Gute Nachricht, schlechte Nachricht

2009 gab es erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Unternehmensgründungen. 413.000 Firmen gingen neu an den Start, rund 3 Prozent mehr als im Jahr 2008. Existenzgründer sind wichtig für die Volkswirtschaft, denn sie schaffen nicht nur neue Arbeitsplätze, sie machen die Wirtschaft auch dymanischer und sind oft Motoren für neue Ideen und Konzepte. Eine gute Nachricht also, oder?

Leider nicht ganz. Die Deutschen mögen die Selbständigkeit nicht. Laut einer Studie im Auftrag des Direktvermarkters Amway kann sich die Hälfte der Deutschen „ganz sicher nicht“ vorstellen, sich selbständig zu machen, weitere 25 Prozent „eher nicht“. Nur drei Prozent antworteten, sie könnten es sich „ganz sicher“ vorstellen. Wer sich dann doch selbständig macht, tut das oft aus der Not heraus.

Die rückläufige Zahl der Existenzgründungen in den vergangenen fünf Jahren hatte vor allem zwei Gründe. Einer war die Abschaffung der Ich-AG. Der Gründungszuschuss, den Arbeitslose heute beantragen können, kam in seiner Beliebtheit nie an die Vorgängermodelle Übergangsgeld und Existenzgründerzuschuss („Ich-AG“) heran. Der zweite war die verbesserte Situation auf dem Arbeitsmarkt. Umgekehrt heißt das auch, dass die steigende Zahl von Gründern in 2009 zumindest teilweise auf die schlechtere Arbeitsmarktlage zurückzuführen ist. Nachvollziehen kann man das auch an den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Statt 142.000 Eintritte wie 2008 wurden 2009 rund 161.000 Eintritte in Maßnahmen zur Förderung der Selbständigkeit gezählt. Für 2010 dürfte der Anstieg sogar weiter gehen. Zwar hat sich die Arbeitsmarktlage wieder etwas entspannt, doch droht in vielen Fällen das Auslaufen des Arbeitslosengeldes. Von Januar bis August 2010 hatten die Agenturen für Arbeit daher rund 120.000 neue Förderungen gewährt, im von Januar bis August 2009 waren es nur rund 106.000 gewesen.

Das spiegelt sich auch in der Tatsache, dass die Industrie- und Handelskammern nur wenige Gründer im Hochtechnologiebereich zählten. 59.500 Gründungswillige liesten sich dort beraten, nur 3.300 planten ein Unternehmen im Hochtechnologiebereich.

Allerdings zeigt eine vor kurzem veröffentlichte Studie des IAB, dass fünf Jahre nach der Gründung noch nahezu 50-60 % der ehemaligen Ich-AG-Gründer und zwischen 53-67 % der mit Überbrückungsgeld Geförderten in Voll- oder Teilzeit selbständig tätig sind. Weil diese teilweise selbst Personal einstellen, entfallen auf 100.000 Förderungen knapp 80.000 zusätzliche Vollzeitarbeitsplätze. Hinzu kommt, dass keineswegs jeder Abbruch ein Scheitern bedeutet. Manche Gründer gaben auch auf, weil sie in der Zwischenzeit eine abhängige Beschäftigung gefunden hatten. Die schlechte Nachricht in der guten Nachricht ist also nicht ganz so schlecht.

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