Wie radikal ist die Junge Freiheit

FDP-Generalsekretär Martin Hagen hat der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ein Interview gegeben und damit neben Zustimmung auch Kritik erhalten. Gut, der Satz ist erst mal eine Phrase, denn Kritik gibt es immer. Aber hier gab es sehr laute Kritik, teilweise auch aus den eigenen Reihen, etwa von Ex-Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger.

Ich musste dabei gleich an einen Beitrag denken, den ich vor zwei Jahren schon geschrieben habe. Damals habe ich über eine Studie der Universität Mainz zum Vorwurf der politischen Einseitigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geschrieben.

Die Studie von 2024

Die Forscher aus Mainz hatten damals unter anderem Tagesschau und Co sowie mehrere private Medien nach zwei Kriterien untersucht, nämlich der Ausrichtung in

  • gesellschaftspolitischen Fragen und in
  • wirtschaftspolitischen Fragen.

Die Ergebnisse sind natürlich teilweise schon überholt, gefühlt hat sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk seitdem weiter nach links verschoben (damals war er noch deutlich mittiger als viele Privatmedien). Aber wir haben leider nichts Besseres.

Wie rechts ist die Junge Freiheit?

Ohnehin interessieren wir uns hier für ein Privatmedium, nämlich die Junge Freiheit. Die Uni Mainz hatte damals alle Medien auf einer fünfstufigen Skala von 1 (sehr links) bis 5 (sehr rechts) positioniert. Dabei steht die 3 für die politische Mitte. Ich hatte die Skala damals so umgerechnet, dass 0 die Mitte ist, die Skala also von -2 (sehr links) bis +2 (sehr rechts) reicht. Das mache ich auch dieses Mal.

Im Mittelpunkt stehen dabei gesellschaftspolitische Fragen, denn die meinen wir in Europa, wenn wir von links und rechts reden, meistens. In wirtschaftspolitischen Fragen ist es hierzulande nämlich schwieriger, weil nicht nur linke, sondern auch rechte Kräfte in dieser Hinsicht sehr staatsgläubig sind.

Das Ergebnis: Tatsächlich steht die Junge Freiheit gesellschaftspolitisch relativ weit rechts, nämlich bei einem Wert von 4 in der Originalquelle, also +1 bei mir. So weit rechts steht in der Untersuchung nur noch Tichys Einblicke. Besonders extrem ist sie damit aber nicht, die taz und die Frankfurter Rundschau erreichen ähnliche oder sogar höhere Werte, das Neue Deutschland sogar deutlich höhere. Selbst die Lokalzeitung „Thüringer Allgemeine“ ist ähnlich radikal.

Zeitungen nach Entfernung zur Mitte sortiert

NameLinks-Rechts-EinordnungRadikalität
nd.Der Tag-1,21,2
taz-1,01,0
Frankfurter Rundschau-1,01,0
Tichys Einblicke+1,01,0
Junge Freiheit+1,01,0
Süddeutsche Zeitung-0,70,7
BILD+0,50,5
Welt+0,30,3

Hinweis zur Tabelle: Bei gleichem Punktwert wurden die Zahlen nach den weiteren Nachkommastellen sortiert.

Insofern ist Hagens Interview also nicht schlimmer als eines mit der taz oder der Frankfurter Rundschau. Nun mögen Kritiker einwenden, linksradikal sei eben etwas anderes als rechtsradikal, aber ein Blick in die Geschichtsbücher lässt daran zumindest Zweifel aufkommen. Auch die Wissenschaftlerin Leor Zmigrod kommt in ihrem Buch „Das ideologische Gehirn“ zu dem Ergebnis, dass Menschen mit radikalen Überzeugungen weniger zugänglich für Argumente sind, egal ob sie links oder rechts stehen.

Eine ganz andere Frage ist, ob ein Boykott extremer Medien überhaupt sinnvoll ist. Aber dazu habe ich noch keine Statistik gefunden.

Von admin