Kriminalität II

Zum Beitrag zur Kriminalitätsentwicklung gab es eine sehr gute Anmerkung von einem Leser. Weil ich dem zustimme, kopiere ich die einfach mal hier her:

    Ich möchte aber anmerken: Die Zahlen, die Sie präsentieren, entstammen meines Wissens keiner wissenschaftlichen Studie. Es handelt sich um die gesammelten Fallzahlen der Polizei, wie sie für Arbeitsnachweise verwendet werden. Diese Zahlen enthalten Dunkel- und Grellziffern (*) in unbekannter Höhe. Und sie sind sehr stark davon abhängig, was der Polizeibeamte bucht.

    Vor einigen Jahren stieg die Internetkriminalität stark an. Das hatte zwei Gründe: Zum einen wuchs die Kriminalität im Zusammenhang mit dem Internet tatsächlich, zum andern schossen überall Internet-Ermittlungsgruppen aus dem Boden. Die Folge war, dass auch ganz normale Delikte plötzlich in der Internet-Statistik auftauchten. Schließlich will die Internet-Ermittlungsgruppe ja nicht aufgelöst werden.

    (*) Der bekannteste Fall von Delikt-Verschiebungen, der zu Dunkel- und Grellziffern führte, war die Autoverschiebung nach Osteuropa nach dem Fall des eisernen Vorhangs. PKWs wurden in die ehemaligen Ostblockländer verkauft und in Deutschland als gestohlen gemeldet. Statistisch war damit der Versicherungsbetrug zu niedrig und der Bereich Autodiebstahl zu hoch angesetzt.

    Und natürlich gibt es auch viele Grell-Fälle, die einfach nur so in die Statistik kommen: Wenn ich einen gestohlenen Geldbeutel melde, ist das Diebstahl. Wenn ich ihn wiederfinde und dies der Polizei mitteile, dann ist das: Ein aufgeklärter Diebstahl.

Tatsächlich ist das alles richtig. Man könnte als weiteres Beispiel noch die jüngsten Fälle von Alkoholmissbrauch und Körperverletzung anfügen. Einer von mehreren Gründen für deren Zunahme scheint zu sein, dass weniger als früher im heimischen Hobbykeller und mehr auf öffentlichen Plätzen Alkohol konsumiert wird. Das hat zwei Effekte. Zum einen den, dass tatsächlich mehr passiert, weil man daheim im Hobbykeller seltener auf die Deppen aus der Nachbarklasse trifft, zum anderen den, dass mehr Fälle statistische erfasst werden.

Ich sehe aber zurzeit keine Entwicklung, die zu einer deutlich höheren Dunkelziffer führen würde. Deswegen halte ich die Statistik insgesamt durchaus für aussagekräftig, auch wenn ich dem Leser in seiner Analyse durchaus zustimme.

Ähnliches gilt auch für die heutige Statistik, mit der ich das Thema Kriminalität abschließen will.

Statistik: Ranking der 20 Länder mit den meisten Mordfällen pro 100.000 Einwohner (im Zeitraum 2004 bis 2011) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Es ist eine Übersicht der 20 Länder mit den höchsten Mordraten und zum Vergleich dazu Deutschland. Auch hier ist die Datenlage sehr unsicher. Die Höhe der Zahl für Deutschland lässt vermuten, dass hier neben Mord auch Totschlag mit dazu zählt. Andere Länder kennen diese Unterscheidung so nicht, deswegen sind Daten aus Deutschland für Morde und aus Großbritannien für murder beispielsweise kaum vergleichbar. Aber auch wenn die Statistiker der UN hier mit großer Sorgfalt gearbeitet haben, bleibt ein Einfluss der Ländergesetze auf die Daten.

Hinzu kommt auch hier die Dunkelziffer. Selbst in Deutschland bleiben Morde unerkannt, manche Überdosis oder mancher Sturz ist in Wahrheit vielleicht eine gezielte Tötung gewesen. Doch die Dunkelziffer dürfte in anderen Ländern noch weit höher sein, dass Somalia oder der Irak hier nicht auftauchen, dürfte wohl eher an der mangelnden Erfassung von Tötungen liegen.

In Honduras liegt die Zahl der Morde dennoch 100-Mal so hoch wie in Deutschland. Dort ist das Staatswesen so zerrüttet, dass man dort eine Art Sonderverwaltungszonen bilden will, die – ähnlich wie Hong Kong und Macau – zwar Teil des Landes sind, aber große Autonomie besitzen.

Auch im internationalen Vergleich geht es uns also verhältnismäßig gut.

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  1. […] Thema Kriminalität bewenden lassen. Ich hatte ja über den Rückgang der erfassten Fälle in der Kriminalstatistik berichtet. Ein paar Einschränkungen, warum man daraus nicht 1:1 auf die Entwicklung der […]

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