Alles wird schlimmer – immer!

Die Allianz Versicherung hat wieder mal einen Wealth-Report veröffentlicht. Die Berichterstattung in vielen Zeitungen sah ähnlich aus, die Nürnberger Zeitung titelte beispielsweise „Die Welt wird reicher – und ungleicher“. Da nickt der Leser, so ähnlich ist es ja auch in Deutschland, warum soll es auf der Welt anders zugehen? Blöd nur, dass ein Zentraler Satz der Studie lautet: „Von zunehmender Ungleichheit kann
aus dieser Perspektive keine Rede sein.“

Armutsquoten von 1963 bis 2003 - Daten der Einkommens-und Verbrauchsstichprobe (EVS), dargestellt nach Geißler, Die Sozialstruktur Deutschlands (40%- und 50%-Grenze, schwarz und blau) und Destatis (60%-Grenze, grau). Bis 1988 ohne Ausländer. Gestrichelt: Schätzung
Armutsquoten von 1963 bis 2003 – Daten der Einkommens-und Verbrauchsstichprobe (EVS), dargestellt nach Geißler, Die Sozialstruktur Deutschlands (40%- und 50%-Grenze, schwarz und blau) und Destatis (60%-Grenze, grau). Bis 1988 ohne Ausländer. Gestrichelt: Schätzung

Die Perspektive, von der hier die Rede ist, ist die internationale. Tatsächlich hat die Ungleichheit in vielen, wenngleich nicht allen Ländern zugenommen. Die Forscher der Allianz schreiben dazu: „In der Mehrzahl der entwickelten Länder hat sich die Vermögensverteilung jedoch verschlechtert, d.h. der Vermögensanteil der reichsten zehn Prozent ist noch einmal gestiegen.“ Vor allem betreffe das die USA, wo die Ungleichheit sich seit der Finanzkrise deutlich erhöht hat. Aber auch in Frankreich, Italien, Irland und der Schweiz ist die Ungleichheit gestiegen. Die Allianz-Forscher haben deshalb auch in einer Zwischenüberschrift festgestellt: „Krise verschärft Vermögensungleichheit“.

Allianz Treptowers
Die Allianz-Treptowers in Berlin-Treptow. Foto: Pressebild der Allianz

Allerdings schränken sie auch ein, dass das nicht für alle Länder gilt. Vor allem in Lateinamerika ist die Ungleichheit in vielen Ländern nicht mehr weiter angestiegen, in manchen Ländern sogar gesunken. Dass das Gesamturteil der Allianz aber anders ausfällt, liegt daran, dass es Ungleichheit nicht nur innerhalb eines Landes, sondern auch zwischen Ländern gibt. Wenn ehemals arme Länder wie die Volksrepublik China rasant wachsen, senkt das natürlich die Ungleichheit insgesamt. Vor allem den Chinesen ist es auch zu verdanken, dass die weltweite Mittelschicht zugenommen hat.

Wobei die Allianz Vermögensungleichheit ohnehin nur am Anteil der oberen zehn Prozent am gesamten Vermögen misst. Liegt er unter 50 Prozent, ist eine Gesellschaft eher gleich, liegt er über 50 Prozent eher ungleich. Das ist natürlich ein ziemlich einfaches Verfahren, andere Instrumente wie den Gini-Koeffizienten zieht die Allianz nicht heran.

Auch sonst kann man die Aussagekraft der Studie an vielen Stellen kritisch hinterfragen. Behaupten, dass die Studie ergeben habe, die Welt werde ungleicher, kann man aber nicht.

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