Verlängert die Ehe das Leben?

Verheiratete leben länger, aber ist das vor allem ein Effekt des Zusammenlebens? Nein, der mag zwar eine Rolle spielen, aber ist nicht der wichtigste Punkt.

Verheirate Männer leben länger – oder auch nicht

Verheirate Männer leben länger – wenn man ihre Lebenserwartung mit der von Unverheirateten vergleicht.

Verheiratete Männer leben kürzer – wenn man ihre Lebenserwartung mit der von Nonnen vergleicht.

Bei Frauen ist der Effekt weniger eindeutig, sie profitieren weniger von der Ehe, in einigen Erhebungen leben sie sogar kürzer. Auch Nonnen leben nicht länger als die Durchschnittsfrau, anders als bei Männern bringt der Weg ins Kloster keine zusätzlichen Lebensjahre.

Wie kann das sein? Dazu müssen wir zunächst fragen, warum alleinstehende Männer früher sterben. Denn sie, das kann man so eindeutig sagen, sind die eindeutigen Verlierer.

Warum sterben alleinstehende Männer so früh?

In den Medien sind allerlei Theorien im Umlauf, warum verheiratete Männer länger leben. Oft wird behauptet, es liege am aufopferungsvollen Tun ihrer Ehefrauen, die deshalb teilweise sogar früher sterben. Aber warum leben dann Mönchen noch länger? Weil die Behauptung Unsinn ist.

Der wichtigste Grund für die höhere Lebenserwartung der Männer ist der Selektionseffekt. Arme und Kranke bleiben meist unverheiratet. Und wie wir bereits gesehen haben, sterben Menschen mit niedrigem Einkommen früher. Nicht nur, weil Armut krank macht, sondern auch weil Krankheit arm macht, aber das steht ja alles in den anderen Beitrag.

So oder so heiraten Menschen mit niedriger Lebenserwartung meist gar nicht. Das gilt vor allem für Männer. Nach wie vor sind Einkommen und sozioökonomischer Status wichtige (mehrere Studien sagen sogar die wichtigsten) Auswahlkriterien für Frauen bei der Partnerwahl.

Kurz gesagt: Verheiratete Männer sind nicht gesünder, weil sie verheiratet sind, sie sind verheiratet, weil sie gesünder sind.

Bei Frauen ist der Selektionseffekt komplexer

Für Frauen gibt es den Selektionseffekt ebenfalls. Sehr kranke Frauen werden seltener heiraten als gesunde. Allerdings bleiben auch sehr erfolgreiche Frauen oft unverheiratet. Sie suchen oft Partner, die noch erfolgreicher sind als sie selbst und irgendwann wird die Luft dünn.

Es gibt bei Frauen also zwei gegenläufige Selektionseffekte, die sich teilweise aufheben.

Gibt es den Selektionseffekt auch bei Mönchen?

Dieser Selektionseffekt besteht auch bei Mönchen. Wer ins Kloster geht, ist meist kein Draufgänger und bringt eine gewisse Offenheit für geregelte Tagesabläufe und Mäßigung mit. Allerdings erklärt das nicht, warum es dann keinen Effekt des Klosterlebens bei Frauen gibt.

Gibt es doch einen Protektionseffekt?

In der Theorie um die längere Lebenserwartung von Verheirateten gibt es auch einen Protektionseffekt. Der geht davon aus, dass Verheiratete länger leben, weil sie sich gegenseitig helfen.

Vieles spricht dafür, dass dieser Effekt ebenfalls besteht. Ist er bei Frauen niedriger, wie oft behauptet? Wir wissen es nicht, wie erwähnt ist der Selektionseffekt bei Frauen unter Umständen negativ und kann einen positiven Protektionseffekt aufheben.

Es ist aber zumindest plausibel, dass er bei Männern stärker ist. Denn das klassische Männerbild ist oft nicht gerade gesundheitsfördernd. Wer aber bereits verheiratetet ist, steht weniger unter Druck seine Männlichkeit noch beweisen zu müssen.

Das macht sich sogar körperlich bemerkbar, der Testosteronspiegel sinkt bei Männern, wenn sie in einer festen Beziehung leben und dann noch einmal, wenn ein Kind geboren wird. Zwar ist Testosteron nicht so böse, wie es in der Öffentlichkeit oft gesehen wird, aber es dämpft das Immunsystem.

Protektionseffekt bei Mönchen

Und bei Mönchen? Vermutlich gibt es dort auch einen Protektionseffekt durch die Gemeinschaft. Dass sie sogar länger leben als verheiratete Männer dürfte mit dem geregelten Lebenslauf zusammenhängen, aber auch damit, dass sie selten gefährlichen oder sehr gesundheitsschädlichen Tätigkeiten nachgehen.

Heiraten scheint also einen Vorteil zu bringen, aber ein großer Teil der längeren Lebenserwartung von Verheirateten ist keine Folge der Ehe, sondern die Ehe ist eine Folge von Gesundheit und Stärke.

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