillierter ist eine Umfrage für Eltern, bei der 1.001 Mütter zwischen 20 und 70 befragt wurden. Demnach halten ihn 53 Prozent der Mütter für ein Relikt aus den Zeiten, "als die Mutter noch automatisch Hausfrau war", trotzdem feiern ihn 57. Offen bleibt leider, wie hoch die Quote bei den Müttern mit kleinen Kindern ist, denn befragt wurden ja auch Mütter, deren Kinder längst ausgezogen sind.

Das dürfte auch der Hauptgrund sein, warum Mütter zwischen 20 und 40 den Muttertag zu 62 Prozent positiv sehen, die Älteren dagegen nur zu 52 Prozent. Denn ein Päckchen mit Pralinen von der 45-Jährigen Tochter aus Sterbfritz ist eben nicht das gleiche wie ein Bild vom 3-Jährigen Kind.

Fotos unter Creative Commons Lizenz. Frei zur nichtkommerziellen Verwendung bei Namensnennung des Fotografen und Weitergabe unter gleichen Bedingungen.
18Apr/134

Streit um Kinderzufriedenheit

Vor kurzem hat die UNICEF eine Studie zur Situation der Kinder in Deutschland vorgelegt. Demnach schneiden deutsche Kinder zwar beim subjektiven Empfinden gut ab, sie rauchen seltener als früher, werden seltener schon als Jugendliche schwanger und kiffen weniger. Trotzdem sind sie seltener zufrieden als die Kinder in anderen Nationen, im Ranking sind sie sogar deutlich abgerutscht. "Leistungsstark, aber unglücklich?", fragt die UNICEF und mitunter lässt sie das Fragezeichen auch gleich weg.

Politiker, Medien und Wissenschaftler haben sich daraufhin einen Wettstreit um die besten Ideen geliefert. Doch die These stimmt von den unglücklichen Jugendlichen lässt sich statistisch gar nicht halten, wie die Süddeutsche Zeitung schon am vergangenen Freitag berichtete. Leider ist der Artikel nicht frei zugänglich, deshalb kann ich ihn hier nicht verlinken.

Um es kurz zu machen: Die These ist in zweierlei Hinsicht mehr als fraglich. Zum einen sind sechs von sieben Jugendlichen zufrieden. Die UNICEF setzt zwar hinter ihr "Leistungsstark, aber unglücklich?" ein Fragezeichen, nimmt aber dabei bewusst in Kauf, dass das schnell übersehen wird.

Anteil von Jugendlichen, die glücklich sind im Mittelfeld der UNICEF-Studie. Quelle:UNICEF

Das zweite Problem ist kein sprachliches, sondern ein statistisches. Im mittleren Bereich liegen die Nationen eng zusammen - so eng, dass die Aussagekraft der genauen Position gering ist. Hätte von 50Befragten nur einer mehr Zufriedenheit bekundet, läge Deutschland im oberen Bereich.

Im UNICEF-Bericht greift man deshalb zu einem grafischen Trick: Man schneidet die Achse ab. Statt bei 0 beginn sie bei 70. Ich habe hier die Länder aus dem Mittelfeld mal dargestellt, ohne die Achse abzuschneiden.

Ich will damit nicht behauptet, dass alles in Ordnung sei. Für Kinder und Jugendliche wird das Leben in Deutschland immer schwieriger, je weniger es gibt. Schon heute sind sie Exoten und stehen damit unter ständiger Beobachtung und stören zunehmen in einer alternden Gesellschaft. Doch das rechtfertigt keine falschen Interpretationen von Statistiken.

Ein großes Lob dagegen an den verantwortlichen Journalisten der SZ. Ich kritisiere ja gerne Berichte in Medien, doch hier haben zumindest einige Journalisten bessere Arbeit geleistet als mancher Wissenschaftler.

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5Mar/130

Tempobereinigte Fertilitätsrate und Kohortenfertilität

Als Statistik-Blogger beschäftige ich mich natürlich mit Zahlen, aber eben auch mit Worten. Deshalb ist es mir immer eine besondere Freude, wenn ich in statistischen Publikationen schöne neue Worte entdecke. Eines davon ist die Kohortenfertilität, die man mit Hilfe der tempobereinigten absoluten Fertilitätsrate schätzen will.

Im Kern geht es darum, dass mit dem Trend zu höheren Abschlüssen und insbesondere der höheren beruflichen Qualifizierung von Frauen sich auch das Kinderkriegen nach hinten verschiebt. Jeder kennt das, Freunde die eine Lehre absolviert haben, haben oft schon längst Kinder, da sind die Akademiker gerade ins Berufsleben gestartet. Will man also herausfinden, ob die heute 25-jährigen Frauen weniger Kinder kriegen als die heute 40-jährigen das getan haben, muss man das berücksichtigen.

Bild eines Kaninchen

Für sie ist die Kohortenfertilität ebenso wenig ein Thema wie die tempobereinigte absolute Fertilitätsrate. Bild: Oliver Gaser unter Creative Commons Lizenz

Die Zahl der Kinder pro Frau in einer Altersgruppe ist eben die Kohortenfertilität. Die Frauen des Geburtsjahrgangs 1976 hatten beispielsweise bis zum ihrem 30. Geburtstag im Westen nur durchschnittlich 833 Kinder je 1.000 Frauen geboren, beim Jahrgang 1967 waren es noch 874 gewesen. Bis zum ihrem 35. Geburtstag hatten die Jüngeren aber die fast zehn Jahre älteren überholt, sie hatten nun 1.281 statt 1.269 Kinder. Erst wenn ein Jahrgang 50 wird, betrachtet man die Geburtenzahl als endgültig.

Das ist immer noch ziemlich wenig, mit 1,4 Kindern pro Frau liegt die Kinderzahl in Deutschland selbst im Vergleich zu anderen Industrieländern noch sehr niedrig.

Die ganze Arbeit will ich hier gar nicht vorstellen. Man findet sie beim Statistischen Bundesamt unter dem Titel "Wie wirkt sich der Geburtenaufschub auf die Kohorten­fertilität in West und Ost aus?"

Nur so viel sei verraten: Die Geburtenrate der jüngeren Jahrgänge ist weiter gefallen. Sie müssen also entweder noch stärker aufholen als die vorangegangenen Jahrgänge oder die Kohortenfertilität wird weiter fallen. Die Kinderzahl wird das ohnehin tun, weil es weniger junge Frauen gibt. Selbst wenn die Geburtenziffer auf ihrem heutigen Stand bleibt, wird die Zahl der Geburten vermutlich um fast ein Drittel sinken.