Kinderbetreuung in Ost und West

Über die Unterschiede zwischen Ost und West 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist schon viel geschrieben worden. Fast niergendwo sind sie aber so auffällig wie bei der Betreuung von Kleinkindern in Krippen, vor allem wenn es um Kinder unter einem Jahr geht.

Mit den unterschiedlichen Rollenbildern von Frauen in Ost und West hatten wir uns ja schon an anderer Stelle schon mal beschäftigt, nämlich bei der Beschäftigtenquote. Betrachtet man beide Landesteile getrennt, gibt es – wenig überraschend – einen starken Zusammenhang zwischen Arbeitslosen- und Beschäftigtenquote. Je höher der Anteil der Arbeitslosen, desto niedrig der Anteil der Beschäftigten. Für den Vergleich von Ost- und Westdeutschland gilt das nicht. Obwohl im Osten mehr Menschen arbeitslos sind, sind auch mehr beschäftigt. Dafür gibt es dort deutlich weniger Hausfrauen.

Dementsprechend hoch ist im Osten der Anteil der Kinder, die in Krippen betreut wird. In einigen Gebieten Westdeutschlands gilt dagegen immer noch als Rabenmutter, wer sein Kind in eine Kindertagesstätte gibt oder vor dem 16. Geburttag des jüngsten Kindes wieder voll arbeitet. Wenig verwunderlich also, dass in Landkreisen wie dem Berchtesgardener Land oder Mühldorf in Oberbayern gerade mal 0,3 Prozent der unter Ein-Jährigen außer Haus betreut werden. Spitzenreiter ist hier der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt mit einer Betreungsquote von 11,7 Prozent.

Insgesamt werden in Bayern von den Kindern unter drei Jahren 18,5 Prozent in Kindertageseinrichtungen betreut, in Sachsen-Anhalt dagegen 55,9 Prozent. Außer in Sachsen liegt die Quote überall in den Neuen Bundesländern (ohne Berlin) über 50 Prozent. Bayern ist übrigens keineswegs Schlusslicht. Besonders niedrig ist die Betreuungsquote in Nordrhein-Westfalen mit 14,0 Prozent.

Bei den Kindergartenkindern gleicht sich die Situation etwas an. Außer in den Nordstaaten Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen gehen in allen Ländern mehr als 90 Prozent in den Kindergarten, in Thürigen sogar 95,9 Prozent. Dass Hamburg mit 83,0 die mit Abstand niedrigste Betreuungsquote aufweist liegt übrigens auch daran, dass hier rund 8,6 Prozent der Kinder im Kindergartenalter eine vorschulische Einrichtung besuchen. Der Ost-West-Unterschied ist hier aber nicht so ausgeprägt, 91,6 Prozent sind es hüben (im Westen) und 95,2 Prozent drüben. Bei den Kindern unter drei Jahren sind es dagegen in den alten Ländern nur 17,3, in den neuen aber 48,0 Prozent, die in Kindertageseinrichtungen oder durch öffentlich geförderte Kindertagespflege betreut werden.