Vorsicht am See

Es ist heiß in Deutschland. Da ruft das Schwimmbad oder der Badesee, doch Vorsicht, dort lauert der Tod. Das ist natürlich übertrieben, 2014 gab es nach den Daten der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bundesweit 392 Todesfälle durch Ertrinken, dass sind gerade mal rund fünf auf eine Million Einwohner. Und nach einer von Statista aus Daten der DLRG erstellen Zeitreihe ist deren Zahl außerdem seit Jahren rückläufig. Zehn Jahre vorher waren es noch 775 Personen. Allerdings war 1994 auch ein relativ hoher Stand, bis zur Jahrtausendwende sank die Zahl der Ertrunkenen dann deutlich. Auch seit 2006 geht es tendenziell wieder nach unten.

Seit 1993 sinkt die Zahl der Ertrinkungstoten fast von Jahr zu Jahr.
Vor allem in den 1990er Jahren sank die Zahl der Ertrinkungstoten deutlich.

Aber weil das Thema so gut zum Wetter passt, will ich heute mal vom Ertrinken in Deutschland schreiben. Besonders gerne wird nämlich im Sommer ertrunken, 197 Menschen ertranken in den Monaten Juni, Juli und August. Im Winter lag die Zahl der Ertrunkenen deutlich niedriger. Das ist nicht so selbstverständlich wie man vermuten könnte, schließlich ist das Einbrechen ins Eis ziemlich gefährlich. Aber wegen der warmen Winter frieren die Seen ja kaum noch zu.

Und Seen sind besonders gefährlich. Das ist zunächst wenig erstaunlich. Meer gibt es in Deutschland nicht so viel, Bäche sind meistens flach und im Schwimmbad gibt es die Badeaufsicht. Trotzdem sind aber im Jahr 2014 immerhin 14 Menschen im Schwimmbad ertrunken. Das sind deutlich mehr als in Pools, was mich überrascht hat. Zwar haben nicht sehr viele Leute einen eigenen Pool und der ist oft flach, doch bei einer Bewusstlosigkeit kann auch ein flacher Pool tödlich sein. Und besonders oft ertrinken alte Menschen.

Statistik: Anzahl der Todesfälle durch Ertrinken in Deutschland im Jahr 2014 nach dem Ort des Ertrinkens | Statista
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Das gilt sowohl absolut als auch relativ. Unterteilt man die Bevölkerung in Gruppen, die mit Ausnahme der Jüngsten (0 bis unter 6) und der Ältesten (81 und älter) jeweils fünf Geburtsjahre umfassen, dann gibt es nach der bevölkerungsstarken Altersgruppe der 46 bis unter 51-Jährigen mit 33 Todesfällen vor allem bei den 76 bis unter 81-Jährigen besonders viele Tote, nämlich 30. Wenn ich die Formulierung „unter 81-Jährige“ verwende, dann deshalb, weil das sehr präzise ist. Natürlich kann man auch von den 76 bis 80-Jährigen sprechen, allerdings ist dann nicht eindeutig klar, dass auch die mitzählen, die schon 80 Jahre, elf Monate und 30 Tage alt sind. Aber dafür hört es sich besser an, deshalb verwende ich ab jetzt die ungenauere Formulierung.

Das widerspricht natürlich zunächst mal der Erwartung, dass nämlich vor allem junge Menschen ertrinken. Kinder, weil sie nicht schwimmen können und Jugendliche, weil bei ihnen die Hormone verrücktspielen. Nun gibt es natürlich auch einfach wenig junge Menschen, deshalb habe ich die Daten der DLRG in Relation zur Bevölkerungszahl gesetzt.

Dann fällt auf, dass Kinder besonders selten ertrinken, womöglich weil sie oft noch unter Aufsicht ihrer Eltern stehen, die zur Not eingreifen oder von vorneherein riskante Aktionen verbieten. Ab 16 nimmt die Zahl der Ertrunkenen deutlich zu, von 1,0 je einer Million Menschen auf 4,7 und schließlich auf 5,1 bei den 21 bis 25-Jährigen. Dann sinkt die Zahl der Todesfälle, das passt zur Erkenntnis der Biologie, dass erst ab 25 ein gewisser Reifegrad erreicht ist.

Erstaunlich ist der zweite Sprung in der Grafik, nämlich ab 46 hat der Rückgang des Anteils der Ertrunkenen ein jähes Ende, es geht deutlich rauf, von 2,4 auf 4,7 Ertrunkene je einer Million Menschen. Das ist der gleiche Anteil wie bei den 15 bis unter 21-Jährigen, der Anstieg ist zwar etwas geringer, aber ebenfalls sehr groß. Dann tut sich in den nächsten Jahrzehnten wenig, der Anteil steigt bis auf 5,7 je einer Million Menschen bei den 71 bis 75-Jährigen.

Alte Menschen ertrinken häufiger. Auffällig ist die deutliche Zunahme der (relativen) Zahl der Ertrunkenen ab 16, 46 und 76. Wobei bei den letzten beiden Grenzen auch der Zufall mit eine Rolle spielen kann.
Alte Menschen ertrinken häufiger. Auffällig ist die deutliche Zunahme der (relativen) Zahl der Ertrunkenen ab 16, 46 und 76. Wobei bei den letzten beiden Grenzen auch der Zufall mit eine Rolle spielen kann.

Warum dieser Sprung? Schlägt ab dem Zeitpunkt das Alter zu? Ist das das Alter, bei dem die Leistungsfähigkeit nachlässt, aber die Risikolust noch nicht, man vielleicht sogar besonders risikofreudig ist um zu zeigen, dass man doch noch jung ist? Oder ist es eine Generationenfrage, die letzte Generation der Rock ‘n Roller? Um das zu beantworten, müsste man noch mal einen Blick auf die Daten von 2009 werfen. Gab es da diesen Sprung auch? Oder vielleicht einen zwischen den unter und den über 40-Jährigen? Nicht vergessen sollte man aber, dass bei so geringen Fallzahlen auch der Zufall eine Rolle spielen kann.

Wenig zufällig dürfte sein, dass insgesamt alte Menschen öfter ertrinken. Offenbar sind die körperlichen Gebrechen des Alters gefährlicher als der Leichtsinn der Jugend. Ich werde es berücksichtigen, immerhin nähere ich mich auch der magischen Grenze von 40 Jahren.

Vorsicht, Buch!

Den Statistiker-Blog gibt es jetzt auch als Buch. Unter dem Titel „Vorsicht, Statistik“ ist bei bloggingbooks im AV Akademikerverlag eine Zusammenfassung von Beiträgen aus dem Blog erschienen.

Buchcover Vorsicht, Statistik
So sieht es aus, mein Buch.

Neue Artikel gibt es in dem Buch zwar keine, der Kauf (15,90 Euro) lohnt sich aber trotzdem:

  • Ich habe alle Beiträge nochmal überarbeitet, Rechtschreibfehler korrigiert und gegebenfalls noch ein bisschen am Feinschliff gearbeitet.
  • Das Buch bietet die im meinen Augen interessantesten Artikel, ist also eine Art Best of.
  • Manches liest sich als Buch einfach schöner als auf dem Bildschirm.
  • Bücher lassen sich besser verschenken als ein Link zu einem Blog.

Neben neueren Artikeln wie dem zu der BILD-Schlagzeile, nach der jeder zweite Rentner weniger als Hartz  IV bekommt sind auch viele ältere dabei, beispielsweise zur UFO-Statistik, zu Spam oder zu seltenen Kfz-Kennzeichen.

Kaufen lohnt sich also, am besten bei mir. Ich bekomme die Bücher nämlich etwas billiger und freue mich natürlich, wenn ich mit meinem Blog auch mal einen Euro verdienen kann. Der Preis ist der gleiche (15,80 Euro), Versandgebühren gibt es keine und eine Widmung gibt es auf Wunsch kostenlos dazu. Einfach eine Mail an vorsichtstatistik@web.de schicken. Am besten gleich Lieferadresse und natürlich Zahl der gewünschten Exemplare eintragen.

Zwillinge und mehr

Weil Beiträge zur Demographie offenbar auf ein großes Interesse stoßen, hier noch mal eine Zahl aus diesem Bereich. Je 1.000 gebärende Frauen gab es 2011 rund 17,2 Zwillingsgeburten. Das sind deutlich mehr als noch 1950, wo es nur 11,6 waren. Schuld daran sollen die Pille, die künstliche Befruchtung und das steigende Alter der Gebärenden sein. Ein Plus gibt es übrigens fast nur bei zweieigen Zwillingen, aus den genannten Gründen.

Zahl der Zwillings- und Drillingsgeburten seit 1950
Zahl der Zwillings- (blau, linke Skala) und Drillingsgeburten (rot, rechte Skala) je 1.000 Mütter auf eine Nachkommastelle gerundet. Quelle: Statistisches Bundesamt.

Allerdings fällt auf, dass die relative Häufigkeit von Zwillingsgeburten bis in die 1980er Jahre sogar sank, obwohl die Anti-Baby-Pille längst erfunden war und auch damals das Geburtsalter schon stieg.

Die Zahl der Drillingsgeburten stieg sogar von 0,1 auf 0,4, allerdings machen sich bei diesen kleinen Zahlen die Rundungsdifferenzen sehr bemerkbar. Aber selbst ein Anstieg von 0,14 auf 0,35 wäre noch immer bemerkenswert.

Die Zahl der Drillingsgeburten stieg sogar von 0,1 auf 0,4, allerdings machen sich bei diesen kleinen Zahlen die Rundungsdifferenzen sehr bemerkbar. Aber selbst ein Anstieg von 0,14 auf 0,35 wäre noch immer bemerkenswert. Dass es Ende der 1990er Jahre sogar 0,6 Zwillingsgeburten je 1.000 Mütter gab, kann allerdings Zufall sein, der sich bei diesen seltenen Ereignissen besonders bemerkbar macht.

Es gibt aber noch eine andere, sehr überzeugende Erklärung. Ärzte setzen nämlich mittlerweile bei künstlichen Befruchtungen weniger befruchtete Eizellen ein als noch vor der Jahrtausendwende – und tatsächlich sind ein hoher Anteil der Drillinge bei Müttern zu finden, die nach einer künstlichen Befruchtung schwanger wurden.