Die Rente ist sicher, sagt Norbert Blüm

Zu meinem Beitrag „Mehr Geld fürs Soziale“ hatte ich einen etwas schwer verständlichen Kommentar bekommen. Die Steigerung der Ausgaben für das Alter könnte außer an der steigenden Lebenserwartung auch an den Pensionsansprüchen für Beamte und der Zweckentfremdung von Geldern der Rentenversicherung liegen.

Nun kann man den Hinweis so interpretieren, dass die steigenden Pensionslasten nicht nur durch die Alterung, sondern auch den Ausbau des Staates und damit die Neueinstellung von jetzt in Pension gehenden Beamten in den 1970er Jahren liegt. Das ist richtig. Aber die Zweckentfremdung? Ist damit die Frühverrentung gemeint?

Ich habe mich also auf die Suche nach Zahlen zum tatsächlichen Renteneintritt gemacht und bin bei der OECD fündig geworden. Zunächst einmal muss man sagen, dass es auch jenseits von Beamtenpensionen und Frühverrentung tatsächlich eine demographische Herausforderung zeigt, wie diese Übersicht der OECD zeigt.

Verbleibende Lebenserwartung zum Zeitpunkt des Einstiegs in die gesetzliche Rente. Rot Frauen, Blau Männer. Quelle: OECD

Demnach ist Lebenserwartung einer Person, die das durchschnittliche (tatsächliche) Renteneintrittsalter erreicht hat, immer weiter gestiegen. Vereinfacht gesagt beziehen die Deutschen also immer länger Rente. Die Daten nach 2011 sind Schätzungen. Dass die Zahl der Jahre zwischenzeitlich sogar sank hat damit zu tun, dass das tatsächliche Renteneintrittsalter zuletzt nach Jahren des Rückgangs gestiegen ist.

Schließlich habe ich auch noch mein Renteneintrittsalter gefunden. Es liegt in Deutschland bei rund 60,5 Jahren für Frauen und rund 62 Jahren für Männer. Erstaunlicherweise gibt es sogar Länder, in denen die Menschen über die gesetzliche Grenze hinaus arbeiten. Mein Vater tut das zwar auch, ist in Deutschland damit aber ein Einzelfall. Weniger erstaunlich, dass es sich bei den Ländern um Japan und Korea handelt.

Gesetzliches Renteneintrittsalter (rot), tatsächliches Eintrittsalter von Männern (hellgrau) und Frauen (dunkelgrau). Quelle: OECD

Noch erstaunlicher ist, dass in Frankreich und den Niederlanden die Frauen sogar später in Rente gehen als die Männer. Am meisten überrascht hat mich jedoch keine Zahl, sondern die Tatsache, dass es in Europa noch immer Länder mit einem nach Geschlecht verschiedenen Renteneintrittsalter gibt. Darunter sogar unser Nachbar Österreich. Weil das dortige Verfassungsgericht die Regelung als Verstoß gegen die in der Verfassung festgeschriebene Gleichberechtigung wertete, nahm das Parlament den Renteneintritt von Frauen mit 60 einfach in die Verfassung auf. Man sieht: In einigen Ländern treiben es die Politiker weit wilder als in Deutschland.

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