Heute reden wir über’s Wetter

Diesmal nehmen wir uns eines naturwissenschaftlichen Themas an. Das Institut für  Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg hat für Spiegel Online Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes aus den vergangenen 20 Jahren ausgewertet. 18 Städte wurden ausgewählt, in denen die Datenlage besonders gut ist. Für die hat man die Mittelwerte aus den Jahren 1980 bis 2009 für Temperatur, Regenmenge und Sonnenscheindauer mit den Mittelwerten der Jahre 1961 bis 1990 verglichen. Warum die Forscher zwei sich überschneidende Zeiträume ausgewählt habe, wird übrigens nicht erklärt.

Naturwissenschaftler, so denken wir Sozialwissenschaftler, haben es gut. Sie gehen ins Labor, spalten ein paar Atome und haben eindeutige, unumstrittene Ergebnisse. Anders als Ökonomen und Soziologen, denen immer wieder die menschliche Unberechenbarkeit einen Strich durch die Rechnung macht. Doch im Forum geht es hoch hier. Von Klimaspinnern ist da die Rede, von dummen Spiegel-Redakteuren und unfähigen Meteorologen. Selbst angesichts der chronisch schlechten Umgangsformen in deutschen Internet-Foren eine heftige Diskussion.

Wir wollen uns aus der Interpretation der Daten heraushalten. Ob der Treibhauseffekt Schuld an der Erwärmung ist oder – wie in einem Forums-Beitrag gemutmaßt – der Umweltschutz, der für sauberere Luft und mehr Sonnentage sorgt, lassen wir dahingestellt. Fairerweise muss man sagen, dass zumindest der Hauptartikel gar keine Aussagen über die Ursachen der Klimaerwärmung macht, sondern nur feststellt, dass es wärmer geworden ist. Besonders stark in Erfurt. Dort war es im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2009 um 0,9 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1961 – 1990, nämlich 8,8 statt 7,9 Grad. Im Frühling und im Sommer stieg die Temperatur sogar um 1,1 Grad (auf jetzt durchschnittlich 8,5 bzw. 17,3 Grad), im Herbst dagegen nur um 0,4 (auf 9,0 Grad) und im Winter um 0,8 Grad (auf 0,3 Grad). Der Herbst ist in den meisten Regionen übrigens der mit der niedrigsten Erwärmung. Insgesamt hat sich die Temperatur vor allem im Sommer erhöht, ähnlich stark außerdem im Frühling.

Wärmer geworden ist es in allen untersuchten Regionen, deutlich unterschiedlich entwickelt sich dagegen die Regenmenge in Millimetern. In Erfurt stieg sie um 11 Prozent, im Herbst sogar um 20 Prozent. In Nürnberg dagegen, wo es laut Spiegel Online das beste Wetter gibt, sank sie um ein Prozent. Allerdings regnet es dort im Herbst jetzt deutlich mehr (+7 Prozent), im Frühling und im Winter dagegen deutlich weniger (-5 Prozent, Sommer -1 Prozent).

Die Kür Nürnbergs zur Stadt mit dem besten Wetter begründet Spiegel Online mit der Tatsache, dass es dort viele Sonnentage und wenig Regen gäbe, gleichzeitig aber genug Niederschlag um Landwirtschaft und Weinbau zu ermöglichen.  Letzteres stimmt nur teilweise, denn von Nürnberg bis zum fränkischen Weinland sind es noch ein paar Kilometer. Auch gibt es im Vergleich zum innerbayerischen Konkurrenten Augsburg mit durchschnittlich 636,0 Millimetern Regen  pro Jahr zwar weniger Niederschlag (764,7) und höhere Temperaturen (9,3 Grad statt 8,5 Grad), allerdings auch weniger Sonnenstunden, nämlich 1700,9 im Jahr statt 1719,5. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt diese Statistik. Aktuell ist es im Nürnberger Raum mal wieder trocken und warm, aber auch nicht so richtig sonnig.

Mehr zum Thema:

Der Beitrag auf Spiegel Online: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,700267-11,00.html

Institut für Wetter- und Klimakommunikation: http://www.wetterspiegel.de

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