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2Sep/120

Von Klärschlamm und anderen Leckereien

Als vorerst letzte Wiederholung hier ein Beitrag vom 30. Dezember 2010 zur Klärschlammstatistik. Die beliebten Artikel zu Multikulti in Berlin, zu Sex and Crime und zur Lohnsteigerung im Öffentlichen Dienst im europäischen Vergleich habe ich bewusst nicht wiederholt, denn die sind ja schon prominent verlinkt. Auch die zu den Brauereien und der Staatsschuld nicht, denn die sind ja ziemlich neu. Demnächst geht es weiter mit aktuellen Beiträgen.

Immer weniger Klärschlamm aus kommunalen Kläranlagen wird im Landschaftsbau eingesetzt. Das zeigt die Klärschlammstatistik des Statistischen Bundesamtes, die es tatsächlich gibt. Danach wurden 2009 in Westdeutschland rund 1,6 Millionen Tonnen Klärschlamm (gemessen in Trockenmasse) aus der biologischen Abwasserbehandlung von kommunalen Kläranlagen verwertet, in Ostdeutschland knapp 360.000 Tonnen. Insgesamt wurden somit 2009 in Deutschland rund 1,96 Millionen Tonnen Klärschlamm verwertet – das sind 4,5% weniger als im Jahr 2006.

Foto: Digitoxin

Davon wurden 2009 117.000 Tonnen Klärschlamm weniger für die Rekultivierung von Bergbauhalden, aufgegebenen Industriestandorten und anderen Einsatzgebieten im Landschaftsbau verwendet. Damit sank deren von 19,5 auf 14,4 Prozent.

Deutlich zugenommen hat dagegen die Verbrennung. Mit 52,5 Prozent wird mehr als die Hälfte des Klärschlamms verbrannt. 2006 waren es noch 47,1 Prozent gewesen. Der Anteil des in der Landwirtschaft eingesetzten Klärschlamms blieb dagegen mit rund 30 Prozent konstant.

Klärschlammtechnisch gibt es weiterhin ein Ost-West-Gefälle. Während in den alten Bundesländern 56,0 Prozent verbrannt wurden, waren es in Ostdeutschland nur 37,2 Prozent. Hier wird dafür deutlich mehr Klärschlamm im Landschaftsbau eingesetzt. Mit 37,2 Prozent liegt der Anteil fast viermal so viel so hoch wie im Westen mit 10,5 Prozent.

21Jan/123

Wann wird’s mal wieder richtig Winter?

Wann wird's mal wieder richtig Winter,
ein Winter wie er früher einmal war?
Mit Schneefall schon ab Mitte November,
und nicht nur Regen wie in diesem Jahr.

So ähnlich geht ein Lied des Niederländers Rudi Carrell, das übrigens im Original City of New Orleans heißt und von einer Zugfahrt handelt. Rudi Carrell singt zwar eigentlich über den Sommer, aber dort gibt es die Zeile "Der Winter war der Reinfall des Jahrhunderts".

Nun sang Carrell das Lied im vergangenen Jahrtausend, denn schlechter als der diesjährige kann der Winter damals nicht gewesen sein. Tatsächlich fragt man sich: Wo bleibt der Schnee. Wenn einmal ein paar Flocken fallen, werden sie spätestens im Laufe des Tages Regen. Für mich persönlich ist das der erste Winter an den ich mich erinnern kann, an dem es nicht wenigstens einen Tag mal richtig Schnee gab. Aber was sagt die Statistik dazu?

Die älteren Leser werden sich noch dran erinnern können: Schnee. Foto: gravitat-OFF

Glücklicherweise gehört das Wetter zu den Dingen, die besonders gut statistisch erfasst sind. Kein Wunder, Jahrhunderte lang hing davon das Überleben ab. Heute ist es die Klimakatastrophe, die das Wetter zu einem für Medien und Forscher interessanten, aber auch sehr emotionalen Thema macht. Fragen wir also den Deutschen Wetterdienst.

Für eine Bilanz des Winters 2011/2012 ist es noch zu früh. Abgeschlossen ist dagegen die Analyse des Jahres 2011. Tatsächlich gehört 2011 mit einer Jahresmitteltemperatur von 9,6 Grad zu den fünf wärmsten Jahren in Deutschland seit 1881, neben 1934, 1994, 2000 und 2007. Wobei das Jahr 2000 mit 9,9 Grad den Spitzenplatz einnimmt.

Elf von zwölf Monate waren 2011 zu warm. Einzige Ausnahme war der Juli, der 2011 eher zu kalt blieb. Über den Dezember schreiben die Offenbacher Wetterforscher: "Der Dezember verlief dagegen sehr nass, stürmisch und nur wenig winterlich." Der Januar wie es aussieht auch. Vielleicht müssen Bayern und Österreicher zum Skifahren bald ins Ruhrgebiet oder nach Mecklenburg reisen. Dort kann man nämlich in der Halle Ski fahren.

17Oct/110

Jeden Tag 124 Fußballfelder weniger Natur

Steht Hessens Industrie vor dem Aus? Nach dem aktuellen Bericht des Statistischen Bundesamtes nahm die Industriefläche dort alleine von 2009 bis 2010 um 19 Quadratkilometer oder 11,1 Prozent ab. Alles nur, weil Roland Koch nicht mehr da ist? Wer sich jetzt übrigens so wie ich fragt, wer eigentlich seitdem in Hessen regiert: es ist Volker Bouffier, wie Koch CDU.

Und Volker Bouffier hat Glück. Gleichzeitig wuchsen in Hessen die Betriebsflächen um 31 Quadratkilometer, das sind 38,0 Prozent. Verantwortlich dürfte als ein rein statistischer Effekt sein. Vermutlich wurde ein sehr großes Gelände 2010 statt als Gewerbe- als Betriebsfläche erfasst.

Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland hat von 2007 bis 2010 insgesamt um 2,7 Prozent oder 1.266 Quadratkilometer zugenommen. Täglich sind also 87 Hektar unter Straßen, Siedlungen oder Industrieflächen verschwunden. Das sind Tag für Tag 124 Fußballfelder. Wobei Siedlungs- und Verkehrsfläche nicht gleichzusetzen ist mit versiegelter Fläche, denn Hausgärten gehören auch dazu, ebenso Erholungsflächen wie Parks.

Entwicklung der Flächennutzung in Deutschland in Prozent. Quelle: Statistisches Bundesamt

Veranwortlich dafür ist vor allem die Zunahme der Erholungsflächen. Sie nahm allein von 2009 bis 2010 um 2,0 Prozent zu. Daneben verbrauchten im gleichen Zeitraum vor allem das Leben (Wohnflächen +1,7 Prozent) und das Sterben (Friedhofsflächen +1,3 Prozent) mehr Platz.

Zurückgegangen ist dagegen neben den sonstigen Flächen (einschließlich sonstige Gebäude und Freiflächen neben Wohnen, Gewerbe und Industrie; -1,4 Prozent) die landwirtschaftliche Fläche. Prozentual fällt er mit -0,2 Prozent zwar gering aus, absolut ist der Rückgang mit 357 Quadratkilometer aber der mit Abstand bedeutsamste.

Besonders stark ist die Verkehrs- und Siedlungsfläche in Mecklenburg-Vorpommern (+1,4 Prozent), Sachsen (+1,1 Prozent) und Bayern (+1,0 Prozent) gewachsen. Im Hamburg dagegen haben Wohn- und Gewerbeflächen mit +3,4 beziehungsweise +10,6 Prozent zwar besonders stark zugenommen, gleichzeitig sanken allerdings die Betriebsflächen um 12,4 Prozent. Für die Wohn- und Gewerbegebiete wurden nämlich vor allem ehemalige Hafenflächen verwendet, so dass die Verkehrs- und Siedlungsfläche nur um 0,2 Prozent zunahm.

So schön ist es in Sachsen-Anhalt immer öfter. Foto: A. Froese (cc)

Zurück gegangen ist sie lediglich in Sachsen-Anhalt, nämlich um 0,3 Prozent. Verantwortlich dafür ist neben einem Rückgang der Wohnflächen um 1,7 Prozent vor allem ein Minus bei den Betriebsflächen um 2,7 Prozent. Darunter fallen unter anderem Abbauflächen, beispielsweise im Braunkohletagebau, die 2,2 Prozent weniger Grund beanspruchten.

In Sachsen-Anhalt ist daneben auch das (nicht zu den Siedlungsflächen gehörende) Umland zurückgegangen (-18,8 Prozent). Darunter fallen vor allem bisher nicht kultivierte Tagebaugebiete. Dadurch mausert sich Sachsen-Anhalt zum Naturparadies, Waldflächen nahmen um 0,6, Wasserflächen sogar um 1,9 Prozent zu.

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