Die Mitte lebt im Supermarkt

Die Mitte lebt – sagt zumindest der GfK e.V., der zum Thema „Zwischen Premium und billig“ seine 60. GfK-Tagung in Nürnberg veranstaltete. Das war zwar schon im Juli, aber weil es vor kurzem hier im Statistiker-Blog um die Frage ging, ob die mittlere Einkommensschicht in Deutschland immer kleiner wird, wollen wir noch mal einen kurzen Blick auf diese Veranstaltung werfen.

Dabei ging es natürlich nicht um die mittlere Einkommensgruppe, sondern um den Konsum. Beides hat miteinander zu tun: Wer wenig Geld hat kauft keine teuren Produkte. Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass die Entwicklung an der Ladenkasse nur ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung ist. Welche anderen Einlussfaktoren noch wirken, lässt sich beispielsweise am Markt der Fernsehapparate beobachten. Dort stieg der Anteil der Geräte aus dem mittleren Preissegment (200,- bis 800,- Euro) von 52 Prozent im Jahr 2004 auf 67 Prozent im Jahr 2009. Jürgen Boyny vom Marktforscher GfK (der zu 57 Prozent dem GfK e.V. gehört) erklärt das mit der technologischen Entwicklung. Nach Innovationen – wie etwa der Einführung von Flachbildfernsehern – schrumpft die Mitte zunächst. Denn die neuen Geräte sind zunächst teuer, andere Verbraucher wiederum kaufen nur noch Billiggeräte, weil man für eine veraltete Technologie nicht so tief in die Tasche greifen will. Das Gerät soll schließlich nur so lange seinen Dienst tun, bis die neue Technik endlich billiger ist. Hat die sich dann etabliert und wird tatsächlich günstiger, gewinnt das mittlere Preissegment wieder Marktanteile.

Auch im Supermarkt hat sich die Mitte stabilisiert. Dort hatten Billig- wie Premiumprodukte den Marken in der Mitte beständig Marktanteile abgenommen. Alleine die Marktführer konnten ihre Marktanteile halten, das übrige mittlere Segment rutschte von 42,7 Prozent im Jahr 2003 auf 33,5 Prozent Marktanteil im Jahr 2008 ab. Doch 2009 gewannen die Mittelmarkten erstmal wieder Marktanteile dazu. „Diese Entwicklung setzt sich 2010 fort“, so Dr. Wolfgang Adlwarth von der GfK. Florian Haller von der Agenturgruppe Serviceplan erklärt das mit der zunehmenden Verunsicherung der Menschen. Da besinne man sich wieder auf das, was man kenne.

Professor Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung macht außerdem auf den Unterschied zwischen soziologischer Mitte und mittlerer Einkommensschicht aufmerksam. Zur oberen Einkommensschicht gehört ein Single bereits ab einem Nettoeinkommen von 1.844,- Euro, Paare schon ab einem gemeinsamen Einkommen von 2.766,- Euro, also 1.383 Euro pro Kopf. Die meisten Menschen in diesem Einkommensbereich würden sich dagegen selbst eher der Mittelschicht zurechnen. Erstaunlicherweise hält Wagner die „Mittelschicht-Panik“ für eine „kurzschlüssige Interpretation statistischer Befunde“. Dabei war es sein Institut, das nicht unwesentlich zu dieser Diskussion beitragen hat, wie man im Statistiker-Blog nachlesen kann.

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