Nebenerwerbsbetriebe in der Landwirtschaft (2)

Nebenerwerbsbetriebe sterben scheinbar aus – immerhin wurden bei der Landwirtschaftszählung 2010 nur noch die Hälfte der Betriebe aus dem Jahr 2007 erfasst. Bei den Haupterwerbsbetrieben waren es immer noch rund zwei Drittel. Erstmals seit langem wurden damit mehr Haupt- als Nebenerwerbsbetriebe gezählt. Woran liegt’s? Sinkt die Bereitschaft, sich nach einem Acht-Stunden-Tag auch noch auf den Traktor zu setzen? Sind die Nebenerwerbsbetriebe zu klein? Dafür spräche, dass vor allem die Zahl der kleinen Nebenerwerbsbetriebe mit weniger als 5 Hektar Land eingebrochen ist.

So einleuchtend sich diese Erläuterung auch anhört, sie ist trotzdem falsch. Zunächst einmal wurde in einem Kommentar zum ersten Teil ja schon darauf hingewiesen, dass nicht nur die klassischen „Mondscheinbauern“, die fünf Tage in der Fabrik, im Büro oder auf dem Amt arbeiten und am Abend und Wochenende den Traktor rausholen, in der Statistik als Nebenerwerbsbetriebe auftauchen, sondern auch Betriebe, die mit Forstwirtschaft, Fremdenverkehr und erneuerbaren Energien den Großteil ihres Einkommens erzielen. Möglicherweise ein Grund, warum es in Nordrhein-Westfalen trotz Anerbrecht im größten Teil des Landes so viele Nebenerwerbsbetriebe gibt, im Sauer- und Siegerland gibt es viel Wald und viel Tourismus.

Scheinbarer deutlicher Rückgang der Nebenerwerbsbetriebe

Nur scheinbar sinkt die Zahl der Nebenerwerbsbetrieb mit weniger als fünf Hektar in der Landwirtschaft deutlich. Tatsächlich wird der reale Effekt durch die Anhebung der Erfassungsgrenze von einem auf zwei Hektar 1999 und auf fünf Hektar 2010 verstärkt.

Der Hauptgrund für das statistische Verschwinden des Nebenerwerbs ist aber viel banaler, die Statistik hat uns hier einen Streich gespielt. 1997 wurden alle Betriebe mit mindestens einem Hektar landwirtschaftlicher Fläche gezählt, ab 1999 nur solche mit mindestens zwei Hektar und seit 2010 nur noch Betriebe mit mindestens fünf Hektar. Dass es in der Statistik überhaupt noch Betriebe mit weniger als fünf Hektar gibt liegt daran, dass kleinere Betriebe trotzdem aufgenommen werden, wenn sie einen ausreichend großen Viehbestand oder große Spezialkulturen haben. Letzteres erklärt auch, warum die Zahl der Haupterwerbsbetriebe mit weniger als fünf Hektar Land nicht annähernd so deutlich zurück ging, dort hat man entweder viel Vieh oder baut Spezialkulturen an, sonst könnte man von so wenig Land nicht leben.

Betrachtet man nur Betriebe ab fünf Hektar, sinkt die Zahl der Nebenerwerbsbetriebe sogar langsamer als die der Haupterwerbsbetriebe. Möglicherweise deshalb, weil bei einigen Betrieben der ehemalige Nebenerwerb wie Tourismus oder Forstwirtschaft zum Haupterwerb und die Landwirtschaft damit zum Nebenerwerb geworden ist.

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2 comments on “Nebenerwerbsbetriebe in der Landwirtschaft (2)
  1. Wolf sagt:

    Hallo Hermann,
    die Medien können da nichts dafür, die Anhebung der Erfassungsgrenzen läuft unter dem Schlagwort „Bürokratieabbau“. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist auch nicht unbedingt eine Zahl, bei der es einen Anreiz gibt ihre Zahl möglichst niedrig erscheinen zu lassen, eher im Gegenteil.

  2. Hermann sagt:

    Guten Tag, eine sehr gute Beschreibung bezüglich des sehr schlechten Diagramms. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass die Medien versuchen die Massen durch irreführende Diagramme zu manipulieren. Teils wird dies durch Stauchung oder wie hier, durch Veränderung der Bedingungen erreicht. Gut, dass du dieses Diagramm passend beschrieben hast, denn alleine für sich ist es nichtssagend.
    MfG Hermann

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