Im ersten Teil habe ich kurz dargelegt, warum sich die Frage nach der Qualität moderner Filme nicht an den Zuschauerzahlen bewerten lässt. Kurz gesagt: die Menschen gehen heute einfach seltener ins Kino, weil zuerst das Fernsehen und dann das Streaming erfunden wurde.

Statistik Kinobesuche
Kinobesuche seit 1976

Es gibt aber noch einen zweiten Indikator, das sind die Bewertungen von Filmen in Filmdatenbanken wie der IMDb (International Movie Database) oder der TMDb (The Movie Database). Beispielsweise könnten wir prüfen, in welchen Jahrzehnten besonders viele Filme produziert wurden, die bei der IMDB (das ist nun mal die bekannteste) in den Top10 oder den Top100 gelandet sind.

Das ist natürlich auch nicht ganz fair. Die IMDb gibt es erst seit 1990 – und zunächst nur als von Hand geführte Liste. Aber auch nachdem die Seite Mitte der 1990er Jahre online gegangen war (nach einer kurzen Zeit, in der die Datenbank per E-Mail zugänglich war), war die Zahl der Bewertungen zunächst niedrig. Das spiegelt sich in der Zahl der Stimmen die nötig sind, um sich für einen Platz in den Top-250 zu qualifizieren. Bereits seit 2013 sind das 25.000. Bei weniger Bewertungen gilt das Ergebnis als nicht valide. Ein Film, der 10.000 Stimmen und eine durchschnittliche Punktezahl von 9,5 hat, wäre zwar besser bewertet als die aktuelle Nummer 1 („Die Verurteilten“; 9,3 Punkte), würde aber nicht in den Top 250 auftauchen, weil das Ergebnis als nicht aussagekräftig gilt. 1996 lag die Zahl der nötigen Stimmen noch bei 200, das zeigt, das spiegelt die zunehmende Beliebtheit der Plattform.

Das bedeutet, dass die Urteile stark durch die heutigen Nutzer und ihre Sehgewohnheiten geprägt werden. Vielleicht wurde der ein oder andere Film aus den 1950er oder 1960 Jahren von seinen Zeitgenossen noch besser bewertet, aber die haben nicht mit abgestimmt und für moderen Zuschauer ist „M: Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu langsam, zu expressionistisch und zu schwarz-weiß.

Die 10 besten Filme

Aber da wir nichts besseres haben, schauen wir uns mal die Top10-Filme an. Das sind laut IMDb:

  • Die Verurteilten: 9,3 Punkte (1994)
  • Der Pate: 9,2 Punkte (1972)
  • Batman – The Dark Night: 9,1 Punkte (2008)
  • Der Pate 2: 9,0 Punkte (1974)
  • Die zwölf Geschworenen: 9,0 Punkte (1957)
  • Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs: 9,0 Punkte (2003)
  • Schindlers Liste: 9,0 Punkte (1993)
  • Der Herr der Ringe – Die Gefährten: 8,9 Punkte (2001)
  • Pulp Fiction: 8,8 Punkte (1994)
  • Zwei glorreiche Halunken: 8,8 Punkte (1966)

Unter den Top-Filmen gibt es also keinen einzigen, der nach 2008 ins Kino kam. Nun ist die Frage, ob Menschen unter 30 so häufig bei IMDb abstimmen, oder ob das nicht eher ein Refugium der Generationen X und Y ist. Dazu passt, dass sechs der Top10-Filme zwischen 1993 und 2008 erschienen. Allerdings haben es auch Filme aus den 1950ern und 1960ern in die Top-Liste geschafft, die von den Sehgewohnheiten der Generationen X und Y noch weiter entfernt sind als moderne Produkte. Oder ob vielleicht ganz viele moderne Filme auf den folgenden Plätzen kommen.

Die Top-50-Filme nach Erscheinungsjahr

Der Blick auf die Top-50-Filme verstärkt den Eindruck noch, dass die Filmindustrie sich aktuell in einer Krise befindet. Unter den Top 50 Filmen befindet sich nur ein einziger aus den 2020er-Jahren – nämlich Spider-Man: Across the Spider-Verse auf Platz 44. Er erschien 2023 und wird mit 8,5 Punkten bewertet. Nun sind die 20er-Jahre erst zur Hälfte um. Wenn wir sie 2020 beginnen und Ende 2029 enden lassen, dann war nämlich Ende 2024 und nicht erst Ende 2025 Halbzeit. Aber der Wert ist immer noch sehr schlecht.

JahrTop 1011 – 2021 – 3031- 4041 – 50Summe
30er000011
40er001012
50er101002
60er100203
70er211015
80er011114
90er3551317
00er311419
10er020215
20er (bis 2024)000011

Ganz vorne liegen die 1990er Jahre mit 17 Filmen. Liegt das daran, dass damals die Generation X, die einen Großteil der Stimmen stellen dürften, gerade jung war? Dazu würde passen, dass auf Platz 2 die 2000er Jahre folgen. Erstaulicherweise liegen die 80er, die in der Musik aktuell wieder angesagt sind, mit vier Produktionen nur auf Platz fünf, nach den 2010er und den 1970er Jahren mit je 5 Filmen.

Es zeigt sich sogar so etwas wie ein Muster. Die 1990er sind in der IMDb das Maß aller Dinge. In den 2000er-Jahren halbierte sich die Zahl der Film, die es in die Top-50 geschafft haben, nahezu, in den 2010er Jahren habe es wieder fast eine Halbierung. Entweder die Filmproduzenten sind seitdem deutlich schlechter geworden, oder der Geschmack einer Generation wird hier besonders deutlich abgebildet. Aber selbst die 60er schneiden mit drei Filmen – also 1,5 pro fünf Jahre – noch besser ab als die Gegenwart, die 40er und 50er sogar genauso gut. Das sollte den Filmproduzenten zu denken geben.

Fazit

Auch die IMDb-Daten haben Nachteile. Sie bilden vermutlich – genau belegen kann ich das nicht – vor allem den Geschmack der heute 30- bis 50-Jährigen ab. Hätten wir die Menschen 1960 befragt, wären vermutlich mehr Filme aus der damaligen Zeit ganz vorne.

Um mehr zu wissen, müssten wir eine Stichprobe ziehen und Menschen aller Altersklassen gezielt befragen. Nutzlos sind die Daten aber nicht. Wie so oft ergibt sich erst ein Bild, wenn verschiedene Informationen zusammengezogen werden. Etwa der Misserfolg vieler aktueller Filme und die Daten der IMDb. Aber letztendlich bleiben Aussagen wie „Modern movies suck“ eben Geschmacksache. Das ist aber auch gar nicht schlimm.

Von admin