Bundestagsabgeordnete ohne Studium: Fast schon Exoten

Trump ist weg, für viele Kommentatoren endet damit auch die leidige Debatte über die Ursachen für den Aufstieg des Populismus. Das sollte nicht so sein, findet Michael Sandel, ein US-Philosoph, dessen Buch „The Tyranny of Merit: What’s Become of the Common Good“ noch kurz vor Trumps Abwahl erschien und mittlerweile schon auf Deutsch übersetzt ist („Vom Ende des Gemeinwohls: Wie die Leistungsgesellschaft unsere Demokratien zerreißt“).

Darin beklagt er vor allem die heute weit verbreitete Einstellung, dass soziale Unterschiede nicht bedenklich sein, solange sie eine Folge unterschiedlicher Begabungen seien und nicht beispielsweise von Abstammung.

Meritokratie, die (bildungssprachlich):
Verdienstadel; gesellschaftliche Vorherrschaft einer durch Leistung und Verdienst ausgezeichneten Bevölkerungsschicht

Der Duden

Ich möchte hier keine Buchrezension verfassen, sondern natürlich über Statistik schreiben. Sandel schreibt nämlich unter anderem darüber, dass sich in den Volksvertretungen weltweit heute kaum noch Politiker ohne Hochschulabschluss finden lassen. Da möchte ich natürlich wissen, ob das auch für Deutschland gilt.

Meine Auswertung

Um die Frage zu beantworten, habe ich mich durch die Lebensläufe sämtlicher Abgeordneten geklickt – sogar etwas mehr, denn die Übersicht des Bundestages führt auch ausgeschiedene Mitglieder oder solche, die das Mandat abgelehnt haben.

Anteil der Akademiker nach Fraktionen. Die CDU/CSU-Fraktion wurde hier getrennt nach CDU und CSU betrachtet. Die fraktionslosen Abgeordneten umfassen fünf ehemalige AfD-Abgeordnete (u.a. Frauke Petry) sowie einen ehemaligen SPD-Abgeordneten.

Besserverdienenden-Parteien FDP und Grüne mit den meisten Akademikern

Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig. Auch in Deutschland dominieren Akademiker das Bundesparlament. Den Vogel hat die Fraktion Bündnis90/Die Grünen abgeschossen, wo von 67 Abgeordneten nur einer keine Hochschule besucht hat – ein Biolandwirt.

Erwartungsgemäß gibt es auch bei der FDP wenig Nicht-Akademiker, hier sorgen allerdings ein paar selbständige Handwerksmeister für etwas Auflockerung. Auch die AfD, die Umfragen zufolge von Menschen mit niedrigem formalen Bildungsabschluss besonders häufig gewählt wird, hat in ihren Reihen nur wenig Menschen, die keine Hochschule besucht haben.

SPD mit den meisten Nicht-Akademikern

Den niedrigsten Akademikeranteil haben die Sozialdemokraten, wobei auch bei der ehemaligen Arbeiterpartei rund vier von fünf Abgeordneten eine Hochschule besucht haben.

Hinzu kommt, dass der Anteil der Nicht-Akademiker weiter sinkt. Als der Nürnberger Abgeordnete und ehemalige Eisenbahner Martin Burkert im Februar 2020 sein Amt abgab, folgte ihm eine Juristin nach. Auch bei der SPD sind Arbeiter und andere Nicht-Akademiker meistens älter, der Nachwuchs hat eine Hochschule besucht.

Soziale Herkunft von Politikern
Der Nürnberger Landtagsabgeordnete Arif Tasdelen hat Migrationshintergrund, kommt aus einem Arbeiterhaushalt und ist kein Akademiker, sondern Fachangestellter für Arbeitsförderung. Damit ist er auch im bayerischen Landtag ein Exot. Allerdings hat er vor seiner Wahl im öffentlichen Dienst gearbeitet, zuerst beim Arbeitsamt und später (nach der Verlagerung der Arbeitsmarktinspektion) beim Zoll. © Arif Tasdelen

Die CSU hat ebenfalls einen hohen Anteil von Parlamentariern, die keine Hochschule besucht haben. Meist sind das Landwirte oder – wie bei der FDP – Handwerker und Kleinunternehmer, dazu ein paar Bankangestellte.

Der hohe Anteil bei der CSU könnte auch damit zusammenhängen, dass das bayerische Gymnasium als besonders schwer gilt und deshalb mehr junge Menschen die Real- und Hauptschule besuchen (Hier etwas anekdotische Evidenz: Obwohl es bei uns am Ort gleich zwei Gymnasien gibt, gingen von den 22 Schülerinnen und Schülern in der Klasse meiner Tochter die mit Abstand meisten auf die Realschule. Das sieht außerhalb Bayerns teilweise anders aus).

Der Vergleich zum Wahlvolk

Der Anteil an Akademikern ist weitaus geringer, als es in der öffentlichen Debatte den Anschein hat, wenn über „Akademiker-Fluten“ gesprochen wird. Tatsächlich haben mehr als zwei Drittel der Deutschen keinen akademischen Abschluss.

Natürlich gibt es dabei deutliche Unterschiede nach dem Bildungsstand. Bei den über 70-Jährigen ist der Anteil von Akademikern weit geringer als bei den 40 bis 60-Jährigen, die im Parlament die größte Gruppe bilden. Und natürlich noch geringer als bei den unter 40-Jährigen, die es im Parlament ebenfalls gibt.

Trotzdem trifft auch auf Deutschland zu, dass eine Mehrheit ohne Diplome von Menschen mit Diplomen regiert wird. Aber ist das überhaupt schlimm? Darauf komme ich am Ende des Beitrags zurück.

Der internationale Vergleich

Insgesamt hat nur rund einer von zwölf Abgeordneten keine Hochschule besucht. Damit liegt der Anteil höher als beispielsweise in den USA, aber nicht wesentlich höher als in Großbritannien. Erwartbar wäre eigentlich ein höherer Anteil gewesen, weil hierzulande die berufliche Ausbildung eine attraktive Alternative zum Studium bietet.

Allerdings sind auch in Großbritannien knapp unter 90 Prozent der Parlamentarier Akademiker. Das gilt sogar für die Labour-Party, deren Abgeordnete noch 1971 zu über 40 Prozent keine Akademiker werden, heute mit 16 Prozent seltener als die SPD.1

Wobei unklar ist, wie dabei Studienabbrecher und Studierende gezählt werden. Die von Sandel verwendete Formulierung (oder von seinem Übersetzter Helmut Reuter, um genau zu sein) „ohne akademischen Grad“ weist darauf hin, dass auch Studienabbrecher bei den Nicht-Akademikern mitgezählt werden. Wie gesagt gibt es davon aber nicht besonders viele. Trotzdem wäre der Anteil der Nicht-Akademiker dann mit rund 83 Prozent etwas niedriger als in Großbritannien.

Außerdem haben die Briten noch ein anderes Problem. Jeder vierte Abgeordnete hat nämlich in Oxford oder Cambridge studiert, also schon sei Studium recht abgehoben verbracht.

In den USA sind die Verhältnisse sogar noch extremer, dort sind 95 Prozent der Abgeordneten im Repräsentantenhaus und sogar 100 Prozent der Senatoren Akademiker.

Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Leider ist die Erhebung der Daten nicht ganz so einfach, wie man es im ersten Moment denkt. Nicht nur, weil es ziemlich aufwändig ist und aus einigen Lebensläufen gar nicht klar hervorgeht, welche Ausbildung der oder die Betreffende hat. So steht beim Abgeordneten Jens Kestner nur der Geburtsort und das Geburtsdatum im Lebenslauf.

Außerdem kann es passiert sein, dass ich mal einen ausgeschiedenen Abgeordneten noch mitgezählt oder mich schlicht verzählt habe. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Es geht nicht um reich vs. arm

Noch seltener als Nicht-Akademiker sind ehemalige Arbeiter. Genaue Daten habe ich aber nicht erhoben, zumal die Antwort von der Definition abhängt. Die meisten ehemaligen Arbeiter waren nämlich zunächst Gewerkschafter, ehe sie Politiker wurden, waren also direkt vor ihrem Amt nicht als Arbeiter tätig.

Aber es wird noch komplizierter. Hintergrund der Erhebung ist ja die immer wieder geäußerte Befürchtung, dass sich die Wohlhabenden und Gebildeten in einer Blase befinden. Ich habe ja bereits darüber geschrieben, dass die meisten Journalisten aus wohlhabenden Elternhäusern stammen.

Tatsächlich ist die Bildung ein sehr gutes Mittel, um lebensweltliche Milieus abzugrenzen. Mitunter sogar ein besseres als das Einkommen, denn ein freier Künstler mit Diplom einer Kunstakademie aber niedrigem Einkommen ist von seinem Habitus einem Arzt meist ähnlicher als ein gutverdienender Handwerker.

Deshalb habe ich auch keine Ausnahmen gemacht, auch wenn man gegen die simple Zweiteilung der Gesellschaft in Akademiker und Nicht-Akademiker ein paar Einwände vorbringen kann.

Problem 1: Die Aufsteiger

Aber was ist dann mit Abgeordneten, die in armen Verhältnissen aufgewachsen und dann erst aufgestiegen sind? Anders als in der oben zitierten Journalistenbefragung betrachte ich hier nur den Abschluss der Abgeordneten, nicht den der Eltern.

Oder jenen, die erste eine Lehre gemacht und dann auf dem zweiten Bildungsweg studiert haben? Während bei Bündnis90/Die Grünen die meisten Abgeordneten direkt nach dem Abitur ein Studium begonnen haben, gibt es gerade bei SPD, CDU und CSU eine Reihe von Männern und Frauen, die zuerst eine Lehre gemacht und oft einige Jahre gearbeitet haben, ehe sie studierten.

Nun, hier würde Sandel sagen, dass auch ihnen oft das Verständnis für die „Zurückgelassenen“ fehlt. Weil sie den Aufstieg aus armen Verhältnissen geschafft haben, sehen Sie nicht, dass die Option „Aufstieg durch Bildung“ nicht allen offensteht. Selbst wenn man alle praktischen Hindernisse für den Bildungsaufstieg beseitigen würde, werden einige erfolgreicher in der Schule sein als andere.

Eine Besonderheit ist übrigens der sächsische CDU-Abgeordnete Arnold Vaatz, er hat in einem Stahlwerk in der DDR gearbeitet, allerdings nicht freiwillig, sondern als Zwangsarbeiter wegen „Reservewehrdienstverweigerung“.

Problem 2: Die duale Ausbildung

Dann gibt es in Deutschland noch ein paar Besonderheiten. Im Bankgewerbe konnte man lange Zeit mit einer Ausbildung recht weit kommen. Wer eine Bankenlehre absolvierte, konnte damit durchaus Großkundenberater oder sogar Direktor einer mittelständischen Raiffeisenbank werden.

Arbeitslosengeld
Viele Behördenmitarbeiter haben ein Studium bei einer (Fach-) Hochschule für öffentliche Verwaltung absolviert, beispielsweise der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin und Mannheim. Die Studierenden dort erhalten schon ein Gehalt und haben Trimester statt Semester, die sie teilweise im Amt und teilweise in der Hochschule verbringen. Ein duales Studium also. Ich habe es ganz normal als Hochschulbesuch gewertet.

Überhaupt gibt es hierzulande die duale Berufsausbildung, der Graben zwischen Akademikern und Nichtakademikern ist deshalb nicht so tief wie in den USA. Ein Absolvent einer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung steigt laut TV-L (2020) mit einem Bruttogehalt von rund 2.800 Euro ein, da verdienen viele Menschen mit Berufsausbildung mehr.

Allerdings gilt es, irgendwo eine Trennlinie zu ziehen. Und der öffentliche Dienst bietet zwar niedrigere Gehälter bei höheren Qualifikationen als die Privatwirtschaft, dafür aber andere Vorteile wie Arbeitsplatzsicherheit und eine Betriebsrente.

Also mache ich hier keine Ausnahmen und erfasse Akademiker als Akademiker, ungeachtet der Frage nach ihrem Einkommen. Auch bei Fachschulen halte ich mich an die übliche Einteilung und erfasse sie nicht als Hochschulen.

Problem 3: Die Unternehmer

Das gilt auch für die Unternehmer. Der Bundestag beherbergt vor allem Juristen, daneben viele Geistes- und Wirtschaftswissenschaftler, aber eben auch ein paar Unternehmer. Oft sind es Handwerker, gerade in den Flächenländern auch einige Landwirte.

Natürlich sind einige davon wohlhabend, einen Hochschulabschluss haben sie aber oft nicht (auch wenn es zunehmend Bauern mit Hochschulabschluss gibt). Auch hier erfasse ich strikt die Ausbildung.

Problem 4: Die Abbrecher und die Studierenden

In den vorangegangenen Fällen war ziemlich klar, dass ich jeweils die Ausbildung erfasse, nicht das Einkommen. Schwieriger ist es bei den Studierenden und den Abbrechern. Einige Abgeordnete studieren noch, doch noch häufiger sind jene, die ihr Studium nie beendet haben. Beispielsweise, weil sie sich schon an der Uni vor allem mit Politik beschäftigt haben.

In den Arbeitsmarktstatistiken werden Studienabbrecher meistens mit dem Abitur oder Fachabitur als höchstem Abschluss erfasst, ebenso Studierende. Doch für unsere Fragestellung ist das wenig hilfreich. Ich erfasse daher diese Gruppe bei den Akademikern mit, den von ihrem ganzen sozialen Umfeld gehören sie dorthin.

Würde man diese Fälle umsortieren, würde sich allerdings wenig ändern. Die grundsätzliche Reihenfolge bleibt, es handelt sich insgesamt um nur rund zehn Fälle.

Ist die Frage nach Bundestagsabgeordneten ohne Studium relevant?

Wer im Internet nach „Bundestagsabgeordnete ohne Studium“ oder „Bundestagsabgeordnete Ausbildung“ sucht, findet erstaunlich weniger. Eine Seite raunt, es sei das bestgehütete Geheimnis der Politik, dass man selbst ohne Studium Abgeordneter werden könne.

Tatsächlich wird eine hohe Zahl von Abgeordneten mit (zumindest begonnener) Hochschulausbildung meist als Qualitätskriterium gesehen und nicht als Problem beim Ziel einer möglichst repräsentativen Vertretung.

Hätte man das Ziel möglichst großer Repräsentativität, wäre das beste Verfahren auch keine Wahl, sondern eine Zufallsauswahl, möglicherweise noch in Form einer geschichteten Zufallsstichprobe.

Sind Akademiker die besseren Volksvertreter?

Sandel nennt in seinem Buch eine Reihe von Politikern, die auch ohne akademischen Abschluss ihr Land gut regierten, während er John F. Kennedy vorwirft, trotz eines Teams von Absolventen der Eliteuniversitäten die USA in die Katastrophe des Vietnam-Krieges geführt zu haben.

Das allerdings hat das eher „anekdotisch Evidenz“. Allerdings gibt es einen anderen Einwand gegen die mangelnde Vertretung von Nicht-Akademikern. Politiker sollen keine Fachexperten sein, sondern eine Volksvertretung.

Die Arroganz der Akademiker

Das vorherrschende Thema in Sandels Buch sind die gewachsene soziale Ungleichheit und die Arroganz der Meritokratie. Erstere lässt sich gut messen, beispielsweise mit dem Gini-Koeffizienten oder mit anderen Kennzahlen. Eine eindrucksvolle Zahl aus den USA: Dort verdient ein männlicher Weißer ohne Hochschulabschluss heute in Kaufkraft gerechnet genauso viel wie sein Großvater 1964. Das hat natürlich einerseits mit dem Verluste von Privilegien gegenüber Schwarzen und Frauen zu tun (was gut ist), aber noch mehr mit der Verschiebung von Einkommen zu hochqualifizierten Topverdienern.

Weniger als die gewachsene Ungleichheit fällt aber die Verachtung für die Ungebildeten auf. Sandel beschreibt das am Beispiel des Fernsehens.

Die Väter aus der Arbeiterklasse in Fernseh-Sitcoms, etwa Archie Bunker in All in the Family oder Homer Simpson in Die Simpsons, sind meistens Hanswurste.

Sandel, Michael: Vom Ende des Gemeinwohls, Seite 321

Das ist in Deutschland nicht viel anders. Die Gebildeten gefallen sich in der Verachtung der bildungsfernen Schichten. Ziel des Spotts ist hierzulande gerne der „Spießbürger“, also die untere Mittelschicht. In Bayern haben beispielsweise Gerhard Polt und die Biermösl Blosn das gerne betrieben.

Feinbild Kleinbürger

Hinter der Kritik an Kleingeist und Engstirnigkeit verbirgt sich dabei oft auch Verachtung für den Lebensstil dieser Menschen. Denn Kleingeist und Engstirnigkeit gibt es auch in anderen Milieus. Auch Sanders kommt in seinem Buch zu dem Schluss, dass Akademiker nicht weniger mit Vorurteilen beladen sind, sie haben nur andere. Aber darüber wird seltener gesprochen und noch seltener gelacht. Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa die Romane David Loges, die sich teilweise über die Eitelkeiten von Professoren lustig machen oder Dietrich Schwanitz Roman Der Campus.

Aber am liebsten lacht man doch über die Kleinbürger. Nicht nur über deren Engstirnigkeit, sondern auch über Dinge, die nun wirklich unwichtig wären, wie Musikgeschmack oder Kleidung. Die Biermösl Blosn haben den „klatschenden Zombies“ 1991 mit Jodelhorrormonstershow eine ganze CD gewidmet.

Warum wurden die Nicht-Akademiker weniger?

Für Sanders ist der sinkende Anteil von Nicht-Akademikern ein Zeichen für die zunehmende Verbreitung meritokratischer Ideen. Das aber ist etwas voreilig. Hier würde man sich von Sandel etwas mehr Statistik-Kenntnis wünschen.

Schließlich stieg auch der Anteil der Akademiker in den vergangenen Jahrzehnten. Zwar ging die Zahl der Nicht-Akademiker in der Bevölkerung nicht so stark zurück wie bei den Parlamentariern, das aber muss nichts heißen. Schließlich ist es denkbar, dass eben vor allem jene Personen heute häufiger studieren, die eloquent und ehrgeizig sind. Also jene, die es auch eher in die Politik zieht.

Statistiker wissen, dass kleine Änderungen in einer Gruppe (oder kleine Unterschiede zwischen zwei Gruppen) große Änderungen (oder Unterschiede) bei den Extremwerten zur Folge haben können. Und ein bisschen extrem muss man in manchen Bereichen schon sein, um in den Bundestag zu kommen (beispielsweise bei der Bereitschaft seine Abende auf Parteiveranstaltungen statt gemütlich bei der Familie zu verbringen).

Fazit

Politiker, die nie eine Hochschule besucht haben, sind in Deutschland fast schon Exoten, aber kommen immer noch häufiger vor als in vielen anderen Staaten. Allerdings findet man sie unter den jungen Parlamentarierinnen und Parlamentariern kaum noch.

Was zuerst nach einer höheren Kompetenz klingt, bedeutet aber auch, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe immer weniger im Parlament repräsentiert wird. Dahinter steht auch die Frage, was unser Bundestag sein soll. Das Ergebnis eines Ausleseprozesses, bei dem am Ende die besten und ehrgeizigsten gewinnen oder eine möglichst repräsentative Abbildung der Bevölkerung. Ich persönlich finde zumindest etwas Repräsentativität nicht schlecht und würde mir daher auch in Zukunft den ein oder anderen ehemaligen Arbeiter, Amazon-Lagerarbeiter oder auch Langzeitarbeitslosen im Parlament wünschen.

Footnotes

  1. Auch für die zu den USA genannten Zahlen: Sandel, Michael: Vom Ende des Gemeinwohls: Wie die Leistungsgesellschaft unsere Demokratie zerreißt, Frankfurt 2020, Seiten 156 f.
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1 Comment on “Bundestagsabgeordnete ohne Studium: Fast schon Exoten

  1. Der langjährige Minister Georg Leber wurde schon in meiner Jugendzeit als Relikt behandelt: Volksschule und Mauerlehre. (Ich glaube mich allerdings zu erinnern, dass er das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht hat, finde darüber aber gerade nichts.)

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