Wer sind eigentlich die neuen Netzaktivisten?

Spätestens seit den Protesten in Arabien ist viel von Politik via Internet die Rede. Aber wer sind die Menschen, die dahinter stehen? Wer beteiligt sich im Netz regelmäßig und aktiv an politischen Prozessen?

Das indische IT-Unternehmen Infosys ist dieser Frage in seiner Studie Social Media, IT & Society nachgegangen.

Sozialstruktur der "Political Net Activists" Quelle: Infosys

Rund zehn Prozent der Bevölkerung werden darin als Political Net Activists bezeichnet. Unter den unter 30-Jährigen liegt ihr Anteil jedoch mit 21 Prozent deutlich höher. Bei den über 60-Jährigen sind nur zwei Prozent politisch im Internet aktiv. Der politische Aktivist im Netz ist außerdem meist männlich und gut gebildet. Somit unterscheidet er sich nur bedingt von den politisch aktiven Menschen außerhalb des Internets.

Spannend für alle Parteistrategen ist nun die Frage: Wen würden diese Aktiven eigentlich wählen? Das Ergebnis ist auf den ersten Blick wenig überraschend. Vor allem die Unionsparteien aber auch die SPD schneiden hier deutlich unterdurchschnittlich ab, Grüne und Linke dagegen überdurchschnittlich. Wer schon mal einen Wikipedia-Artikel gelesen hat und dabei 20 Zitate von Marx und Engels zu einem Mittelalterthema findet, den wundert das Ergebnis nicht.

Wahlpräferenzen. Blau: CDU/CSU; Rot: SPD; Grün: Grüne; Rotbraun: Linke; Geld: FDP; Schwarz: keine Angaben

Zu bedenken ist dabei aber, dass im Netz vor allem gut ausgebildete und gut verdienende junge Männer unter 30 unterwegs sind. Damit lässt sich ein großer Erfolg der Grünen schon erklären. Betrachtet man nur die unter 30-Jährigen, sieht das Ergebnis anders aus. Weiterhin schneiden CDU und CSU unterdurchschnittlich ab. Die Grünen dagegen liegen dann nur noch im Durchschnitt, die Linkspartei steht sogar schlechter da. Dafür schneidet die SPD bei den im Netz politisch aktiven unter 30-Jährigen besser ab als im Durchschnitt der Altersgruppe. Außerdem machen überdurchschnittlich viele Aktive keine Angaben zur Parteienpräferenz. Möglicherweise auch deshalb, weil sie andere Parteien bevorzugen.

Parteienpräferenzen von unter 30-Jährigen. Farben wie in Grafik 2.

Noch etwas anderes fällt auf. Die Stärke der Linkspartei bei den Netzaktivisten lässt sich nicht mit der Altersstruktur erklären, denn sie wird bei den Jüngeren nicht häufiger gewählt als über alle Generationen hinweg. Auch die Grünen sind bei den Netzaktivisten insgesamt stärker als bei denen unter 30. Möglicherweise unterscheidet sich also die Parteienpräferenz der über 30-Jährigen Political Net Activists deutlicher vom Durchschnitt als bei den unter 30-Jährigen.

Keine Auskunft gibt die Studie zudem über die Frage, wie aktiv die Aktivisten wirklich sind. Würde man nur das aktivste eine Prozent befragen, bekäme man womöglich ein anderes Bild.

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