Amazon immer mächtiger

Dass nur wenige große Unternehmen einen Großteil des Umsatzes im Internet auf sich vereinen ist bekannt. Allerdings scheint der Trend zu Großkonzernen auch immer weiter zu gehen.

Das zumindest legt eine von Statista veröffentliche Erhebung des Bundesverbands des Deutschen Buchhandels nahe. Demnach hat bei einem leicht wachsenden Markt Amazon als größter Akteur deutlich zuglegt, während die übrigen Online-Buchhändler sogar mehr als ein Drittel ihres Umsatzes eingebüßt haben.

Infografik: Amazon dominiert den Onlinebuchhandel | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Das Ergebnis ist nicht nur überraschend, weil dank Buchpreisbindung eigentlich wenig dafür spricht bei einem Mittelständler statt einem Großkonzern einzukaufen. Der Rückgang der Konkurrenten ist auch außergewöhnlich stark. Eine Rolle dürfte dabei die Weltbild-Insolvenz gespielt haben. Denn das Unternehmen hat nicht nur über Katalog, sondern auch Internet verkauft.

Wo gibt’s an Weihnachten noch Winter?

Der Winter dieses Jahr ist wieder mal ein Witz. Also habe ich mich auf die Suche nach Städten gemacht, in denen es noch so etwas wie Winter gibt. Weil die Suche ohne entsprechende Software ausufern würde, habe ich sie auf Millionenstädte eingeschränkt. Davon gibt es mehr als man denkt, insgesamt 307.

Vorgehen

Natürlich habe ich nicht die Klimadaten all dieser Städte angesehen. Ich habe mal ein paar Vorannahmen aufgestellt und Städte nach den folgenden Kriterien ausgewählt:

  • Lage weit im Norden
  • Bei kontinentaler Lage auch südlichere Städte ausgewählt
  • Hoch gelegene Städte zusätzlich aufgenommen

Theoretisch könnten natürlich auch Städte im Süden der Südhalbkugel sehr kalt sein, aber im Dezember ist ja dort Sommer. Außerdem gibt es kaum Millionenstädte so weit im Süden. Die südlichste Millionenstadt ist nach meinen Recherchen Melbourne – und die liegt etwa so weit vom Äquator entfernt wie Athen. Nur Südamerika ragt noch weiter nach unten, allerdings ist es dort sehr maritim, spricht im Sommer eher kühl, im Winter eher warm. Punta Arenas, die vermutlich südlichste Großstadt der Welt, liegt ähnlich weit vom Äquator entfernt wie Hamburg und ist sogar etwas kühler als die Hansestadt, aber bei weitem nicht kalt genug für unsere Liste. Zumal wir uns ja auf Millionenstädte beschränken und den Dezember untersuchen wollen.

Definitionsprobleme

Weil eine große Zahl der nach diesen Kriterien vorausgewählten Städte in China liegt, verweise ich auch auf meinen Beitrag vom vergangenen Monat zu Millionenstädten in der Volksrepublik. Die von mir als Grundlage für die Einwohnerzahl verwendete Liste der Millionenstädte von Wikipedia orientiert sich nämlich teilweise an der Einwohnerzahl der administrativen Stadt (zu der auch ländliche Gebiete gehören und die oft die Größe deutscher Bundesländer besitzen) und teilweise an derjenigen der städtischen Siedlungsfläche (also der eigentlichen, dicht bebauten Stadt). Shenzhen beispielsweise wird mit rund acht Millionen Einwohnern aufgeführt, die eigentliche Stadt hat aber nur 1,2 Millionen Einwohner. Chongqing dagegen wird mit rund vier Millionen Einwohnern geführt, obwohl nach der Liste der Städte in China (ebenfalls Wikipedia) die administrative Stadt rund 30 Millionen Einwohner hat, hier wurde also die tatsächliche Stadt herangezogen.

Da mich aber nicht die Einwohnerzahl interessiert, sondern das Wetter, habe ich über das Problem hinweggesehen, zumal Listen bei Wikipedia aufgrund der vielen Mitarbeiter leider öfter mal nicht ganz „synchron“ sind.

Ein weiteres Problem ist die Temperaturschwankung. Die im Jahresdurchschnitt kälteste Stadt muss nicht die im Dezember kälteste sein. Die meisten Klimastatistiken geben außerdem für die vergangenen 30 bis 40 Jahre jeweils den kältesten und den wärmsten Monatsdurchschnitt an. Für die Grafik habe ich jeweils den Mittelwert der beiden Extreme verwendet, der natürlich vom tatsächlichen Mittelwert aller Monate abweichen kann. Das kann natürlich Städte benachteiligen, für die nur Daten aus den vergangenen, oft recht warmen Sommern vorliegen, der Effekt dürfte aber vernachlässigbar sein.

Ab nach Russland

Nun haben wir die Suche auf Millionenstädte eingeschränkt, damit fallen fast alle skandinavischen Städte raus. Auch Stockholm taucht nicht in der Wikipedia-Liste auf, weil die administrative Stadt weniger als eine Million Einwohner hat. Die statistische Stadt, die sich an der tatsächlichen Ausbreitung orientiert (Tätort), hat allerdings 1,4 Millionen Einwohner. Diese nur für die Statistik gemacht Abgrenzung kennt man übrigens auch in den USA, wo ja die geographische und politische Stadt ebenfalls oft nicht zusammenfallen. Deshalb habe ich Stockholm aufgenommen, zumal diese Zahl ja sogar offiziell ist. Nur leider ist auch Stockholm weit vom Siegertreppchen entfernt, im Winter liegt die Durchschnittstemperatur minimal bei -3,0 Grad, maximal aber bei +1,0.

In Kanada gibt es vier Millionenstädte, vor allem Calgary bietet auch tatsächlich im Dezember niedrige Temperaturen. Doch vor allem sind da russische Städte, denn nördlich des 50. Breitengrades (noch mal zur Erinnerung, die Höhe von Frankfurt), gibt es östlich des Ural fast kein anders Land mehr, selbst die Nordgrenze Chinas liegt von kleinen Ausnahmen abgesehen weiter im Süden. Der erste Tipp ist natürlich Novosibirsk, allein schon wegen des Namens. Tatschlich ist die Temperatur mit -16,4 bis -8,9 Grad dort angenehm kühl. Die Stadt schlägt damit auch St. Petersburg, die nördlichste Millionenstadt der Welt, die aufgrund der Nähe zur Ostsee im Winter deutlich wärmer ist.

Überraschung aus China und der Mongolei

Um es abzukürzen: Novosibirsk ist nicht die kälteste Millionenstadt der Welt, weder im Dezember noch im Jahresdurchschnitt. Überraschenderweise liegen an der Spitze gar keine russischen Städte, sondern eine aus China und eine aus der Mongolei.

Überraschend deshalb, weil beide südlich von uns liegen. Harbin in China liegt etwa auf der Höhe von Venedig, Ulan Bator in der Mongolei etwa auf der Innsbrucks.

Kälteste Millionenstadt der Welt
Mittelwert aus der kältesten und dem wärmsten in den Wetteraufzeichnungen enthaltenen durchschnittlichen Dezembertemperatur. Quelle: Wikipedia, Wetterkontor.de

Trotzdem ist Harbin, das zweitweise auch zu Russland gehörte und nach der Oktoberrevolution Fluchtpunkt von Intellektuellen, Adeligen und der alten Führungselite war, deutlich kälter als die russische Konkurrenz. Zwischen -20,3 und -9,8 Grad lagen die Dezembertemperaturen dort in den vergangenen Jahrzehnten durchschnittlich. Aktuell (Weihnachten 2014) liegen die Temperaturen laut wetterkontor.de bei -15 bis -20 Grad.

Noch kälter ist die mongolische Hauptstadt Ulan Bator, nicht zuletzt weil sie über 1.000 Meter hoch angesiedelt ist. Die durchschnittliche Dezembertemperatur lag dort zwischen -21,6 und -11,9 Grad.

And the winner is: Omsk

Allerdings sind beide Städte vergleichsweise trocken mit wenigen Millimetern Niederschlag, das bedeutet wenig Schnee. Hier schneidet die Nummer 3 im Ranking besser ab, das sibirische Omsk, übrigens von einem deutschstämmigen Offizier gegründet und noch heute mit einer kleinen deutschen Minderheit versehen, darunter im Umland auch Mennoniten, die teilweise noch immer Plautdietsch sprechen.

Dort ist es nicht nur kalt, an durchschnittlich sechs Tagen im Dezember gibt es dort durchschnittlich insgesamt 22 Millimeter Niederschlag, schneefreie Dezember sind also eher selten.

Dagewesen bin ich noch nicht, aber wenn sich jemand zu einer Reise dorthin inspiriert fühlt, freue ich mich über einen Reisebericht. Die Fahrt mit dem Zug dauert übrigens von Berlin aus mindestens 65 Stunden.

Auch ohne Schnee: Frohe Weihnachten!

Sinkende Abozahlen?

Wir leben in einer Mediengesellschaft und haben trotzdem eine Medienkrise – angeblich. Das eine wie das andere kann man diskutieren, ich habe das ja auch schon mehrfach getan (zum Beispiel hier). Auch das Statistikportal Statista, für das ich ebenfalls geschrieben habe (zum Beispiel über Stukkateure), befasst sich mit dem Thema und kommt zu dem Ergebnis, dass kaum jemand im Jahr 2015 neue Abos abschließen wolle, aber viele Befragte Pläne hätten eines zu kündigen.

Infografik: Kaum jemand plant mit neuen Abos für 2015 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Als Beleg dient eine Umfrage aus dem eigenen Haus, nach der 10,3 Prozent der Befragten ein Abo kündigen, 14,4 aber eines abschließen wollen. Nein, das ist kein Tippfehler, die Zahl derer die über ein Abo nachdenken liegt tatsächlich um 4,1 Prozentpunkte höher.

Nun bezieht sich die Frage nach den Kündigungen nur auf Zeitungen und Zeitschriften. Die wollen nur 8,9 Prozent neu abonnieren. Der groß angekündigte Aborückgang ist das aber auch nicht. Statista schreibt deshalb: „Das Statistikportal fragte auch, ob die Menschen in Deutschland 2015 ein Abonnement kündigen wollen. Gerade einmal 32 Prozent sagten hier nein.“ Das stimmt, weil über 57 Prozent der Befragten angaben, kein Abo zu besitzen und deshalb auch keines kündigen können.

Zu den 8,9 Prozent, die sich für ein Zeitungs- oder Zeitschriftenabo interessieren, kommen 4,2 Prozent, die ein E-Paper und 3,1 Prozent, die andere Bezahlinhalten abonnieren wollen. Weil Mehrfachnennungen möglich waren, liegt die die Zahl derer, die ein Abo planen, allerdings nicht bei 16,2 Prozent (der Summe der Einzelnennungen), sondern eben nur bei den oben genannten 14,4 Prozent.

Offen bleibt, wie viele Menschen ein E-Paper oder einen Zugang für einen anderen Bezahlinhalt kündigen wollen. Das wurde nämlich nicht gefragt. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass viele, die ihr E-Paper kündigen wollen, auf die Frage nach der Kündigung eines Zeitungsabos ohnehin mit Ja geantwortet haben, wenn die Frage nicht sehr präzise formuliert war.

So ist der Vergleich schwierig, zumal „Bezahlinhalte“ auch ein Watchever-Abo sein kann, für die Verleger sind also eher die ersten beiden Zahlen interessant.

Trotzdem dürften im kommenden Jahr nach dieser Umfrage eher mehr Leute ein Abo abschließen als kündigen. Vor allem für die Lokalzeitungen ist deshalb ein anderes Problem wohl größer, nämlich das Versterben ihrer Abonnenten. Denn auch das wurde nicht gefragt: „Planen Sie im nächsten Jahr das Ableben?“