Wie wird eigentlich der Konsumklimaindex berechnet?

Der GfK-Konsumklimaindex für November liegt wie im Vormonat bei 4,9 Punkten. Prompt tickerte die Nachrichtenagentur Reuters „Steigende Kosten lassen die Verbraucherlaune stagnieren“. Das ist eine sonderbare Überschrift, wenn man bedenkt, dass ein höherer Wert in einem November das letzte Mal vor vier Jahren gemessen wurde.

Nov 06 9,1
Dez 06 9,1
Jan 07 8,6
Feb 07 4,8
Mrz 07 4,4
Apr 07 4,5
Mai 07 5,7
Jun 07 7,4
Jul 07 8,4
Aug 07 8,3
Sep 07 7,3
Okt 07 6,4
Nov 07 4,7
Dez 07 4,4
Jan 08 4,5
Feb 08 4,5
Mrz 08 4,6
Apr 08 4,6
Mai 08 5,0
Jun 08 4,3
Jul 08 3,4
Aug 08 1,8
Sep 08 1,5
Okt 08 1,7
Nov 08 1,9
Dez 08 2,1
Jan 09 2,2
Feb 09 2,3
Mrz 09 2,5
Apr 09 2,5
Mai 09 2,6
Jun 09 2,7
Jul 09 3,0
Aug 09 3,4
Sep 09 3,8
Okt 09 4,2
Nov 09 3,9
Dez 09 3,6
Jan 10 3,4
Feb 10 3,3
Mrz 10 3,2
Apr 10 3,4
Mai 10 3,7
Jun 10 3,5
Jul 10 3,7
Aug 10 4,1
Sep 10 4,3
Okt 10 4,9

Warum die Schlagzeile falsch ist wird klar, wenn man weiß, dass der Wert des GfK-Konsumklimaindex geteilt durch zehn das Wachstum des realen privaten Verbrauchs prognostiziert. Also den tatsächlichen Zuwachs nach Abzug der Inflation. Die Nürnberger Forscher gehen also davon aus, dass der Konsum im November 2010 0,49 Prozent höher liegen wird als ein Jahr zuvor.

Der GfK-Konsumklimaindex wird zwar gerne zitiert, wie er berechnet wird ist aber kaum bekannt. Zunächst einmal muss man wissen, dass die GfK mehr erhebt als nur den Index. Viel interessanter sind fünf Indikatoren, die Anschaffungsneigung, die Sparneigung, die Einkommenserwartung, die Preiserwartung und die Konjunkturerwartung. Hier nennt Wikipedia (Stand 27.10.2010) immerhin eine Formel. Die lautet: (Positive Antworten – negative Antworten)/Antworten gesamt. Das Online-Lexikon erklärt, der Indikator würde immer zwischen 1 und – 1 liegen. Das ist zumindest nur teilweise falsch. Tatsächlich liegen die fünf Indikatoren zwischen 100 und – 100. Und die Berechnung ist auch nicht ganz so einfach. Der Saldo aus positiven und negativen Antworten wird nämlich so umgerechnet, dass der langjährige Durchschnitt bei 0 liegt, die Extremwerte aber weiter zwischen 100 und -100.

Durch eine Regressionsanalyse mit Veränderungsraten der privaten Konsumausgaben als abhängige Variablen sowie der Einkommenserwartung, der Anschaffungs- und Sparneigung als unabhängige Variablen wird daraus der Konsumklimaindex errechnet.

Etwas ausführlicher kann man das auch in einem Beitrag auf manager-magazin.de nachlesen, an dem ich mitgewirkt habe.

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  1. […] sich fragt, woher die Marktforscher ihre Erkenntnisse haben, erhält vielleicht bei der GFK eine Antwort. Die Nürnberger Konsumforscher sucht nämlich aktuell sogenannte […]

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