Das Problem mit der Transparenz bei Ratenkrediten

Neulich sah ich eine Werbung mit der Aussage: „2/3 Zinssatz für Ratenkredite sinkt von 7,9 auf 5,9 Prozent“. Da fragt sich der Statistiker in mir doch gleich: Sind die Kredite dieser Bank wirklich billiger geworden.

Das Frankenstadion ist jetzt nach einem Ratenkredit benannt und heißt easyCredit Stadion. Foto: Markus Unger

Der 2/3 Zinssatz ist der Zins, zu dem mindestens zwei Drittel der Darlehen abgeschlossen werden. Er wurde von der EU 2010 eingeführt und ist seitdem für Beispielrechnungen von Banken verbindlich. Damit soll verhindert werden, dass die Banken unrealistische Lockangebote bewerben. Denn viele Geldinstitute haben bonitätsabhängige Zinsen. Beim easyCredit, dem vielleicht berühmtesten Ratenkredit, reicht der Zins von 6,0 bis 13,0 Prozent. In der Vergangenheit warben die Banken nur mit dem niedristen Zinssatz, selbst wenn den nur wenige erhielten.

Der 2/3 Zinssatz ist eine Verbesserung, keine Frage. Doch der Statistiker sagt sofort: Man sollte sich von solcher Werbung nicht blenden lassen. Ratenkredite müssen keineswegs billiger geworden sein.

Statistiker kennen das Problem von der aktuellen Arbeitsmarktdiskussion. Dort wird seit Jahren darüber diskutiert, in wie weit die schwache Reallohnentwicklung der vergangenen Jahre auf Lohnrückgänge bei bestehenden Jobs zurückzuführen ist oder auf zusätzliche Jobs im Niedriglohnbereich.

Ähnlich ist es auch hier. Wenn der 2/3 Zinssatz sinkt, muss das keineswegs eine Zinssenkung bedeuten. Vielleicht werden einfach mehr Kunden mit niedriger Bonität abgelehnt als früher.

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