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17Dec/122

E-Reader auf dem Rückzug?

Sprache kann verräterisch sein. Ein Buch war früher eine Ansammlung einzelner Seiten mit Umschlag. Auch wenn die Seiten leer waren, sprach man noch von einem Buch. Dafür war ein in der Zeitung abgedruckter Roman kein Buch.

Wenn wir heute von einem E-Book, also einem elektronischen Buch sprechen, meinen wir aber kein Lesegerät, sondern den Inhalt. Was sagt ihr dazu, liebe Kulturpessimisten?

Die große Zeit der Lesegeräte sei sowieso vorbei, behauptet der Marktforscher IDC. Im Jahr 2012 werde der weltweite Absatz deutlich niedriger liegen als 2011 und 2013 weiter zurückgehen. Schuld seien die Tablet PCs.

Absatz von Lesegeräten für elektronische Bücher sinkt ab 2012

Absatz von Lesegeräten für E-Books. 2012: Hochrechnung, 2013: Schätzung. Quelle: IDC

Nun wären die Lesegeräte für die elektronischen Bücher nicht die erste ambitionierte Technik, die nur ein kurzes Leben hat. Erinnert sich noch jemand an Laserdiscs? Jene mitunter schallplattengroßen Scheiben sollten mal der Nachfolger der VHS-Videokassette werden, ehe sie von den kleineren DVDs verdrängt wurden.

Das soll angeblich auch dem E-Reader passieren. Also doch kein Lesegerät für Bücher als Weihnachtsgeschenk? Zumindest für Deutschland kommt die GfK auf andere Zahlen. Sie erwartet für 2012 in Deutschland mit rund 800.000 abgesetzten Lesegeräten mehr als eine Verdreifachung zu 2011 und rechnet für 2013 mit einem weiteren Anstieg.

Warum dieser Unterschied? Nun sind solche Erhebungen ohnehin mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht geht Deutschland aber tatsächlich einen Sonderweg. So setzen sich technische Innovationen in den USA oft schneller durch, gerade im Bereich Kultur. Hinzu kommt, dass Tablet PCs die Lesegeräte noch nicht voll ersetzen können. Denn das elektronische Papier der meisten E-Reader erlaubt ein angenehmeres Lesen. Der Versuch, ein Tablet herzustellen, das Bildschirm und Papier kann, war nur mäßig erfolgreich. Der Adam des indischen Herstellers Notion Ink bekam nur mäßige Noten.

Wer will, darf also durchaus noch einen E-Reader zu Weihnachten verschenken. Zumindest in Deutschland.

10Dec/120

Tückische Geschenke unterm Christbaum?

Vor allem in Karrikaturen sehen Bomben gerne aus wie Schleuderbälle. Sie sind rund, nur dass statt einer Schlaufe eine Zündschnur dran hängt. Auf den Bomben steht dann wahlweise "Kinderarmut", "Klimawandel" oder "Renten- und Pensionslasten". Unvergessen auch auch die Karrikatur von Theo Weigel (Finanzminister unter Helmut Kohl), der dort schwadronierte "Der Boom kommt". Und dann machte es Bumm - in Form eines riesigen Sackes mit der Aufschrift Staatsverschuldung.

Vor allem Abos und Veranstaltungstickets kaufen die Deutschen online. Quelle: Statista, GfK

Ich war allerdings ziemlich überrascht, dieses Symbol auch auf einer Grafik des Statistik-Portals Statista zum Thema Weihnachtsgeschenke zu finden. Was will man uns damit sagen? Dass so manches Weihnachtsgeschenk seine Sprengkraft erst später zeigt? Beispielsweise das Polizeiauto mit eingebauter Sirne für den Sohn oder das Buch "So setzen Sie sich durch" für den Partner oder die Partnerin.

Mittlerweile habe ich aber herausgefunden: Alles ganz harmlos. Die Bomben sollen Christbaumkugeln darstellen.

20Sep/120

Immer größer statt immer grüner

Statistiker ärgern sich gerne gegenseitig. Am liebsten tun sie das dadurch, dass sie neue Kategorien einführen. Am liebsten solche, die sich mit den alten Kategorien gar nicht vergleichen lassen. Auch ich hatte jüngst gedacht, ich könnte doch mal was über Autos schreiben, denn dafür interessiert man sich hierzulande (und nicht nur hier) bekanntlich immer. Zunächst einmal Danke an den Würzburger Vogel-Verlag, der für seine Zeitschrift „Der KFZ-Betrieb“ viele Daten aus der Zulassungsstatistik des Kraftfahrzeugbundesamtes ins Netz gestellt hat.

Leider hat man in Flensburg seit 2005 seine Kategorien deutlich geändert. Einige kleine Änderungen lassen sich leicht ausbügeln. Statt Vans gibt es heute Mini-Vans und Maxi-Vans, die sich aber addieren lassen. Allerdings sind die Cabrios verschwunden, dafür gibt es jetzt Sportwagen. Weil die rund 8.800 Cabrios sich auf fast alle Klassen verteilen, lässt sich hier wenig addieren. Auch die rund 2.900 Sportwagen kommen aus fast allen Kategorien, vor allem aber aus der oberen Mittelklasse und der Oberklasse. Dieser habe ich Sportwagen daher zugeschlagen, wohl wissend, dass dadurch die Vergleichbarkeit etwas eingeschränkt ist. Der größte Teil der Sportwagen entfällt aber auf Audi TT, Mercedes SLK und E-Klasse und Porsche 911, die in ihrer geschlossenen Form in der oberen Mittelklasse und Oberklasse eingeordnet sind.

Zahl der neu zugelassenen Autos nach Typ. Besonders in der Katagorie Obere Mittelklasse/Oberklasse eingeschränkte Vergleichbarkeit. Blau: August 2005; Grau: August 2012. Quelle: KBA nach Vogel Verlag

Auffällig ist zunächst: die Zahl der Neuzulassungen lag im August 2012 rund 8,9 Prozent niedriger als im gleichen Monat 2005. Vor allem aber kaufen die Deutschen – steigenden Benzinpreisen zum Trotz – immer größere Autos. Um 60,0 Prozent stieg der Absatz der Geländewagen, zu denen auch die sogenannten SUVs gehören. Daneben haben die sogenannten Utilities zugelegt, nämlich um 23,5 Prozent. Also Fahrzeuge wie der VW Caddy und der Mercedes Sprinter. Und das, obwohl die Wohnmobile im Jahr 2012 eine eigene Kategorie haben und keine Utilities mehr sind.

Verloren hat dagegen vor allem die Mittelklasse (ohne obere Mittelklasse). Hier wurden 24,8 Prozent weniger Fahrzeuge zulassen. Obwohl groß, wurden auch deutlich weniger Vans zugelassen (-16,9 Prozent). Womöglich, weil es immer weniger Familien gibt und diese immer umweltbewusster leben, während die konsumfreudige Generation 50+ von der Großraumlimousine auf den Geländewagen umsteigt. Der Wegfall der Kategorie Cabrios und die neue Kategorie Sportwagen dürften dagegen kaum eine Rolle gespielt haben. Cabrio-Vans sieht man selten und mit einem Sportwagen dürfte ein Renault Espace oder ein Opel Zafira auch selten verwechselt werden.