Was war los in Berlin?

Die Wahl in Berlin liegt hinter uns. Sie wurde auch intensiv analysiert. Für alle, die es schon wieder vergessen haben, hier noch mal das amtliche Endergebnis.

Wahlergebnisse in 2011 und 2006 (halbtransparent). Quelle: Statistisches Amt Berlin-Brandenburg

Mit relativ einfachen Mitteln kann man ein paar interessante Fragen beantworten. Beispielsweise die, welche Parteien besonders intensiv im Wettbewerb stehen, weil sie sich aus den gleichen sozialen Milieus rekrutieren.

Dazu kann man sich die Wahlergebnisse nach Bezirken ansehen. Die haben nämlich in Berlin eine sehr unterschiedliche Sozialstruktur und wählen daher auch anders. In Reinickendorf, Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf holte die CDU mit bis zu 38,4 Prozent bayerische Ergebnisse (ja, ja, die CSU ist auch nicht mehr das, was sie mal war) und wurde stärkste Partei. Dagegen kam sie in Friedrichshain-Kreuzberg auf 8,4 Prozent und wurde nur fünftstärkste Partei.

Auffällig ist, wie hoch die Ergebnisse von CDU und FDP korrelieren. Bei einem Maximalwert von 1,0 kommen beide Parteien auf 0,9. Das heißt, in  Bezirken mit hohen CDU-Werten ist auch die FDP stark. CDU und Linke dagegen haben völlig unterschiedliche Schwerpunkte. Sie korrelieren mit -0,8. Ähnlich stark negativ ist der Zusammenhang auch zwischen CDU und Piraten sowie FDP und Linkspartei. Ein starker positiver Zusammenhang findet sich noch zwischen Linkspartei und den sonstigen Parteien mit 0,7.

Wahlbeteiligung in den Berliner Bezirken

Wahlbeteiligung (grau) und SGBII-Quote in den Berliner Bezirken nach Rang. Bei der Wahlbeteiligung ist die höchste Quote 1, bei der SGB II - Quote die niedrigste. Quelle: Landeswahlleiter Berlin, Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnung

Ebenfalls auffällig ist der Zusammenhang zwischen der Wahlbeteiligung und der SGB II Quote. Vereinfacht gesagt kann man sagen, je mehr Menschen die Grundsicherung für Arbeitsuchende beziehen, desto weniger gehen wählen.
Beide Größen korrelieren mit -0,6. Der Zusammenhang wäre sicher noch größer, würde man nur die SGB II Quote der Deutschen betrachten. Denn Ausländer dürfen bekanntlich nicht wählen.

Für die Grafik habe ich Wahlbeteiligung und SGB II – Quote einfach mal mit einer Rangfolge versehen, wobei bei der SGB II Quote der Bezirk mit der niedrigsten Quote die eins bekam, bei der Wahlbeteiligung der mit der höchsten. Ein zugegeben etwas grobes Herangehen, aber für die Illustration ausreichend. Man sieht schon, dass mit steigender SGB II – Quote die Wahlbeteiligung sinkt. Auch wenn beispielsweise Pankow aus der Reihe fällt, wo trotz für Berliner Verhältnisse niedriger SGB II – Quote kaum jemand wählen geht. Besser wäre natürlich, auch die Variablen Ost-West und die Altersstruktur zu berücksichtigen. Dann würde man vermutlich die Wahlbeteiligun relativ gut erklären können.

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