Ein Angebot, das man nicht annehmen kann

Jemand will mir in einem Werbebanner erzählen, er habe eine Möglichkeit gefunden, wie ich reich werden. Und wer kann bei Versprechen wie „Die folgenden Faktoren wird Ihnen helfen, zur Durchführung von einfachen und lukrativen Handel“ oder „Der Grund dafür ist, dass der vollständig Web-basierte Schnittstelle, die nicht mehr Sie keine Software herunterladen, einfach, persönlich und intuitiv ist“ schon nein sagen?

Binäre Optionen sollen mich angeblich reich machen

Geworben wird dabei für Binäre Optionen. Die Funktionieren wie eine Wette, man setzt auf steigende oder fallende Kurse und bekommt einen bestimmten Gewinn, beispielsweise 75 Prozent des Einsatzes, wenn man richtig liegt und verliert alles oder fast alles, wenn man falsch liegt. Binäre oder digital heißen sie, weil es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gibt, nämlich einen Betrag X gewinnen oder einen Betrag Y verlieren. Bei regulären Optionen ist der Gewinn dagegen vom genauen Börsenkurs abhängig, hier zählt nur, ob der Kurs gestiegen oder gefallen ist. Hat man auf steigende Kurse gesetzt und der Kurs ist ein Cent im Plus gewinnt man genauso viel wie wenn der Kurs einen Euro gestiegen ist.

Fragen wir die Wahrscheinlichkeitsrechnung

Kann man damit Gewinne machen, vor allem weil die möglichen Verluste meist höher sind als die potentiellen Gewinne. Eine typische Konstruktion sieht so aus: Wer richtig liegt, gewinnt 80 Prozent, wer falsch liegt verliert alles. Alternativ gibt es auch Möglichkeiten wie: Ist die Option im Geld (hat man also richtig getippt), gewinnt man 70 Prozent, ist die Option aus dem Geld verliert man 90 Prozent. Eine kleine Rechnung zeigt mir, warum ich dieses Angebot genauso wenig nutzen werde wie die polnische Partnerbörse.

Bleiben wir beim ersten Fall, ich gewinne 80 Prozent oder verliere alles. Dann müsste ich von neun Tipps fünf richtig und vier falsch haben, um mein Geld wieder zu sehen. Hört sich eigentlich ganz einfach an. Doch eine andere Rechnung macht das Problem deutlich. Liege ich genauso oft richtig wie daneben wie es die Wahrscheinlichkeitsrechnung nahe legt und setze ich bei jedem Handel ein Zehntel meines Geldes, habe ich schon nach rund 80 Durchgängen alles verloren.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Gewinne zu machen?

Weil es hier im Prinzip nur zwei Möglichkeiten gibt, haben wir eine Binomialverteilung. Es gibt auch die Möglichkeit, dass der Kurs am Ende der Laufzeit genauso hoch liegt wie am Anfang, dann wird das Geld ohne Gewinne und Verluste zurückgezahlt. Diesen Fall können wir also vernachlässigen. Angesichts der Quoten müsste ich von 100 Optionskäufen bei 56 Gewinne machen, um am Ende leicht im Plus zu sein. Hört sich nicht schwer an, doch schauen wir mal, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist.

Das geht ganz einfach, denn dafür gibt es eine Excel-Formel. Weil ein großer Teil der Leser sich mit der Binomialverteilung vermutlich besser auskennt als ich und ein anderer gar nicht daran interessiert ist, habe ich die Erklärung in einen eigenen Beitrag ausgelagert (der findet sich hier) und erläutere hier nur kurz das Ergebnis.

Excel gibt wahlweise die Wahrscheinlichkeit dafür wider, dass wir genau X Mal richtig liegen (dann steht im letzten Teil der Formel für kumuliert „Falsch“, weil wir ja nicht aufkumulieren, oder aber die Wahrscheinlichkeit für die sogenannte untere kumulative Verteilungsfunktion, also dafür dass höchsten X Mal richtig liegen. Wir wollen aber wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass wir mindestens 56 Mal richtig liegen und gehen daher den anderen Weg. Wenn wir mindestens 56 Mal richtig liegen, dürfen wir bei 100 Versuchen höchsten 44 Mal falsch liegen. Unsere Formel lautet also: =BINOM.VERT(44;100;0,5;WAHR).

Das Ergebnis

Das Ergebnis ist überzeugend. Nur rund 13,6 Prozent der Anleger dürften nach 100 Käufen mit jeweils gleich hohem Einsatz Gewinne machen. Jetzt lässt sich einige dagegen vorbringen. Die entsprechenden Seiten werben damit, dass man eine höhere Gewinnwahrscheinlichkeit habe, weil man die Entwicklung ja prognostizieren könnte. Doch am Ende gibt es bei dieser Art von Finanzwetten immer einen Gewinner und ein Verlierer. Anders als beim Aktienhandel wohlgemerkt, wo hinter dem Papier die Beteiligung an einem Unternehmen steht. Hier aber gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mir Charts und Nachrichten bei der Anlageentscheidung helfen sollen. Deshalb können mich auch die tollen Werbebotschaften nicht mehr locken, obwohl man mir verspricht: „Sie erhalten eine breite Palette von Ablauf-mal das heißt, Ende der Stunde oder des Tages oder der Woche oder des Monats“.

Posted in Wirtschaft und Soziales Tagged with: , ,
One comment on “Ein Angebot, das man nicht annehmen kann
  1. Alfred Kiel sagt:

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Binäre Optionen eigenen sich sehr gut als Tradinginstrumente. Jedoch muss man hier festhalten, dass sie aufgrund der Kurzfristigkeit ihrer Behaltedauer zu den Daytradinginstrumenten einzuordnen sind. Je nach Ausprägung besitzen sie das gleiche / höheres Risiko jedoch auch die gleiche / höhere Gewinnchancen als herkömmliche Hebelprodukte. Wenn man ein erfolgreicher Daytrader ist wird man gerne auf Binäre Optionen zurück greifen. Jedoch sind die meisten Investoren, welche an der Börse handeln nicht erfolgreich. Vielmehr schaffen sie es nicht langfristige Strategien zu verfolgen, sodass sie beim Daytrading mittels Binären Optionen noch weniger Erfolgschancen besitzen!

1 Pings/Trackbacks for "Ein Angebot, das man nicht annehmen kann"
  1. […] Beitrag ging es um die Wahrscheinlichkeit, bei einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 50 Prozent nach 100 Trades […]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*