Wer sichert unsere Rente?
Zuerst einmal eine schlechte Nachricht: Wer der Meinung ist, der demographische Wandel sei für ihn kein Thema weil er privat vorsorgt, hat Pech gehabt. Auch hier gilt: die Jungen arbeiten für die Alten. Wenn die Versicherung Aktien verkauft um damit die Versicherten auszubezahlen muss die Papiere jemand kaufen und die Rückzahlung der Staatsanleihen muss über Steuern erwirtschaftet werden. Die gute Nachricht: ein bisschen Bevölkerungsrückgang ist verkraftbar und in unserem dicht besiedelten Land vielleicht gar nicht so schlecht. Nur zu viel sollte es nicht sein.
Wo sitzen die Leute, die unsere Rente retten? Wo gibt es noch Kinder? Die Vermutung liegt nahe, dass vor allem im Speckgürtel der wachsenden Städte viele Kinder leben, in Ostdeutschland und Baden-Baden dagegen nur wenige, denn ohne junge Erwachsene auch keine Kinder.
Glücklicherweise müssen wir nicht philosophieren, sondern können in der Statistik nachsehen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Denn ausgerechnet im ländlichen West-Niedersachsen und im ebenso ländlichen Westmünsterland leben prozentual die meisten Kinder und Jugendlichen, nämlich in Cloppenburg, Vechta und Borken (nicht zu verwechseln mit dem vor allem durch das Grubenunglück bekannten hessische Borken).
Sehr wenige Kinder gibt es dagegen - wie erwartet - in den ostdeutschen Städten Dessau, Suhl und Gera. Dort sind viele junge Menschen abgewandert, die Alten sind geblieben. Aber die kriegen keine Kinder mehr.
Wenn wir unseren Blick nur auf die unter 10-Jährig richten, haben wir mir Erding (statt Borken) auch endliche eine Speckgürtelgemeinde dabei. Am anderen Ende der Skala ersetzt die Stadt Würzburg das ostdeutsche Gera. Warum ausgerechnet das wirtschaftlich gut dastehende Würzburg ganz hinten liegt? Möglicherweise weil es dort viele Studenten gibt, die meist noch keine Kinder haben. Außerdem ist die Stadt längst über ihre politischen Grenzen hinaus gewachsen und hat kaum noch Platz für neue Baugebiete.
Viel hat sich also bei dieser Betrachtung nicht geändert. Doch wenn wir nur noch auf die unter 3-Jährigen blicken ist plötzlich alles anders.Nur Suhl bleibt uns erhalten. Mit der Südwestpfalz und Goslar stehen plötzlich zwei westdeutsche, ländlich geprägte Landkreise am Ende der Skala. Ganz vorne dafür mit Potsdam und Dresden zwei ostdeutsche Städte? Es folgt mit Offenbach ebenfalls eine Stadt. Eine Trendwende? Zieht es junge Familien plötzlich in die Stadt? Möglicherweise bekommen viele junge Menschen ihre ersten Kinder in der Stadt und ziehen dann doch in den Speckgürtel. Warten wir's ab.

