Mein Name ist Kevin, Kevin Hinterdobler

„Name ist Schall und Rauch, Gefühl ist alles“, sagt Goethe. Namen rufen bestimmte Gefühle hevor, sagt die Wissenschaft. Wer beispielsweise Georg Enoch Robert Prosper Philipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh mit Vornamen heißt, den ordnen wir gedanklich der Oberschicht zu. In diesem Fall zu recht, es handelt es sich um die Vornamen des Dirigenten Georg Enoch von und zu Guttenberg, früher auch als Vater eines ehemaligen Wirtschafts- und Verteidigungsministers bekannt.

Klar, dass auch Lehrer und Partnersuchende sich von Namen leiten lassen. Laut Spiegel Online hat eine bisher unveröffentlichte Studie der Humboldt-Universität Berlin jetzt das Verhalten von Partnersuchenden auf der Online-Partnerbörse eDarling analysiert. Demnach hat der Name massive Auswirkungen darauf, wie oft ein Profil angeklickt wird.

Abweichung der Klicks vom Durchschnitt in Prozent nach Vornamen.

Nun soll hier nicht der Inhalt des Spiegel-Artikels wiederholt werden. Deshalb habe ich nur die drei erfolgreichsten und hinderlichsten Namen für Frauen und Männer aufgelistet. Demnach hat Kevin rund 20 Prozent weniger Erstbesucher auf seinem Profil als der Durchschnitt, Chantal sogar 21 Prozent weniger. Leider verrät Spiegel-Online nur, dass das Alter kontrolliert wurde. Interessant wäre natürlich auch, welche Informationen die Benutzer außer dem Namen noch sehen, die gegebenenfalls einen Einfluss haben könnten.

Die Wissenschaftler übernahmen 24 Namen aus einer Studie über den Einfluss des Namens auf das Lehrerverhalten sowie 60 Vornamen, die in einer anderen Studie von 149 Menschen bewertet wurden. Aus einer Studie von 4.238 Mitgliedern mit eigenem Profil hatten 992 einen Namen aus der ersten, 4228 einen aus der zweiten Liste.

Allerdings schießen die Wissenschaftler oder zumindest die Spiegel-Leute wohl etwas über das Ziel hinaus, wenn sie auch Selbstbewusstsein oder das Rauchen vom Vornamen abhängig machen. Schließlich werden Vornamen nicht verlost, sondern lassen auf den sozialen Status und die Einstellung der Eltern schließen. Wer sein Kind nach Sport- oder Fernsehstars benennt ist meist weniger gebildet und die Väter der Florians sind überproportional oft bei der Feuerwehr. Status und Bildung der Eltern sind aber extrem wichtig für Selbstbewusstsein, schulischen und beruflichen Erfolg.

Schüler an Gymnasien (grau) und Hauptschulen (rot) nach Schulabschluss der Eltern. Quelle: Statistisches Bundesamt.

Wie wichtig der Schulabschluss der Eltern ist, zeigt eine Analyse des Statistischen Bundesamtes. Demnach haben 59,0 Prozent der Eltern von Gymnasiasten Eltern mit Hochschulreife, aber nur 1,3 Prozent solche ohne Schulabschluss. Dass das nicht nur daran liegt, dass es schlicht weniger Eltern ohne Schulabschluss gibt, zeigt ein Blick in die Hauptschulen. Hier haben 13,1 Prozent der Eltern Hochschulreife, 10,0 Prozent keinen Schulabschluss.

Dieser Faktor dürfte mindestens eine ebenso große Rolle spielen wie der Vorname, auch wenn zahlreiche Studien zeigen, dass viele Lehrerinnen und Lehrer Kinder mit kevinistischen Vornamen schon schlechter beurteilen, wenn sie diese noch gar nicht kennen.

Die meisten Kinder sind übrigens mit ihrem Vornamen zufrieden. Bei den Mädchen sind es 79 Prozent, bei den Jungen sogar 89. Mädchen vor allem wegen des schönen Klangs (14 Prozent), Jungen aus dem gleichen Grund sowie weil er nicht oft vorkommt und weil die Eltern oder Großeltern ihn ausgesucht haben (jeweils sechs Prozent).

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