Erläuterung: Erweiterte Arbeitslosigkeit

Die Bundesagentur für Arbeit führt eine Statistik darüber, wie viele Menschen aufgrund der verschiedenen Sonderregelungen nicht als arbeitslos gezählt werden. Diese wird unter anderem in dem Standardzahlenwerk Aktuelle Daten – Arbeitsmarkt in Deutschland veröffentlicht.  Im Juni 2010 gab es in Deutschland 3.153.300 Arbeitslose nach den Kriterien des SGB III. Hinzu kommen 301.786 Menschen, die alleine den in den vergangenen sieben Jahren eingeführten Sonderregelungen zum Opfer fielen und deswegen nicht mehr als arbeitslos gezählt werden. Beispielsweise Arbeitslose, die von privaten Vermittlern im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit betreut werden (also nicht, wer mit einem Vermittlungsgutschein zu einem privaten Vermittler geht). Die Zahl dieser Personengruppe stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um stolze 72,9 Prozent.  Weitere 599.768 Personen gelten als „nah am Arbeitslosenstatuts nach §16 Absatz 1“. Darunter zählen vor allem Teilnehmer an Arbeitsgelegenheiten („Ein-Euro-Jobs“), an Weiterbildungsmaßnahmen und in sogenannten vorruhestandsähnlichen Maßnahmen. Zählt man die nach den Kriterien des SGB III erfassten Arbeitslosen und diese beiden Blöcke zusammen, erhält man die „Unterbeschäftigung im engeren Sinne“. Diese Definition kommt dem am nächsten, was man landläufig mit dem Begriff „Arbeitslosigkeit“ verbindet. Dazu gehören 4.054.854 Menschen.

Noch mal 252.784 Menschen sind in Altersteilzeit oder sind Selbständige, die von den Agenturen für Arbeit gefördert werden. Berücksichtigt werden auch die Kurzarbeiter, wobei man hier den Arbeitsausfall der Kurzarbeiter in volle Stellen umrechnet (Vollzeitäquivalent).

Nicht enthalten ist logischerweise die Stille Reserve. Das sind Menschen, die entweder bei den Agenturen für Arbeit nicht gemeldet sind oder aber dort angeben, keine Arbeit zu suchen (das dürfen Arbeitslosengeld II – Empfänger beispielsweise, wenn sie Kinder unter drei Jahren betreuen), eigentlich aber auf Jobsuche sind.

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