Statistik am Wegesrand (2)

Wie es der Zufall will, war kurz nach meiner Exkursion in den Norden Schwabachs (vgl. Statistik am Wegesrand (1) in der Zeitung ein Artikel, der sich mit einer Buslinie in eben jener Region befasst. Diesmal allerdings ging es nicht um die Trabantenstadt Eichwasen, sondern um eine Reihe von eingemeindeten Dörfern im Zwieseltal, die eigentlich nur auf dem Papier zur Stadt gehören. Die nämlich haben seit kurzem eine eigene Buslinie, die Dörfer an den S-Bahnhof Nürnberg-Katzwang anschließt.

Nach einem halben Jahr Probebetrieb haben die Stadtwerke jetzt beschlossen, die Linie zum Jahresende einzustellen, weil pro Fahrgast ein Defizit von 13,- Euro anfällt – verglichen mit einem Euro im übrigen Stadtgebiet. Die Zwieseltaler halten dagegen, dass die Linie mit rund 100.000,- Euro weit weniger Verlust macht als die übrigen Linien, die im Durchschnitt 160.000,- Euro Verlust einfahren. Außerdem betrage der Verlust des ÖPNV im Zwieseltal im Schnitt 20,- Euro pro Bürger und damit ebenso viel wie im übrigen Stadtgebiet.

Beide Seiten meinen, ihre Position mit Zahlen belegen zu können. Kann man mit Statistiken also doch alles belegen? Nicht ganz. Denn der geringere Verlust der Linie 672 im Vergleich zu den übrigen Linien kommt schlicht daher, dass sie seltener fährt, nämlich nur elf Mal am Tag von Regelsbach nach Nürnberg-Katzwang und Samstag und Sonntag gar nicht). Wie schwach das Argument ist erkennt man daran, dass bei dieser Rechnung eine Linie, die einmal im Monat fährt und keinen einzigen Fahrgast befördert, höchst wirtschaftlich wäre. Der Verlust pro Linie wäre jedenfalls sehr gering.

Anders sieht es mit den beiden übrigen Argumenten aus. Sie widersprechen sich gar nicht. Sie zielen nur in eine andere Richtung. Einmal geht es um Effizienz (Verluste je Fahrgast), einmal um Gerechtigkeit (die Stadt sollte für jeden Bürger gleich viel Geld ausgeben). Beide Zahlen haben ihre Berechtigung, abwägen was von beiden wichtiger ist kann die Statistik nicht. Das muss schon jeder selbst tun.

Im Netz:

http://www.schwabacher-tagblatt.de/artikel.asp?art=1250121&kat=24

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