Kommentar: Gleichstellungspolitik muss ganzheitlich sein

Der „Gleichstellungsatlas“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fällt schon fast in die  Kategorie „So lügt man mit Statistik“. Das Thema Lebenserwartung findet man nur versteckt in der Kategorie „Lebenswelt“. Statt sich dem Thema intensiver zu widmen hat man der Tabelle eine zweite Statistik zur Seit gestellt. Dort geht es um ältere Menschen in Einpersonenhaushalten. Und tatsächlich, ältere Frauen müssen häufiger alleine leben als ältere Männer. Damit wird suggeriert, man müsse sich um diese Frauen kümmern, die öfter alleine leben müssen. Dabei sind die Männer die, denen man helfen müsste. Damit sie ähnlich lange leben wie Frauen.

Krieg

Anders als oft behauptet leiden unter Kriegen vor allem die Männer. „Eine große Zeit“, wie auf diesem Krug aus den 1980er Jahren behauptet, waren die Jahre 1914 bis 1918 aber weder für Männer noch für Frauen. Dargestellt sind übrigens die Staatsoberhäupter der verbündeten Staaten Deutsches Reich, Zarentum Bulgarien, Österreich-Ungarn und Osmanisches Reich. 

Zugegeben gibt es noch einen zweiten Grund für die hohe Zahl allein lebender Frauen im Alter. Meist heiraten Frauen nämlich etwas ältere Männer. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass es bei den jüngeren Menschen deutlich mehr alleine lebende Männer gibt. Dazu aber bringt der „Gleichstellungsatlas“ keine Daten.

Dieses Muster zieht sich durch das ganze Projekt. Es findet sich zwar eine Übersicht zur häuslichen Gewalt (trifft vor allem Frauen), aber nicht zur Gewalt allgemein (trifft vor allem Männer). Auch eine Grafik zum wichtigen Thema Suizid fehlt. Immerhin würde man dann sehen, dass die Unterschiede beim Selbstmord zwischen Männern und Frauen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich größer geworden sind, weil die Suizidrate bei Frauen deutlich stärker zurück ging als bei Männern.

Man darf hier schon schlechte Absichten unterstellen. Tatsächlich wäre es an der Zeit, dass Thema Gleichstellung auch auf jene Bereiche auszuweiten, in denen Männer schlechter abschneiden. So zeigt eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dass Jungen in der Schule bei gleicher Leistung schlechter bewertet werden als Mädchen.

Auch Väter dürfen heute Zeit mit ihren Kindern verbringen. So profitieren auch Männer von den veränderten Rollenbildern. Bild: Werbefoto der Bundeswehr

Man muss nicht so weit gehen wie es der Schweizer Soziologe Walter Hollstein tut und behaupten, dass es dem Mann so schlecht gehe wie noch nie. Wobei es auch nicht ganz klar ist, ob der das wirklich gesagt hat oder die Zeitung „Die Welt“ das nur aus seinen Worten interpretiert. Ich möchte sogar behaupten, dass auch die Männer von den geänderten Rollenbildern ebenfalls profitieren.

Allerdings reicht das nicht. Wer will, dass Frauen einen höheren Anteil an Führungspositionen besetzen und genauso viel verdienen wie Männer, der muss auch dafür sorgen, dass Männer nicht länger vor alle über beruflichen Erfolg definiert werden. Tatsächlich haben auch viele Frauen veraltete Rollenbilder. Sehr deutlich wird das in der TV-Serie „Sex and the City“. Immer wieder wird behauptet, hier gehe es um vier selbstbewusste, moderne Frauen. Doch der Traummann, Mr. Big genannt, ist vor allem eins: erfolgreich. Tatsächlich zeigt eine Studie, dass kein Adjektiv in Partnerbörsen die Chance für einen Mann so stark erhöht, angeklickt zu werden, wie das Wort „erfolgreich“.

Kein Wunder also, wenn Männer ihr Leben stark auf den Beruf ausrichten. Und dann zwar erfolgreicher sind, aber auch ihre Kinder seltener sehen, ihre Berufe weniger nach ihren Interessen als nach dem Verdienst aussuchen, immer stark wirken wollen und mehr Risiken eingehen. Wer möchte, dass Frauen genauso erfolgreich sind, der muss auch etwas für die Männer tun.

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