Dieses Ranking ist totaler Blödsinn

Statistiker-Blog enthüllt: Die Geburtsjahrgänge 1983 und 1984 waren besonders kriminell. Das zeigt ein Ranking des beliebten Blogs. Statistiker-Blog fragt: Sollten wir die alle wegsperren?

So würde mein Beitrag beginnen, wäre ich eine Boulevard-Zeitung.Hier im Statistiker-Blog habe ich ja schon öfter mal die Politik, Forschungsinstitute, Gewerkschaften, Medien oder Buchautoren geschimpft, wenn sie Zahlen bewusst oder unbewusst falsch interpretierten, wieder mal an den Arbeitslosenzahlen rumschrauben oder einfach gewagte Interpretationen anstellen. Aber heute bin ich selbst mal total unseriös. Warum? Es machte mir einfach Spaß.

Als diese Leute hier Abi machten, wurde ein besonders krimineller Jahrgang geboren. Oder? In jedem Fall war der besser gekleidet als oben abgebildete Damen und Herren. Foto: Thomas Mistele (cc)

Aufbauend auf dem Beitrag zur Kriminalstatistik vom vergangenen Donnerstag habe ich mal eine Rangliste der Geburtsjahrgänge von 1972 bis 1990 gemacht. Die Vorgehensweise ist ebenso einfach wie unseriös. Ich habe zuerst eine Rangliste der Jahre mit der höchsten Zahl an Tatverdächtigen je 1.000 Personen für die Gruppen der Jugendlichen (14 bis unter 18), der Heranwachsenden (18 bis unter 21) und der Jungerwachsenen (21 bis unter 25) gemacht. Dann habe ich einzelne Jahrgänge diesen Jahren zugeordnet, 1998 waren beispielsweise die Jahrgänge 1983, 1984 und 1985 Jugendliche, einen Teil des Jahres auch die 1982 und 1986. Für jedes Jahr gab es Punkte für die Jahrgänge, die gerade im entsprechenden Alter waren, entweder viele, wenn es ein Jahr mit wenigen oder wenige, wenn es ein Jahr mit vielen Tatverdächtigen war. Am Ende habe ich den Durchschnitt (arithmetisches Mittel) gebildet und diese Rangliste bekommen:

Rangliste der Jahrgänge. Eine hohe Zahl steht dafür, dass es in den Jahren, in dem der Jahrgang einer bestimmten Altersgruppe angehörte, besonders viele Tatverdächtige je 1.000 Personen in dieser Altersgruppe gab.

Sie zeigt uns, dass der Jahrgang 1983 besonders viele, der 1972 besonders wenig Maluspunkte bekommen hat. Auch die Jahrgänge 1984, 1982 und 1985 haben viele, die 1972 bis 1974 und 1990 Geborenen besonders wenig Maluspunkte.

Auffällig ist, dass bis 1983 jeder Geburtsjahrgang mehr Maluspunkte bekam, als die vorherigen. Beginnend mit 1984 ist es dann umgekehrt. Dass benachbarte Jahrgänge einen ähnlichen „Tabellenplatz“ haben, liegt allerdings auch am Ranking-Verfahren (siehe Punkt 2 unten).

Mitunter deckt sich dieses Ranking durchaus mit meiner ganz subjektiven Wahrnehmung (anektodische Evidenz), aber ich möchte trotzdem noch kurz vier wichtige Gründe nennen, warum man nicht zu viele Schlüsse aus diesem Ranking ziehen sollte.

1. Die Kriminalstatistik misst wie bereits erwähnt nicht tatsächlich geschehene Verbrechen, sondern Tatverdächtige. Deren Zahl ist auch von der Aufklärungsquote abhänigg und davon, wie viel Prozent überhaupt angezeigt wurden.

2. Es liegen keine Daten für einzelne Jahrgänge vor. Statt dessen wurde nur bewertet, wo die Gruppe steht, in der ein Jahrgang sich befindet. Das ist ein bisschen so, als wenn man eine Rangliste der erfolgreichsten Fußballer anhand der Titel erstellen würde, die die Mannschaften, für die sie gespielt haben, erreichten.

3. Nicht für alle Jahrgänge liegen Daten aus allen Altersgruppen vor. Damit Alterseffekte keine Rolle spielen, musste ich deshalb statt der Tatverdächtigenquote den Ranglistenplatz verwenden.

4. Dass ich hier den Ranglistenplatz verwende, ist ebenfalls ein Problem. Denn die sind bekanntlich ordinal skaliert und daraus darf man eigentlich kein arithmetisches Mittel bilden. Allerdings hält sich daran kaum jemand. Auch Schulnoten sind beispielsweise ordinal skaliert, eigentlich dürfte man deshalb keine Notendurchschnitte bilden.

Man sollte das Ranking also nicht besonders ernst nehmen. Aber es hat halt einfach Spaß gemacht.

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  1. […] dürfte auch – entgegen landläufiger Vorurteile – der Anteil der kriminellen Jugendlichen gesunken sein, was die Kriminalität zusätzlich senkt. Schlechte Zeiten für Wahlkämpfer, aber […]

  2. […] = {"data_track_clickback":true};Erziehung ist in Deutschland ein hochemotionales Thema. Trotz rückläufiger Jugendkriminalität sind alle der Meinung, dass es früher irgendwie besser war, mit Ehe und Familie. Immerhin findet […]

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