Arbeitslosigkeit mal anders

In dieser Woche wurden die monatlichen Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Natürlich werden wir im Statistiker-Blog nicht wiederholen, was schon in allen Zeitungen steht. Statt dessen wollen wir uns eine Zahl ansehen, die meistens unter den Tisch fällt, nämlich die Erwerbslosenzahl nach den Kriterien der International Labour Organisation (ILO).

Diese werde vom Statistischen Bundesamt im Rahmen des Mikrozensus monatlich erhoben. Allerdings erscheinen sie mit einem Monat Verzögerung und sind etwas anders definiert als die Arbeitslosenzahlen nach den Kriterien des SGB III, die die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht. Danach ist jeder arbeitslos, der nicht mindestens eine Stunde arbeitet, unabhängig davon, ob er arbeitslos gemeldet ist oder an einer Weiterbildungsmaßnahme teilnimmt (vgl. Erläuterung).

Demnach stieg die Zahl der Erwerbslosen saisonbereinigt leicht um 10.000 oder 0,2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank sie um 340 000 Personen oder 10,6%. Die Erwerbslosenquote sank damit von 7,5 Prozent im Oktober 2009 auf 6,7 Prozent. Sie liegt damit deutlich unter dem EU-Schnitt von 9,6 Prozent (EU-27). Am höchsten lag die Erwerbslosenquote in Spanien mit 20,8 Prozent, am niedrigsten in den Niederlanden mit 4,4 Prozent.

Allerdings haben sowohl Deutschland als auch die Niederlande einen kleinen Startvorteil. Unsere Nachbarn schicken im großen Stil ältere Arbeitslose in den Ruhestand. Natürlich gilt nach den ILO-Kriterien auch ein Rentner als arbeitslos, wenn er statt Frührente zu beziehen lieber wieder arbeiten würde (und aktiv Arbeit sucht). Aber die Erfahrungen zeigen, dass das oft nicht der Fall ist. Deutschland profitiert dagegen von den Mini-Jobs. Wer eine Vollzeitstelle sucht und nur einen Mini-Job findet, gilt nach den strengen ILO-Kriterien nicht mehr als Erwerbslos. Wie viele Menschen das betrifft weiß ich leider nicht und auch nicht, ob es nicht in anderen Ländern ähnliche Regeln gibt wie die Frühverrentung in den Niederlanden oder die Mini-Jobs in Deutschland.

Das Statistische Bundesamt erhebt auch eine Unterbeschäftigung, die auch alle Arbeitnehmer mit einbezieht, die gerne mehr arbeiten würden. Darin enthalten sind allerdings nicht nur Mini-Jobber, die gerne voll arbeiten würden, sondern auch Vollzeiterwerbstätige, die gerne Überstunden machen würden. Eine mögliche Lösung wären Vollzeitäquivalente. Dabei wird die Studenzahl, die ein Arbeitnehmer gerne mehr arbeiten würde auf Vollzeitstellen umgerechnet. Dieses Verfahren wird beispielsweise bei den Kurzarbeitern angewandt.

Exkurs: Eine sehr interessante Grafik zur Arbeitslosigkeit nach den SGB III – Kriterien (die regelmäßig von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht wird) findet man unter http://doku.iab.de/kurzgraf/2010/kbfolien18103.pdf. Die Übersicht zeigt die Arbeitslosigkeit einschließlich Personen in Maßnahmen und der Stillen Reserve (also Menschen, die Arbeit suchen aber nicht als arbeitslos registriert sind).