Bayerns Hamburg

3,6 Millionen Tonnen Güter haben Bayerns Häfen im ersten Halbjahr 2010 umgeschlagen. Zugegeben, das ist nicht gerade imposant, im Hamburger Hafen wurden im gleichen Zeitraum 58,6 Millionen Tonnen ein- oder ausgeladen. Wie groß der Unterschied ist weiß jeder, der mal in Nürnberg eine Hafenrundfahrt gemacht hat.

Dabei war Nürnberg im Juni 2010 gemessen am Güterumschlag in Tonnen nicht nur der sechstgrößte Hafen Bayerns, sondern nach Angaben des Bayerische Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung sogar der drittgrößte im Maingebiet. Das ist umso erstaunlicher, als dass Nürnberg gar nicht am Main liegt, sondern am Main-Donau-Kanal. Zur Verteidigung der bayerischen Statistiker sei aber gesagt, dass der Nürnberger Hausfluss Pegnitz (nachdem er sich mit der Rednitz zur Regnitz vereint hat) letztendlich in den Main fließt und die Zuordnung somit durchaus Sinn macht.

Noch sonderbarer ist, dass sich unter den größten Häfen zwei relativ unbekannte Orte befinden. So war der Hafen der Kleinstadt Karlstadt bei Würzburg im Juni mit einem Umschlag von 51 Tausend  Tonnen nach Aschaffenburg (74 Tausend Tonnen) zweitgrößter Hafen im Maingebiet – mit einem stolzen Zuwachs von 32,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Den dritten Platz im Maingebiet teilt sich mit Nürnberg der Hafen von Lengfurt, einem Gemeindeteil des 4.000-Einwohner-Ortes Triefenstein. Beide Orte liegen auch noch im Landkreis Main-Spessart und machen ihn damit im Juni 2010 zum nach Regensburg (116 Tausend Tonnen) zweitgrößten Hafenstandort unter den bayerischen Land- und Stadtkreisen.

Aber warum hat ein Landkreis, der vor allem für Wald und Wein bekannt ist, gleich zwei große Häfen? Die Antwort ist einfach und lautet: In beiden Orten gibt es ein Zementwerk. Die Häfen sind auf den ersten Blick selbst im Vergleich zu den anderen Main- und Donau-Häfen klein. Ein Hafenbecken gibt es in Karlstadt, mit nur einem Kran und einem Siloturm. Aber die Fracht ist schwer und bietet sich für den Transport mit dem Schiff an. Nicht zufällig sind Baustoffe, Steine und Erden mit knapp 1,1 Mill. Tonnen bzw. 30,2 Prozent umschlagstärkste Gütergruppe der bayerischen Binnenschifffahrt.

Jetzt haben wir auch gleich noch etwas über bayerische Geographie gelernt, womit bewiesen ist: Statistiken lesen bildet.

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  1. […] Die Distanzen sind länger, es werden viele unverarbeitete Rohstoffe transportiert, die schon aufgrund ihres Gewichtes für viele Tonnenkilometer sorgen und es fehlt das Mittelmeer. Produkte aus Asien kommen deshalb oft an der Westküste an und […]

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