Arbeitslosigkeit in 2012

Die Arbeitsmarktdaten für Dezember 2012 wurden bereits Ende Dezember von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht und von der Presse berichtet. Eigentlich kein Thema für den Statistiker-Blog. Allerdings haben mich doch ein paar Details interessiert, so dass ich mir die Statistik selbst angesehen und nach meinen Vorstellungen umgebastelt habe.

Rund 2,8 Millionen Arbeitslose nach den Kriterien des SGB III gab es im Dezember. Das sind etwa 2,1 Prozent mehr als Ende des vergangenen Jahres. Aber bekanntlich sind die Regelungen des SGB III zur Arbeitslosigkeit nicht von Statistikern gemacht worden, sondern von Politikern. Und die haben großzügig definiert, wer nicht als arbeitslos gezählt werden darf. Die Bundesagentur für Arbeit wiederum rechnet einen Großteil davon wieder rein, die sogenannte Unterbeschäftigung. Nicht zu vergessen mit der vom Statistischen Bundesamt erhobenen Unterbeschäftigung übrigens, dort sind damit Erwerbstätige gemeint, die mehr arbeiten wollen.

Wohl aus Angst vor dem Vorwurf, auch die erweiterte Arbeitslosenstatistik verberge zu viele Menschen, geht man in Nürnberg sogar etwas weiter als ich. Die Unterbeschäftigung umfasst unter anderem auch Kurzarbeiter, geförderte Existenzgründer und Ältere in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. Doch insbesondere Altersteilzeitler fühlen sich meist nicht als Arbeitslose, sondern eher als Rentner. Man müsste dann auch andere Form der Frühverrentung mitrechnen. Immerhin liegt das tatsächliche Renteneintrittsalter bei Frauen aktuell bei nicht einmal 61 Jahren.

Anzahl der Arbeitslosen und der darüber hinaus im weiteren Sinne arbeitslosen Menschen Ende 2011 (grau) und Ende 2012 (blau). Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Ich habe mich  deshalb auf die Formen Weiterbildung, 2. Arbeitsmarkt, kurzzeitig Kranke und vorruhestandsähnliche Regelungen beschränkt. Wobei die vom jetzigen Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz verursachte Gesetzeslage, nach der Ältere bei mehr als einem Jahr dauernder Arbeitslosigkeit nicht als arbeitslos gelten, eigentlich eher als Frechheit bezeichnet werden müsste denn als vorruhestandsähnliche Regelung. Denn anders als bei der Vorgängerregelung ist die Teilnahme nicht freiwillig und die Betroffenen müssen weiterhin der Vermittlung zur Verfügung stehen.

Insgesamt ist die Zahl der nur im weiteren Sinne arbeitslosen Menschen leicht zurückgegangen, nämlich um 4,3 Prozent. Nicht genug aber, um den Anstieg bei den Arbeitslosen auszugleichen. Insgesamt sind 0,6 Prozent mehr Menschen in diesem erweiterten Sinne arbeitslos als Ende 2011.

Ein Blick ins Detail zeigt, dass der Großteil der nur im weiteren Sinne arbeitslosen Personen sich in Weiterbildungsmaßnahmen befindet. Die haben auch als einzige in dieser Gruppe zugenommen. Das liegt allerdings weniger an den klassischen Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, sondern an Fremdmaßnahmen (beispielsweise Deutschkursen des Bundesamtes für Migration) oder den Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, ein Samelsurium an Maßnahmen, die streng genommen gar nicht alle Weiterbildungsmaßnahmen sind.

Ausschließlich im weiteren Sinne arbeitslose Menschen nach Kategorien Ende 2011 (grau) und Ende 2012 (blau). Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Dagegen ist vor allem die Zahl der Personen im 2. Arbeitsmarkt zurückgegangen. Dazu zähle ich neben ABM, Bürgerarbeit und Arbeitsgelegenheiten („1-Euro-Jobs“) auch Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft, die sehr hoch bezuschusst werden. Der Rückgang liegt aber vor allem am Minus von 22,0 Prozent bei den Arbeitsgelegenheiten.

Noch stärker ist übrigens die geförderte Selbständigkeit zurückgegangen, die ich ja wie gesagt nicht mitzähle. Das liegt einerseits an der Arbeitsministerin, die die Mittel dieser eigentlich erfolgreichen Maßnahmen stark gekürzt hat. Wofür aber von der Leyen nichts kann: der deutliche Rückgangseit 2006 hat auch andere Gründe. Viele Selbständige suchen eigentlich feste Jobs, je mehr Stellen es gibt, desto weniger Existenzgründer.

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  2. […] zuletzt aus Solidarität. Früher waren diese Daten so erwartet worden wie heute die zum BIP, zur Arbeitslosigkeit oder Armut, aber […]

  3. […] Hannah-Ländern. Die Bremer sind es ja schon gewohnt, eher in Richtung Osten zu tendieren. Bei den Arbeitslosen- und Sozialhilfezahlen ist ja zumindest Bremerhaven längst in ostdeutschen Tiefen […]

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