Ihr Kinderlein kommt

In letzter Zeit habe ich ein paar Rückfragen zum Thema Bevölkerungsentwicklung bekommen. Ist die Geburtenrate wirklich so niedrig? Aber bei mir in der Nachbarschaft sehe ich doch viele Kinder!

Um es kurz zu machen, die Geburtenrate bleibt niedrig und die Zahl der Kinder wird weiter sinken, nicht zuletzt weil es weniger potentielle Mütter gibt. Allerdings habe ich auf der Seite der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen einen Link zu einer Studie des Max Plank Instituts für demographische Forschung gefunden, die für die Geburtenjahrgänge ab 1970 einen leichten Anstieg der Geburten je Frau vorhersagt. Die Untersuchung ist schon vom März, weil es so viele Fragen gab will ich sie trotzdem kurz zitieren.

Geburten je Frau - Kohortenfertilität

Mütter des Jahrgangs 1969 bekommen im Westen als erste wieder mehr Kinder als der vorhergehende Jahrgang. Die 1979 geborenen Frauen werden demnach auf 1,57 Kinder kommen. Im Osten erreicht erst die 1971er-Kohorte das Minimum. Quelle: MPIDR

Wie in meinem Beitrag zur tempobereinigten Fertilitätsrate erläutert ist die Prognose dieser Geburtenziffern natürlich nicht ganz einfach. So unterstellen die Forscher, dass Frauen auch in Zukunft immer später Kinder bekommen und die Frauen des Geburtsjahrgangs 1979 die nächsten Jahre noch zahlreiche Kinder gebären werden.

Im Westen wird vermutlich der Geburtsjahrgang 1968 der mit den wenigsten Kindern sein (1,46), dann wird es bis auf 1,57 Kinder für den Jahrgang 1979 nach oben gehen. Im Osten prognostizieren die Forscher für den Jahrgang 1971 den Tiefpunkt mit 1,51 Kindern, deren Zahl auf 1,58 ansteigen soll.

Wie viele Kinder die Frauen des Jahrgangs 1979 bekommen werden, weiß man erst 2029. Auf die zweite Nachkommastelle genau werden die Prognosen sicher nicht zutreffen. Allerdings sind sich die Forscher relativ sicher, dass die Zahl der Geburten je Frau eines Altersjahrgangs wieder steigen wird.

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11 comments on “Ihr Kinderlein kommt
  1. moin says:

    viele Abläufe werden automatisiert — EGovernment — die Robert Bosch Stiftung sieht das auch in Verwaltungen kommen in vielen Bereichen. Bei uns baut man dadurch auch gerade ein paar Stellen allg. Verwaltung ab durch Neue Systeme wie Kopers.

  2. moin says:

    um Beispielsweise Ingenieure durch die Einstellung von Bürofachkräften von Verwaltungsarbeit zu entlasten),

    im ÖD macht man das Gegenteil teilweise — es wird in Zukunft in vielen B-Ländern so sein, dass da fast nur noch Akademiker sittzen, weil man die breiter einsetzen kann. Diese machen dann das bissel verwaltungskram gleich mit, was nicht automatisiert wurde

    der mD schrumpft in vielen Bereichen auf ein Minimum. In DK gibts z.B. nur noch Verwaltungsstudium und Einheitslaufbahn – ich finde das System sowieso besser dort! Da gehts dann nämlich nach Leistung, nicht nach Schulabschluss ein leben lang

  3. moin says:

    ein großes Problem ist die Erosion von sv-pflichtigen Arbeitsstellen gerade bei den mittleren Qualifikationen. Wer soll sowas freiwillig lernen, wenn man das weiß und wenn einem bewusst ist, dass der Verdienst und die Tätigkeiten mit solchen Ausbildungen unter aller Sau sind?? Da müsste man wohl alles aufwerten – so sieht es aus.

    Den Trend zum Studium wird man nicht stoppen können — es käme darauf an, andere Bereiche nach oben zu verlagern, dann verteilt es sich auch besser. Immer mehr Schüler haben volle Berufswahlfreiheit durch längere Schulbildung.

  4. moin says:

    die Umschulungs- und Weiterbildungsmittel der ARGE sind gesunken lt. Böcklerinstitut – man bekommt billige Wordschulungen, aber keine echte Umschulung oftmals. Und wenn dann nur die billigen wie Bürokauffrau, aber oft keine 3jährigen und hochwertigen. Das ist ein Problem dabei.

    das Bildungswesen ist wechselunfreundlich und zementiert die leute in schlechten Berufen fest. Ohne Abitur kein Weiterbildungsrecht. Im Ausland bekommt jeder Interessent direkt mit der Ausbildung einen Schulabschluss mit, auch in Österreich immer weiter verbreitet.

    und dann noch:

    Anstatt in den gefragten Studiengängen wie Frühpädagogik (NC 1,5 und 1,8 bei uns) auszubauen, oder mehr Pflegestudiengänge anzubieten, da eh im Norden fast nur noch Abiturientinnen Pflege lernen (Erwachsene), baut man in den überlaufenen Fächern wie Bio, Geographie, Agrar die Studienplätze aus — wer so dumm handelt, dem ist nich zu handeln

    man hätte auch viele duale Ausbildungen an die FH holen müssen, da sich dort die Ansprüche verändern und diese inhaltlich und qualitativ aufwerten wie im Ausland, dann verteilen sich die Studenten besser.

    da muss man auch nicht drüber lachen! Wer in Schweden und anderswo einen Bachelor dental hygiene, MTA oder Veterinary Nurse studiert, bekommt eine Ausbildung auf höchstem Niveau und Weiterbildungsmöglichkeiten bis zum PhD.

    Dann verteilt sich alles besser — DE schafft sich selbst Akademikerschwemmen — viele akademische Berufe NAWI sind eher für den ÖD interessant oder von deren Aufträgen abhängig! Mit der Schuldenbremse sinken deren Arbeitsgelegenheiten oder aufträge

    Es kommt daher auch bei einigen NAWI Berufen zu schlechteren Löhnen mittlerweile und höherer Konkurrenz – diese wandern dann oft ab ins ausland, stichwort BrainDrain.

  5. moin says:

    und das IAB hat selbst festgestellt, dass sv-pflichtige Stellen gerade im mittleren Segment erodieren.
    Wenn es nciht genu Lockführer gibt, dann weil man Arbeitslosen und anderen nicht solche Umschulungen anbietet.

    in den meisten Berufen gibts zu viele Arbeitslose. Es gibt auch zu viele Minijobs — selbst beim Kitaausbau wandelt man teilweise jetzt soz.päd.Assistenten Stellen in Minijobs um. In Kiel zumindest.

  6. moin says:

    Des weiteren gilt auch beim Pflegemangel folgendes:

    Laut Aussage eines Pflegeverbandschefs fehlen nicht die Pflegehelfer, davon gibts merh als genug, sondern die Vollschwestern!

    ich kann dazu nur sagen: man könnte Pflegehelfer auch selbst aus- und weiterbilden zu Vollschwestern!

    Hessen musste ne Ausbildungsabgabe einführen seit 2012, weil immer weniger Altenheime ausbildeten, die Ausbildung kostet Studiengebühren.

    in vielen BLändern wurden seit den 1990ern sowolhl Stellen als auch Ausbildungsplätze abgebaut.

    Bei Ingenieuresbewerbungen im ÖD bei uns hier: 3 Stellen für Bachelor Ingenieure ausgeschrieben, 50 Bewerbungen. 1 Stelle Referendar höhere Dienst Bio/Agrar = 73 Bewerber. Kein Mangel.

    mD wird bei uns hier abgebaut und wg. Schuldenbremse langfristig verschwinden, man bekommt nur noch Hilfsarbeiterjobs damit, die echte Sachbearbeitung geht hier nur noch an Akademiker. Wenn hingegen für geh. Dienst manche Stelle ausgeschrieben ist, gehen weniger Bewerbungen ein als für mD — hat man wohl zu wenig ausgebildet?

    und dank SChuldenbremse verschwinden für viele akademische und nichtakademische Berufe im ÖD — d.h. es werden künftig viele Akademiker mehrfach studieren! oder eben ins Ausland abwandern.

    man kann mit vielen Studiengängen im Ausland eher ne STelle finden als hier.
    viele die ich kenne studieren mehrfach, es ist ne Art verdeckte Arbeitslosigkeit —

    dann sitzen die noch mal in der Uni.

    Das Bildungswesen in DE ist zu unflexibel – in DE muss man bei Wechsel auf Lehramt noch mal voll ins STEX, dauer: 4-5 Jahre mit allem. In AU setzt man sich einfach in den Master Highschoolteacher und bekommt fachbezogen in 2 Jahren alles mit, was man zum unterrichten braucht.

    in DE zieht sich das alles und die falsch qualifizierten Akademiker landen denn mehrfach in ewig langen Studiengängen.

  7. moin says:

    Gegen das Prinzip “Passgenauigkeit” kommt man in DE nicht an. Das ist eine kulturelle Besonderheit im deutschen bildungssystem. In anderen Ländern akeptiert man eher Quereinsteiger.

    ich kann Dir nur das Bsp. ÖD nennen: früher waren Aufstiege viel leichter, ohne Prüfungen in den geh.Dienst. Früher war es so, dass man Quereinsteiger nahm — so arbeitet ein Kollege von mir als Ökotrophologe im Abfallbereich.

    Heute aber kann der Mangel nicht groß sein, denn Quereinsteiger akzeptiert man immer weniger, Ausnahme: IT Branche – da kommt das oft vor und dort nimmt man auch gern studienabbrecher, kenn das aus der Fa. meines Schwagers.

    Das ist aber eine Ausnahme.

    zu den mittleren Qualifikationen die fehlen: von den Gehältern kann man in DE nicht mehr leben. Die Jobs sind total langweilig für diese, da ist man geistig unterfordert!

    Krankenpflege: siehe den Beitrag Kontraste http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_19_07/neue_studie_zeigt.html

    http://www.rbb-online.de/kontraste/

    meine Freundin arbeitet in ner Uni-Klinik — dort ist seit Jahren Personalabbau — wenn alte Schwestern in Rente gehen, kommen keine neuen nach — Arbeit wird verdichtet

    deshalb flüchten viele nach einigen Jahren aus der Pflege, hinzu kommt die mangelnde Anerkennung:

    im Ausland verdienen die besser und der Beruf ist ein Studium, qualifiziert mehr und ist besser anerkannt. In AU und NZ verdienen Nurses mehr als Biologen oftmals.

    viele die ich kenne studieren gerade Agrar, Geographie, Biologie, weil sie aus der Pflege rauswollen — Mangel also selbst verursacht durch schlechte Bedingungen.

  8. Hallo moin,
    das Thema Fachkräftemangel haben wir behandelt, allerdings nur grob, da es in meinen Augen nicht viel hergibt. Anders als in einigen Foren zu lesen ist die Verknappung von Fachkräften zumindest keine Erfindung der Arbeitgeber. In einigen Bereichen bleiben auch längere Zeit Stellen offen.
    Ob man aber von einem Fachkräftemangel spricht oder fordert, die Arbeitgeber müssten eben ihre Ansprüche senken und zur Not auch umstrukturieren (um Beispielsweise Ingenieure durch die Einstellung von Bürofachkräften von Verwaltungsarbeit zu entlasten), das ist keine statistisch beantwortbare Fragestellung.
    Zum Thema Fachkräftemangel empfehle ich die Nachlese zu den Nürnberger Gesprächen der Bundesagentur für Arbeit und der Stadt Nürnberg. Dort sind sowohl Kritiker der These vom Fachkräftemangel als auch Vertreter der Wirtschaft sowie Wissenschaftler des IAB zu Wort gekommen.

  9. moin says:

    es fehlt hier im Blog noch die Analyse zum “Fachkräftemangel” — eines der größten Märchen der Neuzeit. Bitte alle Statistiken dazu auswerten, die man nur finden kann. Wann genau? Ab 2030? Welche Berufe haben Fachkraftüberschüsse? Vor allem in Beziehung setzen zu den Branchen im Niedriglohnsektor und zu den Ausbildungszahlen etc.

  10. moin says:

    ich bin 35 und hab bisher weder Partner noch Kinder. Viele Frauen in meinem Alter wissen, dass es entweder nur noch ein Einzelkind wird, oder eben gar keins mehr. Wer seine Geburten aufschiebt bis über 30, bekommt sehr oft keinen Tempoeffekt mehr hin.

    mein Kinderwunsch ist stark gesunken – als ich 18 war konnte ich mir noch ne Großfamilie mit 3-4 Kindern vorstellen. Mittlerweile wäre ich über ein Kind schon froh. Weil man in DE aber seine AN nicht mehr pfleglich behandelt, sondern wie Wegwerf- oder Ramschware, will man auch gar nicht mehr haben. Kinder kosten ja auch viel Geld.

    ich wollte eines wenigstens noch schaffen, da ich aber wenig verdiene und mich deshalb seit 7 Jahren in Weiterbildung befinde (Abitur nachholen, Studium) und dann noch nen Master evtl. brauche, um im Ausland auf Jobsuche gehen zu können, wird es wohl knapp werden.

    so wie mir geht es vielen Frauen — auch Bekannte von mir sind über 30, mussten einen Neuanfang beruflich wagen und brauchen dann ewig lange im Bildungssystem, auch weil es nicht durchlässig genug ist.

    ich glaube auch nicht an die Steigerung der Geburten. In Ost-DE gibts immer mehr Einkindfamilien – auch aus ökon. Gründen

  11. Kev says:

    Ich hab beim Statistischen Bundesamt noch eine “Vorausschau” gefunden – nicht einbezogen sind dabei technisch-wissenschaftliche Fortschritte in der Reproduktionsmedizin. Bis 2020 wird unterstellt, dass die Geburtenhäufigkeit jüngerer Frauen zurückgeht und Frauen immer häufiger erst ab dem 30. Lebensjahr Mutter werden. Daraus folgend ist das Sinken des Anteils der Mütter mit drei oder mehr Kindern anzunehmen, außerdem das Ansteigen des Anteils der Frauen ohne Kinder. Letzteres soll beizeiten stabil bleiben.

    Man geht von einem konstanten Niveau von 1,4 Kindern je Frau aus, während das durchschnittliche Gebäralter bis 2020 um etwa 1,6 Jahre steigen soll. Zwischen 2021 bis 2060 geht man von konstanten Geburtenhäufigkeiten in den einzelnen Altersjahren aus.

    In einem zweiten Modell geht man von einer leichten Steigerung aus: Bis 2025 steigt die Geburtenziffer auf 1,6, bis 2060 soll sie konstant bleiben. Das Durchschnittsalter der Frau bei der Geburt steigt bis 2025 auf 30,9 und bleibt dann konstant.

    In einem dritten Szenario geht man von einem langfristigen Rückgang auf 1,2 Kinder je Frau bis 2060 aus. Das Geburtsalter der Frau steigt bis 2060 auf 31,9.

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